D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

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Man kann es nicht allen Recht machen

Abfallentsorgung in der Strandpromenade macht Probleme

Dieser neue Müllablageplatz für das "Gastmahl des Meeres" sorgt bei Familie Schröder für Aufregung.

Foto: Niemann

Sassnitz (chn). Auf einer der vergangenen Stadtvertretersitzungen verkündete Bürgermeister Dieter Holtz (PDS), dass es eine einvernehmliche Lösung für das Müllproblem "Gastmahl des Meeres" gibt. Darunter ist zu verstehen, dass sich das Problem gemeinschaftlich für alle Beteiligten positiv ändert. Die Lösung soll nach Ansicht von Doris Schröder darin bestehen, dass in der Strandpromedade eine Anlage errichtet wird, die für jeden gut sichtbar ist.

Bürgermeister Dieter Holtz kann die ganze Sache nicht verstehen. Es wurde mit den Betreffenden eine Lösung gefunden. Der Betreiber des Restaurant kann seinen Müll lagern und der derzeitige Lagerplatz wird abgerissen. Wie bereits im Jahre 1998 durch die Stadt festgestellt wurde, ist der Kiosk und derzeitige Lagerraum für Abfälle nicht benutzungsfähig.

Laut Aussagen der Stadtverwaltung Sassnitz ist die Nutzungszeit abgelaufen und zur besseren Gestaltung der Promenade müssen Bauwerke weichen. Der erste Teil des Kiosk und Lagerraumes ist bereits vor einigen Jahren abgerissen worden. Nun muss bis Jahresende der zweite Teil des Objektes abgerissen werden. Im Vorfeld der jetzt stattfindenden Baumaßnahmen wurde eine Beratung mit allen betroffenen Anwohnern geführt.

Es wurde kein Bedarf von Seiten der Grundstückseigentümer angemeldet. Somit musste lediglich nur eine Lösung für das "Gastmahl des Meeres" her. Im zuständigen Bauauschuss wurde über drei Lösungsvarianten beraten. Im Einvernehmen mit der Stadt und der Familie Kursikowski wurde mit der Errichtung des "Müllplatzes" in der Strandpromenade eine Lösung gefunden.

Es werden keine organischen Abfälle dort gelagert. Lediglich Müll, der durch Witterungseinflüsse keinen Geruch freisetzt, wird dort bis zur Abholung gelagert. In einem der Redaktion vorliegenden Brief schreibt die Anwohnerin Doris Schröder "Die Bauarbeiten nahmen Ende November ihren Anfang und waren trotz herbeigerufener Polizei, der Betroffenen und des Rechtsanwaltes der Familie Schröder, nicht zu stoppen.

Der begünstigste Verwaltungsakt ist mit Drittbetroffenen nicht abgesprochen... immer nach dem Motto "bestehende Tatsachen sind nicht so schnell aus der Welt zu räumen". Wie wird es weitergehen? Es wird künftig so sein, dass der stinkende Müll vom Gastmahl des Meeres 100 Meter zum Müllplatz transportiert werden muss...wir können das Vorgehen der Stadtverwaltung nicht so einfach hinnehmen.

Wir haben den Bau der Toilette ertragen müssen, wir müssen für die Huckelpiste, die sich Parkplatz nennt, kräftig zahlen, obwohl wir das Wort des Bürgermeisters hatten, dass die drei Familien, die hier wohnen gebührenfrei ihre Autos abstellen dürfen. Wir werden also rechtliche Schritte gegen dieses Vorhaben einleiten müssen, denn wir können nicht zulassen, dass einer der schönsten und empfindlichsten Spazier- und Wanderwege zur Mülldeponie heruntergewirtschaftet wird".

