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Rügener Boote finden guten Absatz

Landrätin Kerstin Kassner besuchte Bootsbau-Unternehmen der Insel

Gemeinsam mit Wolfgang Lenz informierte sich Landrätin Kerstin Kassner über die Bauweise des Motorseglers Vilm.

Foto: Schäfer

Bergen auf Rügen (DR). Zehn Yachten baut und verkauft die Bootsbau Rügen GmbH Lauterbach in diesem Jahr. Zehn waren es auch 2001. Mit dem Ergebnis ist Geschäftsführer Wolfgang Lenz ganz zufrieden. Es hätte jedoch noch besser laufen können. "Die schwierige Wirtschaftslage ist der Grund für das zögerliche Verhalten vieler Interessenten. Die Geschäftsleute überlegen heutzutage viel länger, ob sie ihr Geld tatsächlich in eine Yacht investieren", erzählte er Landrätin Kerstin Kassner in der vergangenen Woche.

Die Verwaltungschefin hatte sich auf den Weg gemacht, die Rügener Bootsbau-Unternehmen kennenzulernen. Bei strömendem Regen und Wind ließ sie sich das neueste Produkt zeigen. Eine Yacht vom Typ "Vilm 116", die in den nächsten Tagen Deutschlands größte Insel in Richtung Amerika verlässt. Es ist bereits die dritte Yacht, die die Lauterbacher für Kunden in den Staaten gebaut haben.

Die Kontakte hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr geknüpft, als es auf einer Messe in den USA präsent war und dort für ein Exponat sogar den Titel "Yacht des Jahres" erhalten hatte. Für Wolfgang Lenz sind Interessenten im Ausland nichts Besonderes. Schon vor der Wende war das Lauterbacher Unternehmen ein Exot unter den heimischen Betrieben. Die Kunden kamen aus Holland und dem Westen Deutschlands. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert.

Vor allem im norddeutschen Raum finden dagegen die Produkte der Wieker Boote GmbH Absatz. Das Angebot reicht von einfachen Ruderbooten über Segelboote bis hin zu Motorbooten. Die Kajüt-Rügenjolle ist der Renner des 10-Mann-Unternehmens. Das Segelboot wurde unlängst mit dem Design-Preis des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet.

Die Wieker Bootsbauer haben gut zu tun. Wenn's mal nicht so läuft, nehmen sie auch andere Aufträge an. So haben sie in der Vergangenheit zum Beispiel Iglu-Sammelbehälter für Abfälle hergestellt. Für Tiefbaubetriebe fertigen sie Wasserzählerschächte. Geschäftsführer Ottomar Spiering stehen dennoch die Sorgenfalten auf der Stirn.

Der Betrieb ist marode. Seit Gründung der GmbH im Zuge der Wende sind keine Investitionen erfolgt und auch Förderungen waren nicht möglich, weil das Grundstück, auf dem die Produktionshalle steht, dem Unternehmen nicht gehört. Jetzt gibt es einen Teilerfolg. "Es ist uns endlich gelungen, einen langfristigen Pachtvertrag zu bekommen", berichtete er der Landrätin. Ein kleines Stück Land will die Wieker Boote GmbH nun noch dazu kaufen, um einen vernünftigen Kundenbereich mit Ausstellung zu errichten.

Ottomar Spiering hofft, dass das nicht wieder zu einem Problem wird. Kerstin Kassner versprach, sich der Sache anzunehmen. "Das Unternehmen hat eine mehr als 40-jährige Tradition. Es hat zahlreiche Kunden und viele Touristen kommen, um sich anzuschauen, wie Boote gebaut werden. Die Wieker Boote GmbH gehört hierher. Wir werden keine Mühe scheuen, damit das so bleibt."

In Sassnitz lernte die Landrätin ein Schiffbau-Unternehmen kennen, das derzeit gar keine Schiffe baut und sich trotzdem nicht beklagt. Die REAN GmbH, hervorgegangen aus der Reparaturabteilung des VEB Fischfang Sassnitz, hat mit Reparaturarbeiten auf den Fähren nach Skandinavien voll zu tun. Außerdem baut sie Stahlkonstruktionen für verschiedene Firmen. Und auch Sonderwünsche, wie zum Beispiel eine versenkbare Kogge für die Störtebeker-Festspiele, erfüllt das Team um Geschäftsführer Dietmar Körber.

