D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 13. März - 19. März 2001 unabhängig - überparteilich

Zukunft der Insel bleibt weiter schwierig

Kreistag verabschiedet eine Reihe schmerzlicher Beschlüsse
Haushalt mit Millionendefizit


Von Robby Günther

Bergen auf Rügen.
Einstimmiger Beschluss zur Haushaltssatzung 2002 des Kreises durch den Kreistag ! "Das gab es noch nie", kommentierte Kreistagspräsidentin Gesine Skrzepski (CDU) nach der Abstimmung. Die 30 anwesenden Kreistagsmitglieder entschieden sich am zurückliegenden Donnerstag während ihrer Sitzung für das von der Verwaltung vorgelegte Zahlenwerk.

Das wurde in den zurückliegenden Monaten durch die Ausschüsse des Kreistags immer wieder unter dem Zwang, Einsparungen in allen Bereichen der Verwaltung durchzusetzen, emotional und heftig diskutiert.

Friedfertig ging es am letzten Donnerstag im Kreistag zu. Gleich dieses Sonnenunterganges könnte man die Situation im Umgang miteinander beschreiben, auch wenn die Probleme nicht weniger werden.

Foto : Archiv

Landrätin Kerstin Kassner (PDS) attestierte dem Kreistag nach der Beschlussfassung eine "konstruktive Atmosphäre". Und das, obwohl der nunmehr verabschiedete Etat ein Defizit in Höhe von 1.039.300 Euro ausweist. Doch die im Kreistag vertretenen Parteien hatten sich in den letzten Wochen und Monaten mit der Landkreisverwaltung auseinandergesetzt und augenscheinlich alle Positionen ausgereizt, um das ursprüngliche Defizit von fast zwei Millionen Euro zu senken.

"Nach intensivem Suchen haben wir gespart, wo wir es konnten", sagte Finanzausschussvorsitzender Klaus-Dietmar Koesling (CDU). Und sein Fraktionschef, Udo Timm, bemerkte, dass "nicht weiter über den Haushalt zu philosophieren sei".

FDP-Fraktionschef Reinhard Liedtke bemerkte, dass "die offenen Fragen im Konsolidierungskonzept beantwortet werden müssten". SPD-Fraktionschefin Kristine Kasten sieht den Kreis am "Rande seiner Möglichkeiten", was Ein-sparungen betrifft. Dies unterstrich PDS-Fraktionschef Gerhard Bohm mit den Worten, dass "sich der Kreis nicht Tod sparen könne".
Immer wieder wurden Personalkosten als Mittel für mögliche Einsparungen genannt. Hierin sind sich die Fraktionen ziemlich einig.

Allerdings die Herangehensweise an diese Einsparungen bringt deutliche politische Unterschiede mit sich, wie die Aussagen der Redner bewiesen. Eine pauschale Kürzung der Arbeitszeit um zehn und der damit verbundenen Kürzung von Gehältern um zehn Prozent, wie während des letzten Kreistags von der Fraktion des Bündnis für Rügen vorgeschlagen, wurde allerdings von Eckard Kröger für seine Fraktion wieder zurückgezogen.

Der Gesamtbeschlussfassung zum diesjährigen Haushalt gingen eine Reihe von schwerwiegenden Entscheidungen voraus, die bereits seit Monaten eines klaren Votums bedurften. So stand als erstes das Konzept zur Entwicklung der Allgemeinen Förderschulen auf der Tagesordnung. Hier ging es um die Standorte Sassnitz und Sellin. Die betreffenden Bürgermeister, Dieter Holtz (PDS) und Reinhard Liedtke (FDP), sollten laut einer Verfügung des Innenministeriums von dem Punkt ausgeschlossen werden.

Allerdings widersetzten sich die beiden der Interpretation durch die Schweriner Behörde. "Sie können beschließen was sie wollen, ich bleibe sitzen", kündigte Holtz an. Und sein Selliner Kollege sah in der Verfügung eine Vorgehensweise, die "die Bürgermeister mundtot machen soll. Da mache ich nicht mit". Beide durften nach Beschluss des Kreistages sitzen bleiben, da der Landkreis in diesem Fall Schulträger ist.