Der Betreiber des "Gastmahl des Meeres" äußerte sich gegenüber dem RÜGANER: "Ich bin mit der Lösung einverstanden. Wir mussten viele Jahre um eine einvernehmliche Lösung kämpfen. Ich denke mit dieser baulichen Veränderung ist der Stadt und mir geholfen". Bürgermeister Dieter Holtz: "Ich bin auch sehr glücklich darüber, dass eine Lösung gefunden wurde. Alle baurechtlichen Fragen wurden geklärt.

Das Naturschutzgesetz wird mit dem Bau des Müllplatzes nicht verletzt. Beide, sowohl Bürgermeister als auch Betreiber, betonen, dass auf dem Platz kein Biomüll abgelagert wird. Es werden lediglich der normale Hausmüll wie Gelber Sack und Papier abgelagert. Auch der Landkreis und die Untere Naturschutzbehörde haben keine Bedenken angemeldet. Grünpflanzen werden den Müllplatz für den Urlauber unsichtbar machen.

Laut Aussagen vom Bürgermeister der Stadt gab es niemals die Aussage, dass die Familie Schröder auf dem Parkplatz am Molenfuß kostenfrei parken dürfe. Die Verkehrsbehörde hat darauf hingewiesen, dass den Anwohner kein Vorteil eingeräumt werden darf. Gäste und Anwohner müssen gleich behandelt werden.

Auch in dieser Frage gab es viele Diskussionen. Letztendlich wurde eine Einigung gefunden. Langfristige Planungen, wie das bald entstehende Molenfußgebäude müssen durch die Stadt umgesetzt werden. Im Rahmen der Errichtung eines Parkhauses im Stadthafen wird der Parkplatz am Molenfuß nicht mehr zu nutzen sein. Der Parkplatz wird bis dahin so in Stand gehalten, dass er befahrbar bleibt. Bürgermeister Dieter Holtz: "Man kann es nicht allen Recht machen".


Empfang

Landesregierung zu Gast

Ostseebad Binz (gü). Die Landesregierung unter Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff (SPD) wird ihren Neujahrsempfang 2004 im größten Rügener Seebad durchführen ! Darüber informiert der Binzer Bürgermeister Horst Schaumann (parteilos) in einer der Redaktion vorliegenden Mitteilung.

Demnach werden sich das gesamte Kabinett, nationale und internationale Gäste aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben am 22. Januar im renommierten Hotel "Kurhaus Binz" treffen. Damit findet der Neujahrsempfang einer Landesregierung M-V das dritte Mal außerhalb Schwerins und das erste Mal auf der Insel Rügen statt, ist der Mitteilung weiter zu entnehmen.

Bürgermeister Schaumann freut sich über die Entscheidung sehr und betont an dieser Stelle, dass "damit die Anstrengungen und das Geschaffene in Binz durch die Politik gewürdigt werden". Laut der Pressemitteilung haben sich die Minister unter Ringstorff mehrheitlich für Binz ausgesprochen.


Nicht über 0190er-Nummern erreichbar

Landkreisverwaltung Insel Rügen informiert in eigener Sache

Bergen auf Rügen (DR). Auf Anfrage bei Telefonauskunftsdiensten oder beim Nachschlagen in Telefonbüchern erhält man für die Kfz-Zulassung sowie für Auskünfte zu Führerschein- und Straßenverkehrsangelegenheiten möglicherweise die Rufnummer (0 38 38) 82 88 75 oder (0 38 38) 40 43 25.

Bei Anruf erfolgt dann ein Verweis auf eine 0190er-Nummer für 1,86 Euro pro Minute, die für weitere Informationen zu wählen ist. Diese und ähnliche Einträge im Zusammenhang mit Dienstleistungen des Landkreises Rügen stammen nicht von der Kreisverwaltung ! Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung sind grundsätzlich nicht über 0190er-Nummern zu erreichen !