Dennoch: Neubauten bleiben das A und O. Das Unternehmen, das sich in den 90er-Jahren auf Arbeits- und Aufsichtsschiffe spezialisiert hat, hat sich gerade an einer Ausschreibung zum Bau von drei Schuten beteiligt und hofft natürlich auf den Zuschlag. Auf gute Erfahrungen können die Sassnitzer verweisen. Immerhin haben sie bereits zwei Schuten und sechs "Spatzen", ein Typ der für Reparatur- und Peilarbeiten benötigt wird, gebaut.


Stadtvertretung mutiert zum Stauverursacher

Gedanken zur Sondersitzung der Stadtvertretung
(Problematik Kreuzung Ringstraße/Bahnhofstraße)

Bergen auf Rügen (ks). Hin und wieder beschweren sich Bergens Parlamentarier über die geringe Besucherfrequentierung ihrer Sitzung. Doch was die Stadtvertretersitzung am vergangenen Mittwoch betrifft, sollten Bergens Volksvertreter lieber froh über das Desinteresse der Bergener Bürger sein. Gewisse Entscheidungen hätten Sie sicherlich an der Befähigung so manches Stadtvertreters zweifeln lassen.

Das Thema Kreuzung Ringstraße/Bahnhofstraße erhitzt die Gemüter der Bergener Stadtvertreter schon seit Jahren. Will man nun einen Kreisverkehr oder eine Ampelkreuzung ? Im letzten Jahr votierte das Parlament mehrheitlich für eine sogenannte Lichtsignalanlage. Dieser Beschluss stand am Mittwoch wieder auf der Tagesordnung, denn die Stadtvertretung sollte über die Aufhebung des Selbigen entscheiden.

Grund dafür war die klare Aussage des Straßenbauamtes (Straßenbaulastträger der Kreuzung, Anm. d. Red.), dass eine Ampelkreuzung nicht umsetzbar sei, da der dafür notwendige Grundstückserwerb nicht möglich sei. Demzufolge bliebe nur der Bau eines Kreisverkehrs, denn hierzu sei der Grundstückserwerb mit dem Eigentümer der alten Molkerei bereits abgesprochen.

Bauamtsleiter Starke untermauerte die Stellung des Straßenbauamtes noch, in dem er zu verstehen gab, dass in Schwerin etwa 130 ähnliche Anträge vorliegen, von denen nur neun umgesetzt werden. Einer dieser neun ist Bergen, jedoch nur falls sich Bergens Stadtvertreter für einen Kreisverkehr entscheiden, und dies noch in 2002. Im Klartext : das Land bezahlt den Umbau, aber nur zum Kreisverkehr.

Um so unverständlicher die Entscheidung der Stadtvertretung. Die votierte mehrheitlich gegen die Aufhebung des Beschlusses "Lichtsignalanlage". Ein SPD-Antrag zur Zurückweisung des Beschlusses "Kreisverkehr" in die Ausschüsse zur erneuten Beratung wurde ebenfalls abgewiesen. Die Krönung folgte dann, indem trotz der vorher geschilderten Ausgangslage auch der Antrag zum Kreisverkehr abgewiesen wurde. (?)

Am Mittwoch beraten die Stadtvertreter nun in einer Sondersitzung über diese Problematik, da der alte Ampelbeschluss nicht umsetzbar ist. Ob man eine sinnvolle Entscheidung trifft, ist derzeit leider fraglich.


"Verschärfte Vorgehensweise"

Hiddensee: Aktivitäten zur Durchsetzung der "Straßensondernutzungsatzung"

Von Wolfgang Urban

Hiddensee.
Zum aktuellen Stand bei der Durchsetzung der Straßensondernutzungssatzung auf Hiddensee wurden dem Landratsamt u.a. folgende Fragen übermittelt: "Haben die über das Landratsamt veranlassten Maßnahmen und die entsprechenden Gespräche die gewünschte Wirkung erzielt? Gibt es also zur Zeit keine Verstöße mehr gegen die Straßensondernutzungssatzung auf der Insel Hiddensee? ... Ggf. Wertung der Situation und der Perspektive durch das Landratsamt."

