Finanzschwerste Krise der Gemeinden
Kreisverbände der SPD und FDP unterstreichen Wichtigkeit der
Ämterfusionen in diesem Jahr
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Die beiden Kreisvorsitzenden Gerhard Reese (SPD, zweiter v.r.) und Gerhard
Weber (FDP, rechts) stellten am zurückliegenden Freitag gemeinsam mit
ihren Vorständen und Kreistagsfraktionen Gedanken zur Ämterfusion
auf Rügen vor. Weiterhin im Bild FDP-Fraktionschef Reinhard Liedtke
(zweiter v.l.) und Hiddensees Bürgermeister Gino Leonhard (FDP).
Foto: Günther |
Von Robby Günther
Bergen auf Rügen. Die Kommunen befinden sich in der schwersten
Finanzkrise seit Gründung der Bundesrepublik. Das vermeldet dieser
Tage der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Laut seinem
Präsidenten, Christian Schramm, habe sich durch
"Einnahmeausfälle und steigende Belastungen eine katastrophale
Situation für die Kommunen ergeben". Hatten Städte und
Gemeinden im Jahre 2000 noch 1,9 Milliarden Euro in ihren Kassen, sehen
sich diese Gebietskörperschaften jetzt einem erwarteten Defizit von
rund acht Milliarden Euro gegenüber !
Auch auf der Insel Rügen sind die Finanzen der Gemeinden seit Jahren
ein Thema, wird über die sog. Gemeindegebietsreform, die
Ämterfusion und andere Möglichkeiten zum Sparen debattiert.
Konkrete Ziele sind in diesem Zusammenhang ausgeblieben, kritisierten jetzt
die Parteivorstände von FDP und SPD während einer Pressekonferenz
am zurückliegenden Freitag im Romantik-Hotel "Kaufmannshof"
gegenüber der versammelten Presse.
"Zurecht sind noch keine Fusionen erfolgt", äußert
sich ein Bürgermeister gegenüber dieser Zeitung und verweist auf
die seitens des Landes in Aussicht gestellte Funktionalreform.
Innenminister Dr. Gottfried Timm (SPD) hat nach Ansicht des
Bürgermeisters seine Hausaufgaben nicht gemacht. "Wie sollen
Kommunen oder auch Ämter fusionieren, wenn sie nicht konkret wissen,
welche Aufgaben denn mit der Funktionalreform in welche
Verantwortlichkeiten kommen ?", wird die Frage in Richtung Schwerin
gestellt.
Die Vorstände der FDP und SPD sehen anhand der aktuellen Zahlen
allerdings die Zeit für gekommen, dass politische Entscheidungen von
den Verantwortungsträgern vor Ort getroffen werden. Denn, so FDP-Chef
Gerhard Weber, im Jahre 2004 wird Schwerin die Grenzen ziehen. Dem
pflichtete SPD-Chef Gerhard Reese bei.
Also haben die 44 Städte und Gemeinden eigentlich nur noch bis zur
Sommerpause Zeit, um die nötigen Beschlüsse zu fassen, wie die
Parteichefs unterstreichen. Gegenwärtig sind mit Bergen auf
Rügen, Putbus und Sassnitz drei amtsfreie Städte und mit dem
Ostseebad Binz sowie der Insel Hiddensee zwei amtsfreie Gemeinden auf der
politischen Landkarte zu finden.
Die restlichen 38 Gemeinden und die Stadt Garz werden durch sieben
Ämter verwaltet. Wie eine künftige Ämterstruktur aussehen
kann, skizzierte die FDP bereits im April 2002 (Der Rüganer berichtete
ausführlich). "Diesen Vorschlägen steht die SPD offen
gegenüber", sagte Gerhard Reese und verwies weiterhin darauf,
dass die neuen Strukturen für wenigstens 20 Jahre angelegt sein
sollten.
Und der SPD-Chef räumte für sein Dafürhalten mit einem
Gespenst auf. Das heißt Personalabbau. "Hier muss in den
Ämtern geprüft werden, wann beispielsweise Mitarbeiter aufgrund
des Alters ausscheiden. Weiterhin könnten die sog. Hochzeitsgelder
für Abfindungen genutzt werden. Aber auch eine komplette
Neuausschreibung der Stellen in dem dann neuen Amt kann ich mir vorstellen.
Die fachlich qualifizierten Mitarbeiter, die gebraucht werden, bekommen
einen Job, die anderen können dementsprechend nicht
berücksichtigt werden", so Reese. Gleichzeitig betonte er, dass
"der öffentliche Dienst bei Entlassungen keine Ausnahme bilde
dürfe".
Um dem Thema aus Sicht der FDP und SPD die notwendige Geschwindigkeit zu
verleihen, laden die beiden Kreisverbände am 16. Januar um 17 Uhr alle
44 Bürgermeister sowie politische Verantwortungsträger und
interessierte Bürger in das Ramada-Treff-Hotel ein. Dort soll mit dem
Geschäftsführer des deutschen Städte und Gemeindetages
Mecklenburg-Vorpommern, Michael Thomalla, eine Konferenz stattfinden, in
der die einzelnen Fragen behandelt werden sollen.
Nachdem sich die FDP wie bereits erwähnt im April 2002 mit ihren
Vorschlägen an die Öffentlichkeit gewandt hat, signalisierte
SPD-Chef Reese für seine Partei am kommenden Freitag, 10. Januar,
während einer dann stattfindenden Mitgliederversammlung einen
Beschluss zu künftigen Ämterstrukturen für den Kreistag.
Kritisiert wurden während der Pressekonferenz die derzeitigen
Bestrebungen zwischen
Sassnitz und dem Amt Jasmund für einen Zusammenschluss sowie der Stadt
Bergen auf Rügen, einzelne Gemeinden des Amtes Bergen-Land
einzugemeinden. "Wenn dies geschehe, werden die Ämter Wittow und
Gingst abgeschnitten", so Weber und Reese unisono. Sie bezeichneten
dieses Vorgehen als "Kirchturmdenken".
FDP-Kreistagsfraktionschef Reinhard Liedtke äußerte Kritik in
Richtung Städte- und Gemeindetag M-V. Dieser arbeite laut Liedtke seit
über einem an einem Konzept, aber bisher gebe es keine Ergebnisse. Auf
eine schriftliche Rüganer-Nachfrage zu diesen Vorwürfen
äußerte sich Michael Thomalla allerdings nicht bis zum
Redaktionsschluss. Vielleicht wird er am 16. Januar mehr dazu sagen...
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