Die zentrale Telefonnummer der Kreisverwaltung Rügen lautet (0 38 38) 81 30. Hier erfolgt die entsprechende Vermittlung zu den gewünschten Ämtern, Sachgebieten und Mitarbeitern. Auch die Nutzung von Durchwahl-Nummern ist möglich, sie sind im Telefonbuch unter dem Eintrag "Landkreis Rügen" ersichtlich. Im Int

ernet sind Ansprechpartner und Rufnummern unter www.landkreis-ruegen.de aufgeführt. Die wichtigsten Rufnummern zum Thema Kfz-Zulassung, Führerschein- und Straßenverkehrsangelegenheiten sind die (0 38 38) 81 33 84 (Verkehrsaufsicht / Führerscheinstelle) und die (0 38 38) 81 33 92 (Kfz-Zulassungsstelle).

Das Geschäft mit "Informationsdiensten" über kommunale Angelegenheiten erfolgt bundesweit über eine wachsende Anzahl von Unternehmen. Die Bürger werden gebeten, aufmerksam und vorsichtig vorzugehen, damit sie die von ihnen gewünschten Auskünfte nicht zu teuer bezahlen müssen.


Engagement durch Stadt geehrt

Bürgermeisterin Köster zeichnete Bürger aus

Bergen auf Rügen (DR). Die Mitglieder des Ausschusses für Soziales, Gleichstellung, Familie, Jugend und Senioren der Stadt Bergen auf Rügen haben in den vergangenen Jahren in Ihrer Arbeit viele von den Bergener Aktiven kennen gelernt.

Auf Initiative dieses Ausschusses hatte man die Bürger, Vereine und Gruppen gebeten, Vorschläge zu unterbreiten, in denen Mitmenschen benannt werden, die sich mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit verdienstvoll für das Wohl und Wehe der Stadt und ihrer Bürger eingesetzt haben. Das Ergebnis des Aufrufes: 21 Vorschläge.

Die Initiatoren sind sich sicher, dass dies längst nicht alle Bürger der Stadt sind, die sich im Ehrenamt engagieren. Aber ein Anfang in der offiziellen Würdigung ist gemacht. So wurden diese 21 ehrenamtlich tätigen Bürger in der Rugardgaststätte im Rahmen einer Feierstunde und in Anwesenheit des Stadtvertretervorstehers Manfred Kendziora sowie der Sozialausschussvorsitzenden Edith Subklew und der Bürgermeisterin der Stadt Bergen auf Rügen Andrea Köster mit einer Urkunde, Blumen und einer Geldprämie ausgezeichnet. Diese Würdigung soll die so Geehrten motivieren, in ihren Bemühungen nicht nach zu lassen und anderen Ansporn sein, sich in die ehrenamtliche Tätigkeit ein zu bringen.

Mit herzlichen und sehr persönlich gehaltenen Worten dankte der Stadtvertretervorsteher Manfred Kendziora den Geehrten für ihren selbstlosen Einsatz, dankte aber auch den Familienangehörigen, ohne deren Verständnis so mancher Einsatz nicht möglich wäre. Bürgermeisterin Andrea Köster nannte diese Veranstaltung "einen Anfang", wohl wissend, dass die Stadt noch weit mehr ehrenamtlich tätige Mitbürger in ihren Mauern hat.

Ausgezeichnet wurden (in alphabetischer Reihenfolge): Fred Assmann, Axel Beusch, Josefine Brauer, Gerald Döring, Uwe Hellwig, Uwe Hinz, Siegfried Jaschob, Inge Jüptner, Erika Käfer, Joachim Kleinke, Torsten Knedel, Frank Nagel, Sven Reimann, Manfred Ruprecht, Ingeborg Satzel, Lieselotte Schröder, Joachim Schwanbeck, Christine Seegers, Frank Weger, Jörg Wienberg, Roswita Wilk.


Fünf Kreise für das Land !?