Reinhard Liedtke erklärte vor der endgültigen Abstimmung, dass er sich "offenen Auges über die Konsequenzen" dem Ergänzungantrag der PDS anschließe. Dieser sieht vor, dass die Förderschule Sellin als Außenstelle der Förderschule Sassnitz solange erhalten bleibt, wie der Kreis die dortigen Internatsplätze benötigt.

Mit seiner Enthaltung wurde der endgültige Beschlussvorschlag angenommen, so dass Sellin als selbstständige Schule zum Ende des Schuljahres 2001 / 2002 geschlossen und danach als Außenstelle weiter geführt wird. Ebenfalls einstimmig wurde anschließend die Schließung des Schulwohnheimes Bergen zum 31. Juli dieses Jahres beschlossen. Für die Gymnasiasten von Hiddensee soll ein bedarfsgerechtes betreutes Wohnen organisiert werden.

Die 2. Änderungssatzung zur Satzung über die Schülerbeförderung wurde mit Stimmenmehrheit in der Variante B beschlossen. Demnach müssen die Schüler ab der Jahrgangsstufe 11 an allgemeinbildenden Schulen einen Selbstkostenbeitrag zum Fahrpreis von 30 Euro selbst tragen. Abschließend wurde, wie eingangs erwähnt, der komplette Etatentwurf 2002 beschlossen.



Der Kommentar von Robby Günther

Das ist unser Kreistag

Es war ein Kreistag der leisen Töne. Das ist umso beachtenswerter, da das in den kommenden Monaten zu erwartende Wahlkampfgetümmel nicht auf die Sitzung des Inselparlaments übergestülpt wurde. Und das trotz der schweren und folgenreichen Entscheidungen, die auf der Tagesordnung standen.

Schwere, verantwortungsvolle Entscheidungen waren durch die anwesenden Kreistagsmitglieder mit hoher Konzentration bearbeitet und diskutiert worden. Auch wenn die nunmehr getroffenen Beschlüsse nicht jedermann auf der Insel gefallen werden, haben sich die politischen Verantwortungsträger in einer Zeit der finanziellen Not und nicht allzu positiv daherkommenden Zukunft bemüht, eine gewisse Würde und auch Sachlichkeit im Umgang mit den Themen und sich selbst an den Tag zu legen.

Das ist auch gut so ! Denn die Bürger des Landkreises schauen auf ihre gewählten Vertreter und erwarten, dass diese sich mit ganzer Kraft für die Belange eines selbstständigen Kreises einsetzen. Heute, morgen und auch weiterhin können auf dieser Ebene die überflüssigen Kabbeleien ruhig von der Tagesordnung verschwinden, die nur Zeit rauben. Zeit, die die Kreistagsmitglieder zur Diskussion und Findung von Lösungen verwenden sollten.

Jede Partei und politische Gruppierung hat ein Recht auf eigene Positionen. Wenn dieses Recht allerdings in der Art missbraucht wird, dass sich der Kreistag nicht mehr auf die wesentlichen Probleme der Insel konzentrieren kann, dann ist es kein Wunder, dass der Bürger das Interesse an Sitzungen des Kreistages verliert.

Viel Zeit ist unnütz verstrichen, viele Emotionen sind erlebt und viel störrisches Beharren auf Kleinigkeiten erduldet worden. Wenn der Kreistag, wie am letzten Donnerstag bewiesen, in solch schwierigen Zeiten aber zusammenrückt, um das augenscheinlich beste Ergebnis zu beschließen, dann arbeitet er vorbildlich im Sinne der Insel. Dann sollten die Bürger auch wieder auf den Rängen sitzen.


Zur Startseite "Der RÜGANER - Die Zeitung für die Insel".
© DER RÜGANER, Weiterveröffentlichung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages!


Ruegen-Logo Informationen zur Insel Rügen   © wild-east®marketing
Impressum