D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 11. Februar - 17. Februar 2004 unabhängig - überparteilich

Eine solide und wertvolle Aufarbeitung der Geschichte

Das Buch von Ralf Lindemann "Das weiße Schloss am Meer"
Rügen im Wandel der Zeiten Teil 85

Das Schloss Dwasieden, hier die Vorderansicht, war im Frühjahr 1877 so weit fertiggestellt, dass es seinem Bauherrn, Adolph von Hansemann, zum Sommeraufenthalt dienen konnte. Der 1826 in Aachen geborene und 1903 in Berlin verstorbene Bankier Hansemann war einer der reichsten Männer des Kaiserreiches. Seine wirtschaftlichen Aktivitäten erstreckten sich im Westen bis nach Venezuela und im Osten bis nach China. Rechts ist ein Porträt von ihm zu sehen.

Von Wolfgang Urban

Rügen.
Eine Flut von Rügenbüchern entstand seit dem Beginn der 1990-er Jahre und überschwemmte nicht nur die Buchläden auf Deutschlands größter Insel. Kein Wunder war dies, denn Rügen wurde mit seiner Faszination der Kreidefelsen aus Richtung Westen wieder entdeckt und dazu bedurften die Entdecker der Orientierung.

Wer am Anfang der 1990-er Jahre an der westlichen Flut gen Osten auf dem Büchermarkt besonders viel verdienen wollte, der musste vor allem schnell sein. So strichen einige einfach in Windeseile den Sozialismus aus DDR-Büchern heraus, eilten umschreibend und kürzend über die Seiten und setzten neue Fotografien hinzu.

Es war die Zeit des schnellen Geldes, überall, auch beim Diebstahl geistiger Werte. Erschüttert erkannte damals ein Betroffener das von ihm einst in der DDR Formulierte im neuen Hochglanzformat mit fremdem Namen. Er sah, wie andere mit seinem geistigen Eigentum Geld verdienten.

Doch er wagte es nicht, sich zu wehren und auf den geistigen Diebstahl hinzuweisen. Er wollte keine Polemik, sondern als Buchautor auch künftig keine eingeengten Möglichkeiten haben. Da war ein Rechtsstreit risikovoll und erst Recht eine Polemik zu seiner sozialistischen Vergangenheit. Lieber produzierte er neue Bücher und flüchtete sich dabei in politisch unverfängliche Themen.

Nicht minder problematisch wurde die Tendenz, längst auf Rügen nicht mehr erschienene Bücher einfach als Reprint neu zu drucken, ohne Anmerkungen hinzuzufügen mit dem Hinweis auf neuere Forschungsergebnisse oder eindeutig widerlegte Falschdarstellungen. Der so verbreitete Wissensstand von gestern über die Geschichte von Rügen, inklusive Falschdarstellung, resultierte wohl ebenfalls vor allem aus der Jagd nach dem schnellen Geld und nur selten aus ideologischer Verblendung sowie Verbundenheit mit alten Zeiten.

Rückansicht des Schlosses Dwasieden. Im Schloss war sogar das deutsche Kaiserpaar zu Besuch. Hochrangige deutsche und schwedische Persönlichkeiten weilten hier, als die Fährverbindung Sassnitz-Trelleborg eröffnet wurde. In der Zeit des Dritten Reiches verwandelte sich das Schlossgelände in die "schönste deutsche Marine-Garnision". Nach dem Krieg wurde das Schloss gesprengt (siehe Foto rechts). Über seine wechselvolle Geschichte und die seiner Anlagen bis hin zu Plänen der weiteren Nutzung in jüngster Vergangenheit erfahren Sie mehr in Ralf Lindemanns Buch "Das weiße Schloss am Meer", ISBN 3-935137-05-2.

(re) Kurz nach der Sprengung des Schlosses Dwasieden im Jahr 1948. Einzelne Säulen trotzen noch der gewaltsamen Zerstörung.