Insel Rügen würde demnach kein eigenständiger Landkreis mehr sein

Schwerin / Rügen (gü). Peng! Mit einem politischen Paukenschlag verabschieden sich die Regierungsparteien von SPD und PDS aus dem alten Jahr. Die Spitzen der rot-roten Koalition haben am Abend des 8. Dezember beschlossen, dass es künftig nur noch fünf Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern geben soll. Damit hat die lange diskutierte und hart umkämpfte Gebietsreform völlig neue Inhalte erfahren, ist die Ausrichtung geändert worden.

Die Regierung unter Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff (SPD) will demnach die Gesetzgebung in der laufenden Legislaturperiode (bis 2006) ab-schließen und ab der neuen mit der Umsetzung beginnen. Die Insel Rügen würde als selbstständiger Landkreis aufhören zu existieren und in einem neuen Landkreis Nordvorpommern aufgehen. Darin wäre die bisherige Freie und Hansestadt Stralsund Verwaltungssitz.

Mit der neuen Entscheidung durch die Koalitionsspitzen sind alle bisherigen Überlegungen scheinbar ad acta gelegt worden. Das umstrittene Vier-Kreis-Modell der SPD ebenso wie das Gegenstück der PDS, das immerhin sechs Landkreise und mindestens zwei kreisfreie Städte vorsah. Nun steht dem Juniorpartner der Landesregierung in den eigenen Reihen ein schwerer Weg bevor.

Denn die Basis der PDS im Land soll während eines Sonderparteitages im Januar 2004 diesen Kompromiss absegnen, wie es dazu aus Schwerin verlautet. Würde diese zustimmen, macht sich die Landtagsfraktion der Sozialisten mit ihren bisherigen Äußerungen unglaubwürdig.

So war immer eine Grundforderung bei der Gebietsreform, dass die demokratische Mitbestimmung und Bürgernähe gewahrt bleiben soll. Der jetzige Kompromiss ist laut Umweltminister Methling (PDS) möglich geworden, da die Landesregierung genau diese Forderungen der PDS in den neuen Strukturen umsetzen will.

Die oppositionelle CDU im Landtag hat auf die Entscheidung mit "Entsetzen" reagiert, wie es aus der Fraktion dazu heißt. Als "falsche Weichenstellung" kritisiert CDU-Fraktionschef Eckhardt Rehberg den Beschluss der Koalitionsspitzen.

Auch Rügens Landrätin Kerstin Kassner (PDS) läuft gegen die neue Konstellation Sturm, wie sie gegenüber dem Rüganer sagte (siehe dazu auch den Beitrag auf dem Titel). Schon ist landauf landab die Rede von Klagen gegen diese Entscheidung, der Ausgang heute völlig offen.

Die anderen vier Landkreise würde nach dem jetzigen Stand die Namen Westmecklenburg, Mittleres Mecklenburg, Mecklenburger Seenplatte und Südvorpommern tragen. Rostock, Neubrandenburg und Greifswald wären deren Verwaltungssitze. Lediglich im erstgenannten neuen Landkreis müsste wahrscheinlich eine Entscheidung zwischen Wismar und Schwerin getroffen werden.


Kampf dem stinkenden Übel

Gemeinde und StAUN denken über Aufspülung am Lobber Ort nach

Lobbe (gü). Der Natur Einhalt zu gebieten ist oft schwer und kostet dann richtig Geld. Trotzdem gibt es Maßnahmen, die zum allgemeinen Wohl und Wehe einer Gemeinde oder eines Landstrichs durchgeführt werden müssen. Aus diesem Grund trafen sich bereits am 6. Dezember Vertreter der Kommune Middelhagen, Mitarbeiter des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StAUN), Nationalparkamt Rügen, untere Umweltbehörde des Landkreises sowie viele Bürger von Lobbe, um über das Problem von Geruchsbelästigungen unterhalb des Lobber Ortes zu sprechen.

