Über Diebe und Dealer
Die Kriminalitätsstatistik 2001
Bergen auf Rügen (bs/pj).
Kriminalrat Frank Piotrowski von der
Polizeiinspektion Bergen lud in der vergangenen Woche die Vertreter der
regionalen Presse zur Bekanntgabe der Kriminalstatistik 2001 ein.
So war im Jahr 2001 ein leichter Anstieg der Anzahl der registrierten
Fälle auf der Insel Rügen im Vergleich zum Vorjahr 2000 zu
verzeichnen. Insgesamt wurden 5.858 Kriminaldelikte begangen. 2000 waren es
noch 5.773 Fälle. Jedoch betonte Kriminalrat Piotrowski, dass die
Aufklärungsquote erheblich gesteigert werden konnte. So lag sie im
Jahr 2000 noch bei 54,3 Prozent, im Jahr 2001 immerhin schon bei 56,5
Prozent.
3.121 Tatverdächtige konnten im vergangenen Jahr insgesamt durch die
Polizeiinspektion Bergen ermittelt werden. Das sind 158 Tatverdächtige
mehr als im Jahr 2000. Besonderes Augenmerk legte der Kriminalrat aber auf
die Jugend. Immerhin 38,4 Prozent der Tatverdächtigen sind Jugendliche
unter 21 Jahren.
Der Diebstahl insgesamt beteiligt sich mit über 50 Prozent an der
Kriminalität im Jahr 2001. 40,7 Prozent dieser Diebstahlsdelikte
konnten aber aufgeklärt werden. Und auch hier ist ein kleiner Anstieg
zu verzeichnen. Im Jahr 2000 machten die Diebstahlsdelikte noch 48 Prozent
der Kriminalität aus.
Dabei nahmen die Fälle des einfachen Diebstahls auf der Insel
erheblich zu, der schwere Einbruchsdiebstahl hingegen ist geringfügig
zurückgegangen. Bei den Kfz-Diebstählen im Jahr 2001 wurden 70
entwendete Fahrzeuge registriert, sieben weniger als im Vorjahr. Das
erklärt sich Kriminalrat Frank Piotrowski zum einen durch die
verstärkten Sicherungsmaßnahmen der Automobilhersteller im Werk
sowie durch die erhöhte Spezialisierung der Polizei auf die
Kfz-Delikte.
Einen erheblichen Rückgang konnten die Polizeibeamten im Bereich der
Sexualstraftaten verzeichnen. So wurden im Jahr 2000 noch 21 Sexualdelikte
in Bergen registriert. Neun Straftaten sind hingegen im Jahr 2001 zur
Anzeige gebracht worden. Das bedeutet einen Rückgang um 59 Prozent.
Dabei ist zu erwähnen, dass die Sexualstraftaten hauptsächlich in
den Familien begangen worden sind, die Täter also auch meistens schon
bekannt waren. Eine hundertprozentige Aufklärung ist hier die positive
Folge.
Im Bezug auf die Roheitsdelikte (Körperverletzung) konnte sich Frank
Piotrowski wie folgt äußern. 747 Fälle konnten im Jahr 2001
verzeichnet und zu 92 Prozent auch aufgeklärt werden. Jedoch ist auch
hier ein geringer Anstieg vorzuweisen. Im Jahr 2000 waren es nämlich
"nur" 701 Straftaten. Hinzuzufügen ist auch noch, dass die
Fälle der schweren Körperverletzung zu-genommen haben, da die
Hemmschwelle der Täter nach Aussage des Kriminalrats stark
zurückgegangen ist.
Im Bereich der Raubstraftaten konnten im vergangenen Jahr 20 Delikte
gezählt werden. Das bedeutet einen Rückgang von 20 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr. Von diesen 20 Raubstraftaten wurden 80 Prozent
aufgeklärt.
Womit die anwesenden Pressevertreter am vergangenen Donnerstag nicht
gerechnet haben, sind die fünf Straftaten gegen das Leben auf der
Insel Rügen. Drei Mal wurde wegen Totschlag und zwei Mal wegen
fahrlässiger Tötung in unserem Landkreis ermittelt.
Diesbezüglich konnten alle fünf Straftaten aufgeklärt
werden.
Erfreulich war es hingegen zu erfahren, dass die Rauschgiftdelikte im Jahr
2001 deutlich zurückgegangen sind. Im Gegensatz zum Jahr 2000, mit 124
registrierten Fällen, konnten die Beamten im Jahr 2001 nur noch 91
Fälle verzeichnen. Alle 91 konnten auch aufgeklärt werden.
Andererseits handle es sich aber hier, so Kriminalrat Piotrowski
abschließend, nur um Konsumenten und Kleindealer. Darüber hinaus
ginge es nicht um die wirklich harten Drogen wie Kokain. Die Dunkelziffer
auf der Insel ist aber sehr hoch. Wer was zu sich nimmt, und wer was
verkauft, ist selten für die Beamten in Erfahrung zu bringen.
"Sie müssen ja sehen, dass es bei Rauschgiftdelikten nie einen
Geschädigten gibt, dem es wichtig ist, die Straftat aufzuklären.
Hier geht es um Geschäfte von denen die Polizei garantiert nichts
mitbekommen soll.", so Frank Piotrowski. Außerdem erfolgt die
Aufklärung dieser Straftaten eher zufällig, zum Beispiel bei der
Verkehrskontrolle. Denn die Beamten sind auf die Düfte, die Cannabis
beim Konsum hinterlässt, geschult.
Insgesamt aber, ist es im vergleich zur Großstadt hier auf unserer
Insel sehr ruhig. Bei 91 Rauschgiftdelikten im Jahr 2001 kann man eben
nicht von einer "Drogenmetropole Rügen" sprechen.
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