DER RÜGANER - DIE ZEITUNG FÜR DIE INSEL

Kurz und knapp - Neues von Rügen

Kreistag informierte sich über Stand der A-20-Planung / Bericht vom Kreistag

Dreispurige B 96 vom Tisch

Bergen (mt). Die Straßen haben den Kreistag in der vergangenen Woche gleich mehrmals beschäftigt. Der Stand der Planungen für die Ostseeautobahn A 20 und der Ausbau der Bundesstraße B 96 auf Rügen gehörten genauso dazu wie die Kreisstraßenkonzeption.

Und während man sich auf der Insel über die Formulierung von Beschlüssen streitet, sind andere Landkreise einen großen Schritt weiter, berichtete der Stralsunder Straßenbauamtsleiter Hartmut Klingenberg.

Werner Junker, Geschäftsführer der Berliner DEGES, einer privaten Gesellschaft des Bundes, hatte zunächst Zweifel ausgeräumt, daß die A 20 jemals Vorpommern erreichen würde. Für den Bau der Ostseeautobahn auf der geplanten Route steht auch die Finanzierung, widersprach er Gerüchten, die wegen der angespannten Haushaltslage nur von einem A-20-Bau bis Rostock ausgingen.

Noch im kommenden Jahr soll ein Teilstück zwischen Rostock und Sanitz begonnen werden. Etwa 2003 wird die A 20 von der Landesgrenze nach Schleswig-Holstein bis Tribsees stehen. 2005, so Junker, ist die Autobahn bis zu ihrem Anschluß an die A 11 fertig.

Nicht geklärt ist allerdings die Finanzierung der Zubringer. Die Rüganer müßten demnach auf den bestehenden Bundesstraßen über Franzburg und Richtenberg oder über Grimmen auf die Ostseeautobahn fahren.

Hier ist der Kreistag einer Emppfehlung des Wirtschaftsausschusses gefolgt und "unterstützt alle Maßnahmen, die zum Bau der A 20 im Bereich Vorpommern erforderlich sind, einschließlich des Anbinders Richtung Stralsund".

Doch während man sich im Kreistag noch darüber stritt, ob die "Unterstützung" in der Beschlußvorlage durch eine "Forderung" ersetzt werden sollte, erinnerte der Leiter des Stralsunder Straßenbauamtes, Hartmut Klingenberg, daran, daß zu eben der Zeit, in der der Rügener Kreistag noch über Formulierungen diskutiert, der nordvorpommersche Landrat Molkentin schon bei den entsprechenden Stellen vorspricht, um den Bau des sogenannten "Pommernkreuzes" durchzudrücken, das eine entsprechende Anbindung von Stralsund und Rügen gewährleistet.

Klingenberg war dennoch erleichtert. "Der Ausbau der B 96 auf Rügen wird jetzt wenigstens einheitlich beurteilt", erinnerte er an vorherige Diskussionen. Dem Einwurf von CDU-Fraktionschef Udo Timm, "Zwei Jahre wurden vergeigt", konnte Klingenberg nur zustimmen.

Durch die ständigen Unstimmigkeiten wäre wertvolle Zeit verlorengegangen - und mit ihr Geld. Denn während das vor wenigen Jahren noch kräftig hätte fließen können, sickert es inzwischen nur noch zäh aus den öffentlichen Kassen. Das Land ist inzwischen dabei, "andere Quellen für Baugeld" aufzuspüren.

Allein in den nächsten fünf Jahren braucht MVP 1,5 Milliarden Mark für den Straßenbau. Eine Menge davon fließt bereits nach Vorpommern: mit 800 Millionen Mark ist die Ortsumgehung Stralsund nach dem A-20-Projekt das finanziell größte Straßenbauvorhaben des Landes.

Mit dem Bau einer neuen Sundquerung und dem Ausbau der B 96 ist Vorpommern offensichtlich einer der Investitionsschwerpunkte.