Durch angespülte Algen und Seetang entstehen hier alljährlich im Sommer unangenehme Geruchsbelästigungen für die in der Nähe badenden Gäste der Gemeinde. Die Strandecke unterhalb des Lobber Ort wurde im Jahr 1936 mit einer Stahlspundwand versehen, die das Abtragen von Land durch die Gewalten der Ostsee verhindern sollte. Im Laufe der Jahre gammelte sie allerdings weg, übrig blieben lediglich die Schienen, die das Konstrukt einst hielten. Das StAUN beseitigte Mitte der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts diese Reste.

Eine weitere Schutzmaßnahme mittels Steinschutzwall (wie beispielsweise in Thiessow) zu etablieren, ist nicht der richtige Weg, sind sich Gemeinde und StAUN einig. Der Ende der 90er-Jahre aufgespülte Sand am Strand zwischen Göhren und Lobbe wandert seit geraumer Zeit in Richtung Süden ab, die Ecke unterhalb des Lobber Ortes sandet zu und es bildet sich flaches Wasser. Algen und Tang setzen sich seit einigen Jahren dort ab, können durch die Strömung nicht mehr in die offene See abgespült werden. Es entstehen die für einen staatlich anerkannten Erholungsort unangenehmen Geruchsbelästigungen.

Kalkulationen der Kurverwaltung Middelhagen haben ergeben, dass die Entsorgung des übel riechenden Gebräus in dieser Ecke im Jahr zwischen 28.000 und 35.000 Euro verschlingen würde. Geld, das die Kommune nicht hat und vielleicht nur durch eine Erhöhung der Kurtaxe einzunehmen wäre. Eine Lösung, die während der Versammlung am Abend des 6. Dezember nicht mehrheitsfähig war, wie Bürgermeister Ulrich Kliesow gegenüber dieser Zeitung bestätigt.

Also wurde gemeinsam mit den Vertretern des StAUN eine Lösung gesucht und auch gefunden, wie der Gemeindechef ins neue Jahr blickt. Eine erste Idee, mittels einer großen Raupe Sand aus dem nahen Uferbereich in die Nehrung zu schieben wurde aus naturschutzrechtlichen Gründen verworfen. Ergo wurde die Maßnahme einer Aufspülung angedacht. Dieses ist nämlich nach vorliegenden Luftaufnahmen durchaus möglich.

Das Gros der hierbei anfallenden Kosten würde die Gemeinde Middelhagen übernehmen. "Das wäre gut angelegtes Geld für Lobbe", so Bürgermeister Kliesow. "Nun haben die Vertreter des StAUN allerdings signalisiert, dass sie sich an den Kosten beteiligen würden, was für uns als Gemeinde die finanziellen Aufwändungen überschaubarer machen würde", lobt der Bürgermeister das konstruktive Klima der Zusammenkunft.

Und verweist abschließend darauf, dass die Mitarbeiter des StAUN die Überlegungen einer Aufspülung mit nach Stralsund genommen haben, damit diese Maßnahme nicht auf die lange Bank geschoben wird, sondern man zeitnah mit der Umsetzung beginnen kann. Würde diese zeitnahe Umsetzung gelingen, hätten die Gäste und Einwohner des Ortes ein tolles Geschenk vom Nikolaus erhalten.


Schüler und die Historie Proras

Gymnasiasten arbeiten in einem Projektkurs zum Thema Prora beim Prora-Zentrum

Ostseebad Binz (gü). Dass sich Schüler durchaus anspruchsvoll mit einem ernsten Thema beschäftigen können, bewiesen jetzt Schülerinnen und Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums während einer Veranstaltung des Prora-Zentrums. Dieses hatte zu einem Projektkurs unter dem Thema "Prora - mehr als nur ein schöner Strand" aufgerufen und Schüler der 12. Klasse des Gymnasiums haben sich intensiv daran beteiligt. Im Laufe des Kurses wurde bis heute recherchiert, zusammengetragen, beraten und befragt sowie Ergebnisse dargestellt.