Darauf antwortete das Landratsamt wie folgt: "Die Kreisverwaltung hatte auf Grund massiver Verstöße einzelner Unternehmen gegen die Sondernutzungssatzung der Gemeinde Insel Hiddensee mit Datum vom 16.07.2002 eine Anordnung erlassen. Nach ca. zwei Monaten kann eingeschätzt werden, dass das Aussprechen von Verwarnungen und die anschließenden Ahndungsmaßnahmen durch die Verwaltung der Gemeinde konsequent vorgenommen worden sind. Der unrechtmäßig durchgeführte motorisierte Verkehr hat sich bereits reduziert. Das Gesamtziel ist jedoch noch nicht erreicht worden.

Derzeit versuchen einige Unternehmen, die auf der Insel Hiddensee aktiv sind, durch das Einlegen von Widersprüchen eine zeitliche Aussetzung bei der Begleichung von Zwangsgeldern zu erreichen und verhalten sich weiter unrechtmäßig.

In Auswertung der erreichten Verkehrssituation ist auf der Beratung in der Landkreisverwaltung am 11.10.2002 zusammen mit der Gemeindeverwaltung eine verschärfte Vorgehensweise festgelegt worden. Es wird ein Zusammenwirken der Ordnungsbehörden und der Polizei im Verwaltungsverfahren geben.

Die Sondernutzungssatzung der Gemeinde Insel Hiddensee wird durch diese Maßnahmen nicht außer Kraft gesetzt. Alle Behörden sind sich in der Vorgehensweise einig und vertreten die Auffassung, dass perspektivisch die Sondernutzungssatzung durch alle Antragsteller eingehalten wird."


Ein Land, vier Kreise

Von Dr. Udo Knapp (SPD)

Aus zwölf Landkreisen und sechs kreisfreien Städten werden bei der Kommunalwahl 2009 vier Landkreise. Schwerin, Rostock, Greifswald und Neubrandenburg werden Kreisstädte. Mit dieser Neuordnung werden viele Aufgaben, die heute in Schwerin erledigt werden, in die Landkreise verlagert.

Die heutigen Ämter werden schon vorher in handlungsfähiger Größe zum Eingangstor der Bürger in die Verwaltung. Rügen behält vier Ämter, und alle Landkreisfunktionen gehen in die Kreisstadt nach Greifswald. Neben anderen Bürgern aus Vorpommern sitzen dann einige Rüganer im Kreistag für ganz Vorpommern auch in Greifswald.

Alle Angelegenheiten Rügens werden dann von den vier Gemeindevertretungen, die zu den Ämtern gehören und Ortsbeiräten entschieden. Ein mutiger und längst überfälliger Schritt der Modernisierung des Landes wird jetzt in Angriff genommen. Die neue Landesregierung macht Ernst mit der Modernisierung und Entbürokratisierung der Verwaltungsstrukturen im Land auf allen Ebenen.

Auf dem Weg nach Europa entstehen vier Landkreise, die von ihrer Gesamtstruktur und ihrem Auftreten attraktive Planungs-, Entwicklungs- und Ansiedlungsbedingungen haben. Wirtschaftspolitik z. B. wird nicht mehr in der Konkurrenz kaum lebensfähiger Kleinkreise gegeneinander betrieben, sondern aus einer Hand. Vorpommern wird als Großkreis vom Darß über Rügen bis an das Oderhaff zum Partner Stettins auf gleicher Augenhöhe.

Beide können voneinander profitieren. Schulentwicklungsplanung, Berufsschulplanung, Verkehrsplanung, gemeinsame Vermarktung von Darß, Rügen und Usedom - eine starke und stolze Universität und eine wirtschaftsnahe Fachhochschule - bieten Handlungsebenen mit großem wirtschaftlichen und politischen Gewicht im Land.

Vorpommern wird konkurrenzfähig im Wettstreit der europäischen Regionen um Ansiedlung neuer Betriebe und Zuwanderung. Ermutigend ist es, dass die Grundidee zum Vier-Kreis-Modell vom ehemaligen CDU-Bürgermeister von der Wense aus Greifswald kommt. Denn eine solche große Kreis- und Funktionalreform kann nicht im Gegeneinander der großen Parteien durchgesetzt werden.