Für die letztgenannte Maßnahme ist jetzt das Linienbestimmungsverfahren in Gang gesetzt worden. 1998 wird der Bund die Trassenführung präsentieren. Dabei wird davon ausgegangen, daß eine dreispurige B 96 wegen der vielen Ortsdurch- und Abfahrten nicht realisierbar ist.

Es wird wahrscheinlich bei dem bereits vorgestellten Projekt einer neuen Schnellstraße parallel zur alten B 96 bleiben.

Handwerk sprach ehemalige Lehrlinge frei

Bergens Chancen bis 2010

Bergen (mt). Das Handwerk ist auf der Insel der größte Ausbilder und Arbeitgeber, rechnete Udo Dohms, Präsident der Landes-Handwerkskammer, bei der Freisprechung von 57 Lehrlingen am vergangenen Freitag im Bergener Treff-Hotel vor.

717 kleine und mittlere Handwerksbetriebe auf Rügen sorgen nicht nur für eine entsprechende Anzahl von Arbeits-, sondern auch von Ausbildungsplätzen. Das Handwerk ist laut Dohms nach wie vor gefragt, weil eine ganze Reihe von zukunftsträchtigen Gewerken und Branchen sichere Arbeitsplätze versprechen.

Von ihrem Lehrlingsstatus wurden in diesem Jahr 24 Kfz-Mechaniker, vier Gas-, Wasser- und Sanitär-Installateure, 17 Heizungs- und Lüftungsbauer und 12 Elektroinstallateure freigesprochen.

Karl Bollmann, Kreishandwerksmeister der Insel Rügen, zeigte sich besonders stolz auf die zwei Gesellen, die ihre Ausbildung mit dem Prädikat "sehr gut" abgeschlossen haben: Christian Redick, der beim EAB zum Elektroinstallateur ausgebildet wurde, und Kai Schaumann, den die VTS Prora auf die künftige Arbeit als Kfz-Mechaniker vorbereitet hat.

Dohms forderte die jungen Kollegen auf, zukünftig verstärkt die Forderungen und Interessen des Handwerks auch durch die Mitwirkung in den Gemeindevertretungen und Kreistagen durchzusetzen.

"Irgendwann sind die Alten verbraucht, dann müssen die Jungen ran", appellierte er vor allem an die Gesellen, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Stadtvertreter diskutierten Bebauungsplan für Fachmarktzentrum und Wohnungssituation

Bergen erstellt Mietspiegel

Bergen (mt). Die Bebauung des künftigen Fachmarktgeländes zwischen Ringstraße und Gingster Chaussee wurde von den Bergener Stadtvertretern in der vergangenen Woche beinahe wieder infrage gestellt.

Nur neun von 19 Stadtvertretern vertrauten noch auf die alte Idee und gaben grünes Licht für die Auslegung des geänderten Bebauungsplanes. Eine breitere Lobby gab es dagegen für den Ausgleich der Interessen von Mietern und Vermietern.

Bergen wird als bislang erste Kommune in dieser Größe in ganz Nordeutschland einen Mietspiegel für die Stadt erstellen.

Der Bebauungsplan für das Fachmarktzentrum (B-Plan Nr. 11) war eigentlich nur noch der Form halber auf die Tagesordnung der Stadtvertretung gelangt. Die jetzt eingearbeiteten Änderungen waren allesamt schon mehrmals diskutiert und einmal beschlossen worden.

Das Land hatte für die Genehmigung allerdings eine Neuauslegung anstelle einer simplen Änderung verlangt. Befürchtet wird von den Stadtvertretern vor allem, daß nicht viel von der ursprünglichen Idee übrigbleibt.

Einzelhandelsexperten hatten Bergen immer wieder geraten, seiner Rolle als Mittelzentrum gerecht zu werden und ein Sortiment von spezifischen Waren anzubieten, die in einer Innenstadt schlecht angeboten werden können.

Investor Reinhard Michel hatte dazu zwei zusätzliche Köder ausgelegt. Zum einen sollte in Innenstadtnähe (zwischen Bahnhof-, Arkona- und Breitsprecherstraße) ein Einklaufszentrum mit kleinen Boutiquen und Ladenpassagen entstehen und die Altstadt attraktiver machen.