So fanden sich am 9. Dezember rund 35 interessierte Gäste zu einer Vortrags- und Diskussionsrunde zum Thema "Enteignungen und Verfolgungen der Juden im NS-Staat" im "Haus des Gastes" ein und verfolgten, wie die Schüler Sophia Eder, Steffen Köller und Anne Langer ihren Vortrag "Arisierung des Kurhauses in Binz" vorstellten.

Demnach konnten in den Jahren 1890 bis 1910 jüdische Mitbürger noch Urlaub in Binz machen, während es in den Nachbarorten Sellin und Göhren bereits verpönt war, jüdische Gäste unterzubringen. Auch der Besitzer des Kurhauses war Jude, wurde 1938 von den Nationalsozialisten allerdings seines Hab und Gutes beraubt. Nach dem Krieg bekam er sein Eigentum wieder, wurde allerdings 1953 im Rahmen der Aktion "Rose" wieder Opfer einer Enteignung.

Die Schüler des Kurses bereiten derzeit neben diesem Thema noch fünf weitere vor. Sie sollen dann innerhalb einer Ausstellung von "Schülern für Schüler" Ende 2004 gebündelt zu sehen sein. In Schulen des Kreises, wie Susanna Misgajski vom Prora-Zentrum als wissenschaftliche Betreuerin dieses Kurses gegenüber dem Rüganer ergänzt.

Nachdem die Ausstellung in den Schulen zu sehen war, wird sie einen Platz in den Räumen des Prora-Zentrums in Prora selbst finden. Der aktuelle Projektkurs trifft sich einmal wöchentlich, die daran beteiligten Schüler sind mit viel Elan und Wissensdurst engagiert, lobt Susanna Misgajski an dieser Stelle.

"Nicht nur Prora "

Das Prora-Zentrum konnte bereits vor einiger Zeit mit einer anderen Ausstellung interessierte Schüler, Lehrkräfte sowie Gäste und Einwohner der Insel ansprechen. Während des Jugendevents "Prora 03" wurde die Ausstellung "Nicht nur Prora" - Erinnerungsorte Mare Balticum Alt Rehse, Prora, Peenemünde gezeigt. Sie beschäftigt sich mit den drei Standorten an der Ostseeküste, die zu Zeiten des Nationalsozialismus zu verschiedenen Zwecken missbraucht wurden.

So ist Alt Rehse in Verbindung mit der ideologischen Aufrüstung der damaligen Mediziner zu sehen, in Peenemünde wurden Waffen (V1 und V2) für den Krieg Hitlers hergestellt und in Prora sollte eine Umsetzung verschiedener Ziele stattfinden, die die Menschen, die sog. Volksgenossen, beeinflussen sollten.

Diese umfangreiche Ausstellung wurde bereits in Greifswald, Neubrandenburg, Prora, Schwerin, Rostock und Peenemünde gezeigt. Derzeit gastiert sie in Anklam und wird von dort im März nächsten Jahres nach Berlin reisen. Dort soll sie in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in der deutschen Hauptstadt zu sehen sein. Anschließend wird sie nach Prora ins Prora-Zentrum zurückkehren.

Sie eignet sich besonders für Lehrerfortbildungen und Wissenschaftler und Forscher, die sich mit dem umfangreichen Thema beschäftigen. Aber auch zahlreiche Klassen haben sie während der Ausstellungszeit an den verschiedenen Orten besucht, um sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen, wie Susanna Misgajski unterstreicht.

Mit der Ausstellung wollen die Verantwortlichen in Berlin aber auch auf Prora als Hinterlassenschaft mit vielen Facetten auf der Insel Rügen aufmerksam machen. Die Öffentlichkeit soll über die drei Standorte informiert werden, sie soll sich mit ihnen beschäftigen.

Schon heute schauen die Macher des Prora-Zentrums auf das Jahr 2005. Dann wird sich zum 60. Mal das Ende des zweiten Weltkriegs jähren. In diesem Jahr werden spätestens beide Ausstellungen im Prora-Zentrum zu sehen sein.



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