Kadetrinne bleibt gefährlich
Greenpeace fordert Lotsenpflicht / WWF fordert erweiterten Schutzstatus
Rostock / Rügen (gü). Der Tanker "Artic Swan" ist ein
Albtraum für die Aktivisten der international agierenden
Naturschutzorganisation Greenpeace. Dabei handelt es sich um einen unter
panamesischer Flagge fahrenden Tanker, der 33 Jahre alt ist und nur eine
einwandige Schutzhülle besitzt.
Dieser "Oldtimer" schipperte seit September 2003 über zehn
Mal durch die Kadetrinne, die seit Jahren von Greenpeace als potenzieller
Unfallort für eine Tankerkatastrophe und damit einen verheerenden
Ölunfall angesehen wird. Dieses Öl könnte auch die
Strände der Insel Rügen erreichen, Vertreter von Greenpeace waren
bereits im Kreistag und haben vor den Gefahren gewarnt.
Die "Artic Swan" wird von Greenpeace-Schifffahrtsexperte
Christian Bussau als "tickende Zeitbombe" bezeichnet. Deshalb
erneuert er die Forderung der Naturschutzorganisation, in der Kadetrinne
die Lotsenpflicht einzuführen. Mit Schweröl beladene, einwandige
Schiffe unter 5.000 Tonnen können nach wie vor europäische
Hafenstädte anlaufen, seit einiger Zeit ist dies den
größeren untersagt. Ausgenommen ist auch der Durchgangsverkehr.
Nach Aussagen von Greenpeace nehmen derzeit rund 95 Prozent der knapp
60.000 Schiffe, die jährlich durch die Kadetrinne fahren, freiwillig
Lotsen an Bord. Doch die restlichen fünf Prozent sind nach wie vor
gefährlich für die Umwelt, wenn sie im Nadelöhr Kadetrinne
vom Kurs abkommen.
Und der Verkehr in der Ostsee werde zunehmen. Besonders von Russland aus
sollen verstärkt Öltransporte starten, sie müssen zwischen
Dänemark und Deutschland durch die Kadetrinne. Das könnte bis zu
1.000 Tanker bedeuten, nur jeder zweite hat eine Doppelwandhülle.
Auch der World Wide Fund for Nature (WWF) mischt sich mit Forderungen in
die Diskussion um die Kadetrinne ein. So fordert der WWF in einer der
Redaktion vorliegenden Mitteilung einen "erweiterten Schutz".
"Die Kadetrinne ist eine der Lebensadern der Ostsee, durch die das
Binnenmeer den größten Teil seines lebenswichtigen
Salzwasserzustroms erhält", erklärt WWF-Ostsee-Experte
Jochen Lamp. Gleichzeitig kritisiert er, dass durch das
Bundes-umweltministerium "nur ein unzureichender Streifen als
Schutzgebiet ausgewiesen ist".
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