Zum anderen wurde die Errichtung eines Freizeitzentrums angeboten, das nicht nur für den Schul-, sondern auch für den Breitensport genutzt werden kann. Während das Projekt "Einkaufszentrum in der Innenstadt" wegen angeblicher Grundstücksprobleme gestorben ist, wurde die von Deyle geplante Investition in das Freizeitbad solange geschubst, bis sie auf der Fläche des B-Plans Nr. 11 liegenblieb.

Das Deyle-Projekt hängt jetzt an dem seidenen Förder-Faden, den Schwerin so schnell nicht spinnen will, sondern erst ein Gutachten dazu aus dem Landkreis abwartet. Auch wenn Michel-Vertreter immer wieder beteuern, daß Fachmarkt und Freizeit in diesem B-Plan die gleiche Wertigkeit erfahren und die Forderungen auch erfüllt werden, wenn sich die Königstherme um Deyle aus dem Projekt zurückziehen, ist das Mißtrauen vieler Stadtvertreter geblieben.

Nicht zuletzt hatte auch das Famila-Warenhaus als Nachbar der B-Plan-Flächen Bedenken angemeldet, daß das eigene Konzept wenige Meter weiter einfach kopiert würde. Und auch der von der Stadt ausgelegte Appetithappen, in den B-Plan eine Markthalle einzubeziehen, in der ausschließlich Rügener Produkte angeboten werden, ist in der Zwischenzeit nicht mehr aktuell.

Eine solche Einrichtung, so Stadtrat Gerd Zander, gehört in die Innenstadt und nicht in ein Fachmarktzentrum am Stadtrand. Dazu kommt eine Vergrößerung der Gesamtfläche um 4.500 Quadratmeter. Aber auch den Flächenberechnungen wollte nicht jeder Stadtvertreter trauen.

"Wie kann es sein, daß wir im B-Plan für jede Nutzung nur eine maximale Größe von 4.500 Quadratmetern vorsehen, der Bauherr aber öffentlich auf seinem Bauschild von einem Baumarkt mit Gartencenter über 7.000 Quadratmeter spricht", fragte Diethelm Rochow (PDS).

Doris Möller-Hempel zweifelte die Notwendigkeit des gesamten Vorhabens an, erinnerte an die sinkende Kaufkraft, die sich in Bergen immer mehr Anbieter teilen müssen. Bei der Vielzahl der Discounter sei es wenig sinnvoll, noch einen weiteren Billig-Anbieter im Lebensmittelbereich zuzulassen.

Kontrovers wurde auch der PDS-Antrag auf Erstellung eines Mietspiegels für Bergen diskutiert. Der zeigt in einer Tabellenform auf, welche Mieten für welche Bauten in Bergen üblich sind. Er ist damit eine Orientierungshilfe nicht nur für Mieter und Vermieter, sondern auch für die Berechnung von Sozialhilfe und Mietkostenzuschüsse.

Einen direkten Einfluß auf die Miethöhe gewinne man damit nicht, schränkte Stadtrat Zander ein. Mieter und Vermieter könnten lediglich daraus entnehmen, ob zuviel oder zuwenig Miete verlangt wird und die Summe den ortsüblichen Mieten angleichen. Damit, so Verwaltungsleiter Butz, würden eine Reihe von Gerichtsprozessen zwischen Mietern und Vermietern vermieden.

Der Antrag der FDP, die Frage erst in den Ausschüssen zu diskutieren und die Finanzierung zu sichern, wurde abgelehnt. Durch den Einsatz eines Bauamtsmitarbeiters sollen zusätzliche Kosten durch die Erstellung vermieden werden, erklärte Bürgermeisterin Köster.

Bergen, so Stadtrat Zander, betrete damit Neuland. Es sei die einzige Kommune in ganz Norddeutschland mit weniger als 30.000 Einwohnern, die einen Mietspiegel vorweisen könne.

