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Von Wolfgang Urban
Rothenkirchen.
Am vergangenen Freitag in Rothenkirchen. Neugierig
nähere ich mich der im Jahr 2000 errichteten Putenmastanlage. Da
erschallt eine freundlich-resolute Frauenstimme aus dem nahe gelegenen
Bürogebäude: "Nicht weiter!" So erfahre ich, dass es
seit Ausbruch der Geflügelpest in Holland betriebsfremden Personen
verboten ist, die Stallanlagen zu betreten.
"Noch gibt es zum Glück keinen Fall von Geflügelpest auf
Rügen", erklärt später Dr.
Manfred Möller, Vorsitzender der APV (Agar-, Produktions- und
Vertriebsgesellschaft e.G.). Aber notwendige Vorsichtsmaßnahmen
wurden getroffen. Da die Geflügelpest u.a. von Zugvögeln
übertragen wird, dürfen zur Zeit auch die Tiere in der
Rothenkirchener Putenmastanlage nicht den Stall verlassen.
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"Es gibt eine verfehlte Wirtschafts- und Agrarpolitik!" Das ist
die übereinstimmende Meinung von Dr. Manfred Möller (links),
Vorsitzender der APV (Agrar-, Produktions- und Vertriebsgemeinschaft e.G.),
Jens Harder (Mitte), Betriebsleiter der auf Pflanzen- und Milchproduktion
spezialisierten Harder GbR und Lothar Püschel (Mitte),
Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Rügen. Im
Hintergrund sind die Futterbehälter der Putenmastanlage der
Rügener Getreide- und Dienstleistungs GmbH zu sehen.
Foto: Urban
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Die Geflügelpest ist also glücklicher Weise kein akutes Problem
auf Rügen. Hier gilt es nur, die notwendigen
Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. "Unser gegenwärtiges
Hauptproblem", so Dr. Möller, "ist der geringe Preis, den
wir als Erzeuger für unsere landwirtschaftlichen Produkte, vor allem
für die Milch, erhalten. Vor einem Jahr bekamen wir noch 31,5 bis 32
Cent je Kilogramm Milch heute sind es 28,5 bis 29,5 Cent."
"Im Gegenzug sind die Betriebsmittelpreise um ca. 20 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr angestiegen," ergänzte Jens Harder von der
Harder GbR im Rothenkirchener Gespräch über die Agrarpolitik.
Harder verwies als Beispiel auf die Kosten für den Diesel-Preis:
"Der Brutto-Preis ist im Verlauf eines Jahres von 76,5 Cent auf 89,3
Cent gestiegen. Es ist absehbar, dass die Schere zwischen den
Erzeugerpreisen und den Betriebsmittelpreisen noch weiter
auseinandergeht."
Zusätzlich zu diesem Problem der Kostenentwicklung müssen die
Landwirte weitere Einkommensverluste durch die am 1. Januar 2003
eingeführte "nationale Modulation" hinnehmen.
"Modulation", so Jens Harder, "bedeutet eigentlich nicht
mehr als eine Kürzung der uns zustehenden
Preisausgleichszahlungen." Für die APV heißt dies laut Dr.
Möller ganz konkret, dass der Betrieb im Jahr 2003 einen
Einnahmeverlust durch geringere Preisausgleichszahlungen von ca. 20.000
Euro zu verkraften hat.
"Im ganzen Land," so Jens Harder, "gehen den Bauern in
diesem Jahr allein durch die eingeführte nationale Modulation
Preisausgleichzahlungen in Höhe von 7,5 Mio Euro verloren." Dr.
Möller: "Geringere Preisausgleichszahlungen und geringere
Erzeugerpreise sowie die Erhöhung der Betriebskosten, u.a. durch die
Ökosteuer, haben dazu geführt, dass sich die APV in diesem Jahr
entschließen musste, weitere fünf Arbeitskräfte zu
entlassen."
Keine Negativbilder: Einfach die Wahrheit!
Wie vorstehend geschildert, gab es in Rothenkirchen ein Gespräch zum
Thema Agrarpolitik.
