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Landrätin Kerstin Kassner (PDS, li.) stattet Störtebeker symbolisch mit dem Kaperbrief aus. Foto : Wermke |
Rügendamm (DR / gü). Störtebeker geht wieder auf Kaperfahrt
! Beginn der neuen Spielzeit verpasst, werden Sie, liebe Leser, jetzt
fragen ? Mitnichten ! Keine geringere als Landrätin Kerstin Kassner
von der PDS hat den rauhen Gesellen, alias Sascha Gluth, mit einem
Kaperbrief ausgestattet und will damit auf die Finanznot der Landkreise
und Kommunen aufmerksam machen.
Die in Richtung rot-roter Landesregierung streitlustige Landrätin
nutzte am letzten Freitag eine Brückenöffnungszeit auf dem
Rügendamm und "besetzte" mit ihren Mitarbeitern die einzige
landseitige Verbindung der Insel Rügen und bat den Klaus
Störtebeker um seine Hilfe. Kassner fordert : "Kommunale Finanzen
dürfen nicht noch weiter gekürzt wer-den !".
Der Landkreis hatte dieser Tage wieder finanzielle Hiobsbotschaften aus
Schwerin und damit weniger Zuweisungen seitens des Landes erhalten. Fast
eine Million Euro größer ist das Finanzloch des einzigen
Insellandkreises durch die gekürzten Zuweisungen geworden.
Mit dem im letzten Jahr verabschiedeten Haushaltssicherungskonzept nicht
mehr aufzufangen, so Verwaltung und Finanzausschuss des Kreistages (Der
Rüganer berichtete). Das Inselparlament soll während seiner
Sitzung am 20. November einen Haushalt mit rund 3,5 Millionen Euro Defizit
verabschieden. Ausgang aus heutiger Sicht völlig unklar.
Kerstin Kassner zur Situation : "Das Ende der Fahnenstange ist
erreicht ! Weniger Zuweisungen, sinkende Einnahmen und steigende Ausgaben
im Jugend- und Sozialbereich lassen die Schulden anwachsen."
Bundesweit wurden seit dem 3. November Flaggen vor den Rathäusern mit
der Aufschrift "Städte in Not" aufgezogen, um auf die
prekäre Finanzausstattung der Kommunen aufmerksam zu machen ( so auch
Bergen und Sassnitz). Wie war das noch vor einem Jahr ? Unabhängige
Republik Rügen ...?
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Prof. Dr. Carl Vogel bei einer Ausstellungseröffnung im Jahr 1999. Er
wird von Hans Marquardt nach der Übergabe einer Spende dankend umarmt.
Foto : Urban |
Prora (gü). Der Hamburger Kunstsammler Prof. Dr. Carl Vogel feiert am
morgigen Donnerstag seinen 80. Geburtstag. Der Rüganer gratuliert an
dieser Stelle dem quirligen und nimmermüden Kunstverständigen,
der mit seiner Grafiksammlung etwas Einmaliges auf der Insel Rügen
etablieren wollte.
Und immer noch will. Im Jahr 1994 gab es das erste Angebot von Vogel an den
Landkreis, eine der größten deutschen und auch internationalen
Sammlungen als Stiftung auf die Insel Rügen zu bringen. Die Sammlung
"C & C Vogel" aus Hamburg ist unter Kunstverständigen
weit vor diesem Termin bekannt, geschätzt und auch geliebt worden.
Unermüdlich propagierte Carl Vogel seit 1994, seine Sammlung in den
"Koloss von Rügen" nach Prora zu nehmen.
Der in Beton gegossene Größenwahn der Nationalsozialisten
schrie nach einer zumindest teilweise kulturellen Nutzung, wie es in diesen
Tagen immer wieder hieß. Vogel hat ein Angebot gemacht. Ganze zwei
Jahre (!) dauerte es, bis im Sommer 1996 unter dem Titel "Der zweite
Blick - deutsche Grafik der ersten Jahrhunderthälfte" die ersten
1.000 Blätter der wohl größten Druckgrafiksammlung gezeigt
werden konnten.
Dass es dann immerhin 2.000 Blätter waren, die in den Fluren des
Blockes III aufgehängt wurden, war dem Engagement des Ehepaares Vogel
zu verdanken. Rügen hatte ein Kulturhighlight und -gut der ersten
Klasse zu bieten.
Im Laufe der Saison 1996 reifte die Idee, dass der Landkreis für die
rund 15.000 Blätter umfassende Sammlung eine neue Heimat sein
könnte. Vogel wollte seine Bilder der Hansestadt Hamburg schenken,
diese Pläne scheiterten jedoch. Die damalige Landrätin Dr. Karin
Timmel lud den ehemaligen Hochschul-Präsidenten ein, seine Kunst
dauerhaft auf Rügen zu etablieren. Die Errichtung eines Grafik-Museums
wurde besprochen. Daraus wurden viele Gespräche,vereinzelte
Kreistagsbeschlüsse, aber auch viele Fragen nach dem Warum und Wieso.
Der Streit um die künftige Nutzung des "Koloss von
Rügen" zwischen Oberfinanzdirektion Rostock, der Gemeinde Binz
und vielen anderen "Interessierten" an der Immobilie schwappte
auch auf die Idee von Timmel und Vogel über.
Zur Finanzierung des Museums startete Karin Timmel 1997 einen Aufruf an die
hiesige Hotellerie, mit einer Mark pro Bett den Fortbestand der Ausstellung
zu sichern. Der Aufruf verlief im Sande . . . Zwischenzeitlich
vergrößerte Vogel die Ausstellung auf 3.000 Blätter,
später auf 4.000.
Heute schreibt man das Jahr 2003, und in sechseinhalb Wochen ist es zu
Ende. Im kommenden Jahr werden Carin und Carl Vogel ihren zehnten Jahrestag
mit der Sammlung in Prora auf Rügen feiern können. Ein besonderer
Grund zur Freude ist dies allerdings nicht, sind doch nach wie vor viele
Fragen zur Zukunft der Sammlung und des einst angedachten Museums noch
offen. Auch die Zukunft des Blockes III zeichnet sich nicht unbedingt
deutlich in den Rügener Abendhimmel dieser Tage.
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