Solide historische Aufarbeitungen von Geschichte kosten einfach mehr Zeit als ein bloßer Reprint, und Zeit ist Geld. Um so erfreulicher ist es, dass es immer wieder Rüganerinnen und Rüganer gibt, die sich viel Zeit zur Aufarbeitung der Geschichte von Rügen nehmen und so mittels gründlicher Recherchen Vergessenes wieder ins Bewusstsein bringen. Ralf Lindemann gehört zu ihnen. Sein Buch "Das weiße Schloss am Meer" entstand in vielen, vielen Freizeitstunden neben seiner Arbeitstätigkeit.

Für keinen Verlag rentabel bezahlbar wäre dabei allein die mühevolle Bearbeitung der vielen alten Schloss- und Personenfotos für die erreichte Qualität der Druckwiedergabe. Was Ralf Lindemann aus dem Zustand der Originalvorlagen machte, kann nur ein Fachmann mit modernster Computertechnik samt dazu gehörenden Programmen zur Bildbearbeitung tun. So gilt sein Dank am Ende des Buches u.a. auch dem Chef des Rüganer Thomas Wuitschik "für die freundliche Bereitstellung der Technik".

Mit hoher Qualität gedruckt und gebunden wurde "Das weiße Schloss am Meer" im Reprint-Verlag DRUCKHOF Gampe in Bergen auf Rügen. Von Ralf Lindemann sind indes nicht nur Layout, Gestaltung, Bildbearbeitung & Satz, sondern auch der Text. Für ihn musste er sich indes erst mit mühevoller Recherchearbeit das solide Fundament schaffen.

Gegenwartsimpression auf den Spuren des Schlosses Dwasieden. Repros (5) aus "Das weiße Schloss am Meer": Ralf Lindemann

Vieles zur Geschichte des Schlosses Dwasieden gehörte einfach nicht mehr zum aktuellen Wissensstand, als sich Ralf Lindemann an die Arbeit machte. Was noch verstreut an Wissen vorhanden war, galt es aufzuspüren und aufzuarbeiten. Für die dabei erwiesene Hilfe bedankt sich Ralf Lindemann in seinem Buch bei Archiven und vielen Personen, die ihm Bilder und Textmaterial gaben oder ihm ihr Wissen zur Verfügung stellten.

In solider Weise sind Archiv-, Bild- und Literaturnachweise vorhanden. Das Aufgearbeitete hat Ralf Lindemann so druckreif gemacht, dass ein übersichtlich gegliedertes Buch entstanden ist, dessen einzelne Teile ihren eigenen Nachschlagewert haben. Dabei fand er seinen eigenen Stil für eine nuancenreiche und dennoch nicht ausufernde Darstellung der Geschichte des Schlosses Dwasieden sowie seiner Bewohner und Gäste.

Gerne empfehle ich dieses wertvolle Buch. Weitere Infos sowie noch unveröffentlichtes Material finden Sie unter: www.schloss-dwasieden.de


FFH-Volksinitiative

Erklärung der Volksinitiative "Gegen die Ausweisung weiterer FFH-Gebiete auf Rügen":

Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern wird aufgefordert, auf Rügen keine neuen FFH-Gebiete auszuweisen beziehungsweise FFH-Erweiterungen vorzunehmen. Die Landesregierung soll umgehend alle an den Bund gemeldeten FFH-Erweiterungen in geeigneter Form offen legen.

Die inoffiziellen Meldungen der Naturschutzverbände an die europäische Kommision sind durch die Landesregierung unverzüglich als unverbindlich zu erklären. Für das Land Mecklenburg-Vorpommern, den Bund und die EU ist ein naturwissenschaftlich begründetes Konzept von Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt und dem dafür erforderlichen Biotopverbund mit demokratischen Mitteln zu entwickeln.

Dabei ist anzuerkennen, dass wir in einer Kulturlandschaft leben, die sich historisch entwickelt hat, und deren heutige Artenvielfalt das Ergebnis menschlichen Wirtschaftens ist. Nicht jede menschliche Tätigkeit führt zu einer Verschlechterung unserer Umwelt.

Es kommt vielmehr darauf an, die natürlichen Prozesse zu verstehen und verantwortungsvoll zu nutzen. Eine nachhaltige Entwicklung im Sinne des Rio - Prozesses und der Agenda 21 kann nur durch freie kreative Bürger in Kenntnis der realen natürlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse umgesetzt werden und nicht durch aufgeblähte bürokratische Behörden und erst recht nicht durch überdimensionierte Naturschutzverwaltungen.

