"Lebensmittel sind mehr wert!"
"Kampf gegen fortschreitende
Wertevernichtung..."
Rügen. Nach der Fahrt entlang von Wiesen und Weiden der Gut Mattchow
GbR beantwortet Walter Lonskowski nicht nur als Geschäftsführer
dieser GbR, sondern auch als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes
Rügen e.V. Fragen.
Wolfgang Urban (ur):
Sie sagten auf der Fahrt, dass es bald kaum noch Kühe auf
Rügen geben werde, wenn die Entwicklung so weiter geht. Warum?
Walter Lonskowski:
In diesem Jahr wurde zum ersten Mal die Milchquote im Land
Mecklenburg-Vorpommern nicht ausgeschöpft. Immer mehr Landwirte ziehen
sich aus der Milchproduktion zurück. Ein Grund dafür sind die
geringen Preise, die der Landwirt für Milch bekommt.
(ur):
Wie sieht das konkret in Ihrem Betrieb aus?
Walter Lonskowski:
Wir bekommen gegenwärtig für einen Liter Milch ca. 27 Cent.
Der Verbraucher bezahlt für den Liter Milch im Discounter rund doppelt
so viel. Diese Milch ist dann allerdings bereits bis auf z.B. 2,5 Prozent
Fett entrahmt. Ihr sind also schon wertvolle Inhaltsstoffe entzogen worden,
die für Produkte wie Butter, Käse, Joghurt und andere Produkte
Verwendung fanden.
Das Problem besteht dabei darin, dass wir im letzten und in diesem Jahr
für die Milch als Erzeuger immer weniger Geld bekommen haben, aber
unsere Erzeugerkosten, wie z.B. Diesel und Strom, sind gestiegen. Die
Schere klafft also immer weiter auseinander. Das führt dazu, dass
Landwirte zunehmend aus der Milchproduktion aussteigen.
Das ist aber problematisch, da viele Landwirte in den 90er Jahren stark in
die Milchproduktion investiert haben und zum Teil die Refinanzierung noch
nicht abgeschlossen ist.
(ur):
Bleiben wir noch einmal konkret bei Ihrem Betrieb, also der Gut
Mattchow GbR. Welche Konsequenzen hatte der geringer werdende
Rinderbestand?
Walter Lonskowski:
Vorhandene Grünländereien können jetzt natürlich
nicht mehr so gepflegt und genutzt werden. Aufgrund ihrer Lage ist auch
keine Umnutzung in Ackerflächen möglich. Beim gegenwärtigen
Bestand an Rindern und den Verkaufsmöglichkeiten z.B. von Heu an
Pferdehalter ist für unseren Betrieb die Entwicklung noch nicht so
dramatisch. Aber bei einer weiteren Verringerung des Rinderbestandes
wäre das Grünland überflüssig. Es würde im
landwirtschaftlichen Reproduktionsprozess keine Rolle mehr spielen.
(ur):
Sie würden also bei Ablauf der jetzigen Pachtverträge keine
Grünlandflächen mehr pachten?
Walter Lonskowski:
Ja. Die Entwicklung läuft darauf hinaus, dass diese Flächen
für die Eigentümer entwertet werden.
(ur):
Dann wird Rügen eine Insel ohne Kühe und mit verwilderndem
Grünland? Ist das der Entwicklungstrend?
Walter Lonskowski:
Ja, das könnte der Trend werden. Wenn weiterhin Milchprodukte in
den Discountern zu Preisen verramscht werden, die zum Teil unter den
Einstandspreisen liegen.
(ur):
Warum unter den Einstandspreisen? Was ergibt das für einen
ökonomischen Sinn?
Walter Lonskowski:
Es gibt Discounter, die versuchen über einen Niedrigstpreis von
Lebensmitteln wie Milch Kunden anzulocken. Diese kaufen jedoch nicht nur
Milch, sondern bekanntlich machen die Verbraucher gerade in Discountern
ihre Großeinkäufe. So entsteht der Gewinn dann eben nicht mit
der Milch, sondern mit der Masse der eingekauften Produkte.
Daher unterstützen wir als Kreisbauernverband Rügen e.V. die vom
Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Deutschen
Bauernverband gestartete Kampagne "Lebensmittel sind mehr wert!".
Wir wollen auf die mit der Preisdruckpolitik verbundenen Zusammenhänge
sowie deren fatale Wirkungen aufmerksam machen.
Die heimische Landwirtschaft wehrt sich mit der Kampagne "Lebensmittel
sind mehr wert" gegen Preisdumping und Niedrigstpreise für ihre
hochwertigen, qualitätsgesicherten Produkte im Lebensmittelhandel und
will den Kampf gegen fortschreitende Wertevernichtung bei Lebensmitteln
aufnehmen. Gleichzeitig suchen wir den Dialog mit den Verbrauchern.
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