Eine solide und wertvolle Aufarbeitung der Geschichte
Das Buch von Ralf Lindemann "Das weiße Schloss am Meer"
Rügen im Wandel der Zeiten Teil 85
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Das Schloss Dwasieden, hier die Vorderansicht, war im Frühjahr 1877 so
weit fertiggestellt, dass es seinem Bauherrn, Adolph von Hansemann, zum
Sommeraufenthalt dienen konnte. Der 1826 in Aachen geborene und 1903
in Berlin verstorbene Bankier Hansemann war einer der reichsten Männer
des Kaiserreiches. Seine wirtschaftlichen Aktivitäten erstreckten sich
im Westen bis nach Venezuela und im Osten bis nach China. Rechts
ist ein Porträt von ihm zu sehen.
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Von Wolfgang Urban
Rügen. Eine Flut von Rügenbüchern entstand seit dem Beginn
der 1990-er Jahre und überschwemmte nicht nur die Buchläden auf
Deutschlands größter Insel. Kein Wunder war dies, denn
Rügen wurde mit seiner Faszination der Kreidefelsen aus Richtung
Westen wieder entdeckt und dazu bedurften die Entdecker der Orientierung.
Wer am Anfang der 1990-er Jahre an der westlichen Flut gen Osten auf dem
Büchermarkt besonders viel verdienen wollte, der musste vor allem
schnell sein. So strichen einige einfach in Windeseile den Sozialismus aus
DDR-Büchern heraus, eilten umschreibend und kürzend über die
Seiten und setzten neue Fotografien hinzu.
Es war die Zeit des schnellen Geldes, überall, auch beim Diebstahl
geistiger Werte. Erschüttert erkannte damals ein Betroffener das von
ihm einst in der DDR Formulierte im neuen Hochglanzformat mit fremdem
Namen. Er sah, wie andere mit seinem geistigen Eigentum Geld verdienten.
Doch er wagte es nicht, sich zu wehren und auf den geistigen Diebstahl
hinzuweisen. Er wollte keine Polemik, sondern als Buchautor auch
künftig keine eingeengten Möglichkeiten haben. Da war ein
Rechtsstreit risikovoll und erst Recht eine Polemik zu seiner
sozialistischen Vergangenheit. Lieber produzierte er neue Bücher und
flüchtete sich dabei in politisch unverfängliche Themen.
Nicht minder problematisch wurde die Tendenz, längst auf Rügen
nicht mehr erschienene Bücher einfach als Reprint neu zu drucken, ohne
Anmerkungen hinzuzufügen mit dem Hinweis auf neuere
Forschungsergebnisse oder eindeutig widerlegte Falschdarstellungen. Der so
verbreitete Wissensstand von gestern über die Geschichte von
Rügen, inklusive Falschdarstellung, resultierte wohl ebenfalls vor
allem aus der Jagd nach dem schnellen Geld und nur selten aus ideologischer
Verblendung sowie Verbundenheit mit alten Zeiten.
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Rückansicht des Schlosses Dwasieden. Im Schloss war sogar das deutsche
Kaiserpaar zu Besuch. Hochrangige deutsche und schwedische
Persönlichkeiten weilten hier, als die Fährverbindung
Sassnitz-Trelleborg eröffnet wurde. In der Zeit des Dritten Reiches
verwandelte sich das Schlossgelände in die "schönste
deutsche Marine-Garnision". Nach dem Krieg wurde das Schloss gesprengt
(siehe Foto rechts). Über seine wechselvolle Geschichte und die seiner
Anlagen bis hin zu Plänen der weiteren Nutzung in jüngster
Vergangenheit erfahren Sie mehr in Ralf Lindemanns Buch "Das
weiße Schloss am Meer", ISBN 3-935137-05-2.
(re) Kurz nach der Sprengung des Schlosses Dwasieden im Jahr 1948. Einzelne
Säulen trotzen noch der gewaltsamen Zerstörung.
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Solide historische Aufarbeitungen von Geschichte kosten einfach mehr Zeit
als ein bloßer Reprint, und Zeit ist Geld. Um so erfreulicher ist es,
dass es immer wieder Rüganerinnen und Rüganer gibt, die sich viel
Zeit zur Aufarbeitung der Geschichte von Rügen nehmen und so mittels
gründlicher Recherchen Vergessenes wieder ins Bewusstsein bringen.
Ralf Lindemann gehört zu ihnen. Sein Buch "Das weiße
Schloss am Meer" entstand in vielen, vielen Freizeitstunden neben
seiner Arbeitstätigkeit.
Für keinen Verlag rentabel bezahlbar wäre dabei allein die
mühevolle Bearbeitung der vielen alten Schloss- und Personenfotos
für die erreichte Qualität der Druckwiedergabe. Was Ralf
Lindemann aus dem Zustand der Originalvorlagen machte, kann nur ein
Fachmann mit modernster Computertechnik samt dazu gehörenden
Programmen zur Bildbearbeitung tun. So gilt sein Dank am Ende des Buches
u.a. auch dem Chef des Rüganer Thomas Wuitschik "für die
freundliche Bereitstellung der Technik".
Mit hoher Qualität gedruckt und gebunden wurde "Das weiße
Schloss am Meer" im Reprint-Verlag DRUCKHOF Gampe in Bergen auf
Rügen. Von Ralf Lindemann sind indes nicht nur Layout, Gestaltung,
Bildbearbeitung & Satz, sondern auch der Text. Für ihn musste er
sich indes erst mit mühevoller Recherchearbeit das solide Fundament
schaffen.
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Gegenwartsimpression auf den Spuren des Schlosses Dwasieden. Repros (5) aus
"Das weiße Schloss am Meer": Ralf Lindemann
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Vieles zur Geschichte des Schlosses Dwasieden gehörte einfach nicht
mehr zum aktuellen Wissensstand, als sich Ralf Lindemann an die Arbeit
machte. Was noch verstreut an Wissen vorhanden war, galt es
aufzuspüren und aufzuarbeiten. Für die dabei erwiesene Hilfe
bedankt sich Ralf Lindemann in seinem Buch bei Archiven und vielen
Personen, die ihm Bilder und Textmaterial gaben oder ihm ihr Wissen zur
Verfügung stellten.
In solider Weise sind Archiv-, Bild- und Literaturnachweise vorhanden. Das
Aufgearbeitete hat Ralf Lindemann so druckreif gemacht, dass ein
übersichtlich gegliedertes Buch entstanden ist, dessen einzelne Teile
ihren eigenen Nachschlagewert haben. Dabei fand er seinen eigenen Stil
für eine nuancenreiche und dennoch nicht ausufernde Darstellung der
Geschichte des Schlosses Dwasieden sowie seiner Bewohner und Gäste.
Gerne empfehle ich dieses wertvolle Buch. Weitere Infos sowie noch
unveröffentlichtes Material finden Sie unter:
www.schloss-dwasieden.de
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