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1.1.2004: Kein Frauenschutzhaus auf Rügen

Beratungen über alternative Möglichkeiten dauern an
Vorschlag von Brigitte Dost und Angelika Peters (SPD)


Von Wolfgang Urban

Rügen / Schwerin.
Mehrfach wurde im Rüganer über das Frauenschutzhaus auf Rügen berichtet, u.a. kamen die Opfer von Gewalt zu Wort, die hier eine Zuflucht fanden. Auch die Unterschriftensammlung für den Erhalt des Frauenschutzhauses wurde im Wortlaut veröffentlich. Das Schreiben mit den rund 400 Unterschriften liegt Ministerpräsident Ringstorff (SPD) vor.

Parallel dazu erhielt der KJFH (Kinder, Jugend- und Familienhilfe) Rügen e.V. von Dr. Margret Seemann, Gleichstellungsbeauftragte des Landes M-V die Mitteilung, dass das Frauenschutzhaus auf Rügen ab dem 1. Januar 2004 "nur noch als Kontakt- und Beratungsstelle weiter gefördert werden kann."

Ist das Frauenschutzhaus noch zu retten ? Blick in die Unterlagen. Von links : Brigitte Dost, Geschäftsführerin des KJFH Rügen e.V. und Landtagsabgeordnete Angelika Peters (SPD). Foto: Urban

Das bedeutet, so Brigitte Dost, Geschäftsführerin des KJFH Rügen e.V., "dass das Frauenschutzhaus in der bisherigen Form so nicht weiter betrieben werden kann. Das nächste Frauenschutzhaus wäre dann in Stralsund." Angesichts dieser Situation gab es am Montag dieser Woche beim KJFH Rügen e.V. als Betreiber des Frauenschutzhauses eine Beratung mit der Landtagsabgeordneten Angelika Peters (SPD).

Sie ist die einzige Rügener Landtagsabgeordnete aus der Regierungskoalition in Schwerin. Als im Sommer dieses Jahres erstmals Planungen für eine Schließung des Frauenschutzhauses auf der Insel bekannt wurden, wandten sich der Trägerverein und die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Rügen, Djamila Ilanz, an Angelika Peters.

Sie verdeutlichten, dass eine generelle Schließung für sie nicht zu akzeptieren ist. "Die ursprüngliche Vorgabe", so Angelika Peters, "sah ab 1.1.2004 nur noch eine Kontakt- und Beratungsstelle mit einer Arbeitskraft vor. Nach intensiven Diskussionen in Schwerin gelang es, dass jetzt ab 1.1.2004 die Kontakt- und Beratungsstelle mit 1,5 Arbeitsstellen betrieben werden soll. Statt 40 werden also jetzt 60 Stunden gefördert."

"Zurzeit", so Brigitte Dost, beschäftigt der KJFH Rügen e.V. nach Maßgabe der Richtlinie für Frauenschutzhäuser mit einer Kapazität von 12 Betten zwei volle Arbeitskräfte. Die beschäftigten Frauen nehmen auch anfallende Kontakt- und Beratungsaufgaben mit 24-Stunden-Rufbereitschaft wahr.

Bereits aus diesem Zahlenwerk ergibt sich, dass mit der bloßen Förderung von nur noch 1,5 Arbeitsstellen kein Frauenschutzhaus laut Richtlinie betrieben werden kann." Gibt es trotzdem die Möglichkeit, dass für in Not geratene Frauen auf der Insel Rügen eine vorübergehende Unterkunft vorgehalten werden kann ?

Frauenschutzhaus: Wie weiter?

Zum Ergebnis der Beratung mit Angelika Peters sagte Brigitte Dost: "Wir sind uns einig darin, dass es nicht zu verantworten ist, für von Gewalt betroffene Frauen nicht wenigstens Notbetten auf Rügen vorzuhalten. Dabei denken wir an Unterbringungsmöglichkeiten für vier Frauen, die hier für durchschnittlich vier bis sechs Wochen Hilfe finden."

Nachgefragt: "Was ist, wenn der Bedarf größer ist, denn heute sind z.B. sieben Betten im Frauenschutzhaus belegt?"

Brigitte Dost: "Wir streben eine intensive Zusammenarbeit mit den Wohnungsvermietern an, damit wir die Frauen schnellstmöglichst wieder integrieren können. Wenn der Bedarf über den vier Betten liegt, dann kommt für die betroffenen Frauen nur eine Unterbringung im Frauenschutzhaus in Stralsund in Frage."

Wenn der Vorschlag von Brigitte Dost und Angelika Peters Wirklichkeit wird, hätte Rügen ab dem 1.1.2004 eine Kontakt- und Beratungsstelle mit vier Notbetten. "Das bedarf allerdings auch der Zustimmung des Landkreises Rügen", so Angelika Peters: "Das Land fördert 60 % (rund 36.800 Euro) der 1,5 Arbeitsstellen in der Kontakt- und Beratungsstelle ab 1.1.2004. Hinzu kommt eine maximale Förderung der Sachkosten mit 5.500 Euro.

Daraus folgend muss sich der Kreis aber dann mit 40 % an den Personalkosten beteiligen, das entspricht rund 24.500 Euro. Um darüber hinaus die vier Notbetten vorhalten zu können, müsste der Kreis bereit sein, für deren Finanzierung die Sachkosten zu übernehmen. Dafür werde ich mich jetzt im Haushalts- und Finanzausschuss des Kreistages einsetzen."

Ergänzend dazu betonte Brigitte Dost: "Dem Kreis muss klar sein, dass jedes für Rügen im Stralsunder Frauenschutzhaus vorgehaltene und inanspruchgenommene Bett zu Ausgleichszahlungen führt. Zumindest für die vier vorgehaltenen Notbetten auf Rügen wäre das nicht der Fall. Sie würden dem Kreis auf keinen Fall teurer werden als Ausgleichszahlungen nach Stralsund.

Es fällt mir schwer, mich damit abzufinden, dass es offensichtlich keine Chance gibt, das Frauenschutzhaus auf Rügen ab dem 1.1.2004 finanzieren zu können. Ich hoffe, dass die Kreistagsmitglieder wenigsten so viel Herz für die von Gewalt betroffenen Frauen haben, dass sie wenigstens der Finanzierung von vier Notbetten zustimmen."

Doch auch die Bemühungen um den Erhalt des Frauenschutzhauses gehen weiter. So teilte das Landratsamt Rügen mit, dass sich Landrätin Kassner (PDS) "mit einem Protestschreiben an die Gleichstellungsbeauftragte des Landes" gewandt habe: "Der Landkreis hofft und wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass... das Frauenschutzhaus mit seinen jetzigen Aufgaben erhalten bleibt."


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