Gutshof Arkona mit Töpferhof und erstem Rügenladen eröffnet

Geschmack auf Rügen

Putgarten/Rügen (gü). Unter den Augen zahlreicher Besucher wurde am vergangenen Sonntag der Gutshof Arkona in Putgarten feierlich eingeweiht. Neben Landrätin Dr. Karin Timmel hatten sich politische Persönlichkeiten aus der Wittower Region, Vertreter der am Bau beteiligten Firmen sowie Einwohner und Urlauber versammelt, um die vielfältigen Angebote des ersten Rügenladens sowie des Töpferhofs zu erkunden und auszuprobieren.

Timmel nannte in ihren Worten den Gutshof einen weiteren Baustein für die Modellregion Rügen, der die Attraktivität der gesamten Insel erhöhe. "Rügen muß auf Dauer ein Anziehungspunkt für die Touristen und Urlauber sein", so die Landrätin weiter.

In Zirkow, auf Ummanz sowie eventuell in Rambin sollen in nächster Zeit weitere Rügenläden mit den ausgewählten Produkten folgen, die alle das Gütesiegel des "Rügen-Produkt e.V." besitzen.

Bürgermeister Ernst Heinemann sprach seinen besonderen Dank an den Landkreis, die Bergener Baugesellschaft und die Kreissparkase für die Untestützung bei der Realisierung dieses Vorhabens aus. Auch den am Bau beteiligten Firmen zollte der Gemeindechef seinen Dank für die geleistete Arbeit.

Mit der neuesten Errungenschaft, dem "Arkona-Feuer", stießen die Anwesenden auf ein gutes Gelingen dieser Unternehmung an. Die Wieker Blasmusiker sorgten im Anschluß für die richtige Stimmung bei der Verkostung der vielen Leckereien und der Besichtigung der fertiggestellten Anlage.

Ab 1998 sind acht feste Arbeitsplätze in dem Gutshof Arkona zu finden, bis zum Jahr 2000 sollen es immerhin insgesamt 30 sein, wie Heinemann abschließend informierte.

Atlantis-Gesellschaft plant das 1. Internationale Natur-Öko-Ethno Filmfestival auf Rügen/Mitstreiter auf Rügen gesucht

Wir reden von der Insel Rügen

Sellin/Rügen (DR). "Wir sprechen bei unserem Projekt von der Insel Rügen. Mit dem von uns angedachten Festival wollen wir und sollen die Rüganer die Qualitäten ihrer Heimat gegenüber einem breiten internationalen Forum präsentieren.

Der vernüftige Zusammenschluß von Mensch und Natur spielt dabei eine große Rolle. Neue Definitionen der bestehenden Werte müssen gefunden werden, Erlebnisbereiche für die Gäste und Besucher der Insel müssen geschaffen werden.

Und nicht nur im Sommer, sondern permanent das ganze Jahr hindurch", ist der Konzeption von Michael Lampert und Andreas Wollenzien (Atlantis-Gesellschaft) aus Sellin für das 1. Internationale Natur-Öko-Ethno- Filmfestival zu entnehmen.

Startschuß für dieses Vorhaben soll im Jahr 1999 sein. Die weiteren Planungen der Initiatoren besagen außerdem, dieses Festival zu einer jährlichen Einrichtung auf der größten deutschen Insel werden zu lassen. Dafür suchen Lampert, Damm und Wollenzien aber noch viele Mitstreiter, die sich in dem Projekt gemeinsam engagieren wollen und sollen.

"Es muß eine Identifikation mit Rügen erfolgen", ist dem dieser Zeitung vorliegenden Konzept weiter zu entnehmen. Die Festivaldauer umschließt rund zehn bis zwölf Tage, inklusive zweier Wochenenden.

Das Programm, das für die Besucher und Rüganer dargeboten werden soll, gliedert sich in verschiedene Schwerpunkte. Dabei soll das Ostseebad Sellin das Festivalzentrum sein, andere Orte und Regionen auf Rügen umrahmen aber mit anderen Veranstaltungen, so erklären Lampert, Damm und Wollenzien weiter.