Hier müssen alle im Interesse Vorpommerns an einen Tisch, hier müssen alle ihre Einzelinteressen entweder zurückstellen oder sie im Interesse Vorpommerns insgesamt korrigieren. Mit der Absichtserklärung der Landesregierung in der noch zu beschließenden Koalitionsvereinbarung von SPD und PDS ist es nicht getan. Bis zur Mitte der nächsten Legislaturperiode also bis Ende 2004 muss das Gesetz beschlossen sein, damit alles bis 2009 umgesetzt werden kann.

Die neue Landesregierung aus SPD und PDS setzt sich große und weitreichende Ziele. Stabilität und Innovation, Modernisierung und Entbürokratisierung können zum Markenzeichen des Standortes Mecklenburg-Vorpommern werden. Die Chance, das ganze Land mit mutiger Politik einen Riesenschritt voranzubringen - daran werden mit Sicherheit alle verantwortungsbewussten Rüganer unter Wahrung der Inselinteressen mitarbeiten.


Verlust der Bürgernähe ?

Landrätin Kerstin Kassner (PDS) spricht sich gegen Großkreise aus

Bergen auf Rügen (DR). Die Schaffung von vier Großkreisen in Mecklenburg-Vorpommern ist nach Auffassung von Rügens Landrätin Kerstin Kassner (PDS) nicht der richtige Schritt auf dem Weg zu effizienteren Verwaltungsstrukturen. "In erster Linie muss es um die Bürger gehen. Wenn die bestehenden, erst acht Jahre alten Strukturen jetzt wieder aufgelöst werden, wird dies unweigerlich zu einem Verlust von Bürgernähe führen.

Die Verwaltungen sollen Dienstleister für die Einwohner sein. Das wird dann kaum noch funktionieren", sagt Kerstin Kassner in einer der Redaktion vorliegenden Meldung. Es müssten beispielsweise zahlreiche Außenstellen von Behörden eingerichtet werden, da sonst die Wege für die Bürger viel zu lang wären. Wesentliche Einsparpotenziale als Ergebnis der von Innenminister Gottfried Timm (SPD) vorgeschlagenen Gebietsreform könne sie nicht erkennen, meinte die Landrätin.

"Rügen sollte aufgrund seiner besonderen geographischen Lage und der gewachsenen stabilen Strukturen ohnehin selbstständig bleiben. Eine andere Lösung ist nicht vertretbar", so Kerstin Kassner. Sie erinnert daran, dass auch Innenminister Gottfried Timm noch im Juni dieses Jahres bei einem Besuch in Bergen versichert habe, dass Rügen seine Eigenständigkeit als Landkreis behält.

Die Übertragung weiterer Aufgaben vom Land an die Kreise dürfe nicht als Hauptgrund für die Schaffung von Großkreisen genommen werden. Wenn die Verlagerung von Aufgaben notwendig sei, müsse mit den jetzigen Landkreisen über Lösungsmöglichkeiten beraten werden. Das Land sollte den Gebietskörperschaften nicht "auf Teufel komm raus etwas überstülpen, was nicht gewollt ist".

Kerstin Kassner verwies in dem Zusammenhang auch auf die mehrjährige Arbeit der Enquete-Kommission. Sie habe durchaus gute Ansätze für tragfähige Strukturen hervorgebracht. Diese Ergebnisse sollten zuerst Berücksichtigung finden, wenn es um Reformen im Land geht, heißt es in der Mitteilung abschließend.


Drastische Strukturänderungen ?

Rot-rote Landesregierung plant vier Großkreise für Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin (gü). Politischer Paukenschlag der Landesregierung am letzten Donnerstag ! Künftig sollen in Mecklenburg-Vorpommern lediglich vier Großkreise als Verwaltungsstrukturen bestehen bleiben. Nach den Plänen der rot-roten Landesregierung sind die Kreise West-Mecklenburg, Mittleres Mecklenburg, Mecklenburger Seenplatte und Vorpommern geplant.

Lange Zeit wurde über eine erneute Kreisgebietsreform in M-V in der sog. Enquete-Kommission des Landtages debattiert (Der Rüganer berichtete mehrmals). Ein Neuzuschnitt der erst acht Jahre existierenden Grenzen in diesem Land mache sich aus Kostengründen notwendig, lautete die Begründung. Trotzdem empfahl die Kommission keinen Zwang bei Zusammenschlüssen. Einzelne Regierungsmitglieder sahen und sehen dies mittlerweile scheinbar anders. Als mögliche Kreisstadt eines künftigen Kreises Vorpommern wird Greifswald gehandelt.



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