Überraschungsvisite in einer Stallanlage
Bei der Verabredung zu dem Gespräch konnte der Vorsitzende der APV
(Agrar-, Produktions- und Vertriebsgesellschaft) nicht ahnen, dass ich in
die Stall-anlagen wollte. Das wusste ich zuvor nicht einmal selbst. Aber
das Gespräch war so interessant, dass plötzlich der Wunsch nach
einer Besichtigung der Anlagen entstand. Dr. Möller hatte kein Problem
damit.
Ich konnte schauen, wohin ich wollte, und so entstanden die Fotos nebenan.
Sie künden von einer tierartgerechten Haltung in einem
Landwirtschaftsbetrieb auf Rügen, in dem es auch ohne Bio- oder
Ökoprädikate ein verantwortungsvolles Handeln gibt.
Wachsende Belastungen
Dabei haben Betriebe wie die APV durch geringere Preisausgleichszahlungen
und geringere Erzeugerpreise sowie eine Erhöhung der Betriebskosten
wachsende Belastungen zu verkraften gehabt.
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Bild links: Kurz vor diesem Foto schmusten die beiden Kälber im Sonnenschein im
Auslauf Rothenkirchen.
Bild Mitte: Auch im Innern der Stallanlage Stroh für die Tiere und das nicht nur
für die Jüngeren. In den Ställen gibt es eine
durchgängige Laufstallhaltung vom Kalb bis zur Kuh. Angebundene Tiere
sieht man also nicht mehr.
Bild rechts: Diese Kälbe machen es sich im Inneren des Stalles
gemütlich.
Fotos (5): Urban
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Einig waren sich die Landwirte in der Rothenkirchener Gesprächsrunde
in der Feststellung: "Wir können die wachsenden Belastungen nur
durch Produktivitätssteigerungen oder eine Erweiterung der Betriebe
auffangen. Letzteres bedeutet nicht, mehr Arbeitskräfte einzustellen,
sondern mit den vorhandenen Leuten ein breiteres Geschäftsfeld
abzudecken."
Wachsende Menge Milch pro Kuh und geringere Milchproduktion auf
Kreisebene
Im Gespräch verdeutlichte Jens Harder Entwicklungsprobleme am Beispiel
der Milchproduktion in Rappin. Vor der Wende erzeugte die dortige LPG 1,1
Mio Liter Milch im Jahr: "Das bedeutete damals Arbeit für etwa 30
Leute. Jetzt werden für die gleiche Milchmenge nur noch drei
Arbeitskräfte benötigt.
Möglich wurde dies durch den Neubau eines Stalles, in dem sich
leistungsfähigere Tiere und modernste Melktechnik befinden.
Während vor der Wende 3.500 Liter Milch pro Kuh und Jahr produziert
wurden, ist es jetzt mit fast 9.000 Litern rund das Zweieinhalbfache."
Diese Milchleistungssteigerung pro Kuh steht dabei im krassen Widerspruch
zu der heutigen Gesamtleistung an Milch im Kreis Rügen.
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| Kaum vorstellbar: Den Landwirten wird - trotz dieser Art der Tierhaltung -
das Leben immer schwerer gemacht.
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Dieses Kalb erlebt auch in einer nicht mit Öko- und Bioprädikaten
versehenen Anlage einfach eine ganz artgerechte Tierhaltung mit Freiluft
und Sonnenschein auf Rügen.
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"Die Milchlieferung insgesamt hat sich gegenüber 1992 um 23
Prozent verringert.", betonte Dr. Möller im Gespräch:
"Verursacht wird dies dadurch, dass die Milchproduktion trotz der
Leistungsentwicklung nicht immer rentabel ist. Das gilt auch insgesamt
für die Veredlung. 1990 hatten wir noch 84.000 Schweine auf Rügen
und 2002 waren es noch rund 6.500."
Die Tendenz der letzten 10 Jahre besteht darin, dass immer mehr Betriebe
die Veredlung aufgeben und nur noch im Ackerbau tätig sind. Das hat
zur Folge, dass es immer weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft
gibt."
Immer weniger Arbeitskräfte
"Während im Jahr 1990 im Kreis Rügen ca. 8.500 bis 9.000
Arbeitskäfte in der Landwirtschaft tätig waren", so Lothar
Püschel, "sind es heute nur noch rund 1.000."
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