Die Landesregierung wird aufgefordert, die umfangreichen bestehenden Schutzgebiete umfassend fachlich hinsichtlich ihrer Eignung und Weiterentwicklung ihrer Schutzziele zu überprüfen.

Gegen weitere FFH-Ausweisung


Dabei sollen insbesondere in den Biospährenreservaten modellhafte Beispiele für eine nachhaltige Entwicklung geschaffen werden, bevor neue Schutzgebietsforderungen erhoben werden. Der derzeit praktizierte administrative Naturschutz auf Rügen und in Mecklenburg-Vorpommern verhindert einen naturschutzfachlich begründeten Arten-, Landschafts- und Biotopschutz.

Er fördert die Konfrontation und verhindert ein Engagement der betroffenen Bürger. Der administrative Naturschutz mit seinen derzeit bürgerfeindlichen und investitionshemmenden Auswirkungen für Rügen und für Mecklenburg-Vorpommern ist umgehend in eine moderne bürgernahe Verwaltung umzubauen. Die nachhaltige Entwicklung von Unternehmen und Kommunen sollte zielgerichtet gefördert und nicht ver- oder behindert werden.

Die Belange einer wirtschaftlichen und umweltverträglichen Entwicklung sowie der Erhalt bzw. die Schaffung von Arbeitsplätzen müssen dabei gleichrangig gegeneinander abgewogen werden.
Das muss sich auch in entsprechend realitätsnahen Verwaltungsentscheidungen wiederspiegeln. Natur- und Umweltschutz dürfen nicht einseitig in den Vordergrund gestellt werden, sondern sind das Ergebnis eines verantwortungsvollen Wirtschaftens.

Die Ausweisung von FFH-Gebieten ist Sache der Länder. Strafgelder sind somit von Seiten der Europäischen Union nicht vorgesehen, ebenso keine Fördergelder für ausgewiesene Gebiete, wie uns bei unserem Besuch in Brüssel im November 2003 von der zuständigen EU-Kommission mitgeteilt wurde.

Auf Anraten der zuständigen Kommissare der Europäischen Union hatte die Volksinitiative die Absicht, diese Fragen mit dem Umweltminister unseres Landes zu beraten. Leider wurde unserer Bitte nicht entsprochen. Wir werden uns deshalb in gleicher Sache an unseren Ministerpräsidenten wenden, mit der Bitte, von dort gehört zu werden.


Der Sprecher der Volksinitiative, Dipl. Ing-oec Rudi Dobbert


Vollsperrung

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Bergen auf Rügen (ks). Laut Informationen des Stadtbauamtes wird die Ringstraße auf Grund von Bauarbeiten abschnittweise vom 10. Februar bis voraussichtlich 19. April im Bereich der Kreuzung Waldstraße /Ringstraße vollgesperrt. Demzufolge werden die RPNV - Linien 402, 409, 410 und 410a über den Markt geleitet.

Die Haltestelle "Markt" wird, laut RPNV, in diesem Zeitraum mitbedient. Für die Linie 410 gelten veränderte Abfahrtzeiten in Richtung Schaprode. So dass der Bus auf der Linie 410, der sonst 9.20 Uhr vom Bergener Busbahnhof abfuhr, bereits um 9.16 Uhr abfährt.

Weiterhin fahren täglich ab 10 Uhr alle Busse der Linie 410 in Richtung Schaprode zehn Minuten früher vom Busbahnhof Bergen ab und halten zusätzlich am Bahnhof. Ein Einsteigen am Bahnhof Bergen wird empfohlen.


Ein Schandfleck mehr

"Lidl" Investitionen in Sassnitz werden durch Bürgervertreter behindert

Von Christian Niemann

Sassnitz.
Die Ansiedlung des Discounters "Lidl" bleibt ein Thema in der Hafenstadt. Die gewählten Bürgervertreter sollen die Interessen der Einwohner vertreten, eigentlich. Doch in Sassnitz laufen die Uhren anders. Der Ausschuss für Bau, Planung und städtebauliche Sanierungsvorhaben hat auf der letzten Sitzung mehrheitlich einen Grundsatzbeschluss gefasst, der die Stärkung des innerstätischen Einzelhandels beinhaltet.

Keine Ansiedlung im Randbereich der Stadt. "Das Stadtzentrum muss gestärkt werden", so die Meinung der Bauausschussmitglieder, die für diese Beschlussvorlage gestimmt haben. Ebenfalls festgestellt wurde, dass der Bereich "Wohngebiet Wedding" mit Einzelhandesunternehmen unterversorgt ist. Lediglich zwei Mitglieder sind der Meinung "man sollte die Initiative von Handelseinrichtungen nicht behindern.

Eine Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsausschuss wurde mehrheitlich abgeleht. Gründe dafür wurden nicht genannt, obwohl es sich bei "Lidl" auch um wirtschaftliche Aktivitäten handelt. Das Handelsunternehmen hat Bauantrag für einen Lebensmitteldiscountmarkt am Lanckener Gutshof gestellt. Dabei stößt Sie auf wenig Kooperationsbereitschaft der Verwaltung im Sassnitzer Rathaus. "Wir sind jedoch der Meinung gute Kommunalpolitik sollte sich an den Interessen der betroffenen Bürger orientieren.

Man sollte an die einkommensschwachen Bürger denken, die gezwungen sind, beim Discounter einzukaufen und für diese die Versorgung verbessern", so die Meinung von vielen Einzelhändlern in Sassnitz. Laut eindeutiger Aussage von "Lidl" gegenüber Bürgermeister Dieter Holtz (PDS) und dem rüganer kommt nur der Standort am Lanckener Gutshof in Frage. Falls die Ansiedlung verhindert wird, müssen die Bürger, die bei "Lidl" einkaufen wollen zukünftig nach Binz, Sagard oder Bergen fahren.

Damit würde weiter Kaufkraft abfließen, die die Innenstadt und die dort vertretenen Einzelhändler dringend brauchen. Viele Sassnitzer fahren zum Einkaufen nach Bergen. Nach Informationen, die dem rüganer vorliegen, ist die Mehrheit der Sassnitzer Bürger für einen "Lidl"-Markt. In einem Gespräch mit dem Bürgermeister und den Einzelhändlern wurde deutlich, dass "Lidl" in Sassnitz investieren "darf" aber nicht dort wo der Discounter es möchte, sondern wo die Stadtvertretung- und verwaltung es wollen.

Im Gespräch ist die Ansiedlung im Stadtzentrum (Bachstraße). "Lidl" hat gewisse Vorstellungen von der verkehrstechnischen Anbindung. Diese ist mit dem Bau am Lanckener Gutshof gewährleistet. Mit einem Bau in der Innenstadt wird der Verkehrsfluss zunehmen. Der gewünschte Standort bietet bequeme Anfahrts- und Parkmöglichkeiten. SB-Märkte in Eingangsbereichen von Städten entsprechen einem modernen Stadtbild und verbessern die städtebauliche Situation schon daher, dass ein städtebaulicher Schandfleck einem ordentlichen Neubau weicht.

Eine Verbreiterung der Angebotsvielfalt nutzt indirekt auch der Innenstadt. Zudem entstehen bei "Lidl" zehn neue Arbeitsplätze. Laut Aussagen von Anwohnern bietet der Discounter der Stadt einen städtebaulichen Erschliessungsvertrag an, über den die Erschliessung des gesamten Gebietes gesichert werden könnte. So werden die Voraussetzungen geschaffen, diesen städtebaulichen Schandfleck im Eingangsbereich der Stadt Sassnitz zu beseitigen.

Der B-Plan für dieses Gebiet wurde 1994 entworfen. Seit 1997 hat die Stadt keinerlei Anstrengungen mehr unternommen den Bebauungsplan weiter zu entwickeln bzw. die Erschliessung des Gebietes zu sichern. Daher werden Abwässer der Anlieger teilweise ungeklärt in die Ostsee geleitet. Ein Skandal für einen staatlich anerkannten Erholungsort! Es ist daher völlig unverständlich, dass Bürgermeister Dieter Holtz (PDS) und seine Verwaltung einen Investor, der diesen Missstand beheben will alle nur erdenklichen Steine in den Weg legen will.



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