Internationales Festival für Rügen

Dokumentarfilme über Natur, Ökologie, Ethnologie sowie Spielfilme mit diesen Thembereichen für Erwachsene und Kinder bilden dabei die Programmhöhepunkte. Kulturelle Veranstaltungen auf der gesamten Insel sind weiterhin geplant.

Prominente Persönlichkeiten, die sich besonders mit der Natur und der Umwelt identifizieren werden bei den Veranstaltungen ebenfalls anwesend sein. Hierzu sind bereits umfangreiche Gespräche in der Bundesrepublik Deutschland und im Ausland geführt worden.

Hochrangige Firmen und Konzerne sowie staatliche Stellen auf allen Ebenen sollen als potentielle Sponsoren gewonnen werden. Auch dazu sind bis zum heutigen Zeitpunkt Gespräche abgeschlossen bzw. in Vorbereitung.

Immerhin handelt es sich bei diesem Festival um ein großes Ereignis, das mehrere zehntausende Besucher anlocken und begeistern soll. Viel Arbeit und persönlicher Einsatz sind erforderlich, um das gesteckte Ziel zu erreichen.

Deshalb suchen die Initiatoren Lampert, Damm und Wollenzien viele Helfer und Mitstreiter von Rügen, die dieses Vorhaben vorbereiten und unterstützen helfen.

Der Rüganer wird in regelmäßigen Abständen über den Stand der Vorbereitungen berichten, damit Sie, liebe Leser, immer über die aktuellsten Geschehnisse informiert sind und sehen, daß sich mit diesem Vorhaben eine Chance für die Insel ergibt, die vielbesungene Saisonverlängerung in die Tat umzusetzen.

Derzeit ist die Atlantis-Gesellschaft noch im Haus "Südstrand" unter Telefon 038303/604 oder 86032 zu erreichen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Organisationsbüro in den Kurpark Sellin verlegt werden. Alle Interessierten sind aufgerufen, sich zu melden.

Stiftung "Neue Kultur" lud zu Beratungen zur zukünftigen kulturellen Nutzung der Liegenschaft Prora

Prora - was wird aus der Kultur?

Prora (gd). Es hätte alles so schön werden können: Eine renommierte Kulturstiftung lädt zu Gesprächen und Beratungen über die kulturelle Zukunft des Kolosses, man diskutiert und debattiert über unterschiedlichste und fantasievollste Projekte - und die Öffentlichkeit kommt ins Staunen darüber, was man in den tristen und eher unfreundlichen Gebäuden alles feiern, ausstellen und präsentieren kann.

Daß es (wieder einmal) ganz anders kam, mag zum einen daran liegen, daß auf Rügen tatsächlich andere Probleme drängender zu sein scheinen als "ausgerechnet Kultur"; zum anderen glauben viele, mit der kürzlich vorgelegten Machbarkeitsstudie wäre bereits alles gesagt und alle Arbeit getan.

Von wegen - die Arbeit beginnt erst, nicht zuletzt für die Vertreter von Kunst und Kultur, die eine Vernachlässigung ihres Sektors zugunsten einer touristischen Erschließung befürchten. Ihre Frage ist: Gibt es in Prora Platz für die Kultur? Und wenn ja - wird dieser Platz auch ausreichen?

Zwar existieren bis heute drei Museen (Das "Museum zum Anfassen", die Dokumentationsgalerie und das Eisenbahnmuseum), nicht zu vergessen auch die Grafikausstellung von Professor Carl Vogel und seiner Ehefrau Carin - doch letztere wird momentan scheinbar nur geduldet, und bis auf das Eisenbahnmuseum haben die anderen Museen keineswegs die Garantie, am jetzigen Standort verbleiben zu können.

Professor Joachim Wernicke, Betreiber des "Museums zum Anfassen" und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins "KUNST und KULTUR in PRORA", wirft der S.T.E.R.N.-GmbH vor, ohne Rücksprache mit den Betroffenen den Umzug der Kultureinrichtungen in den abgelegenen Nordbereich des Objektes geplant zu haben, was nach Wernickes Worten einer Zerstörung der Museen gleichkommt.

Nicht nur, daß ein Umzug in eine verstümmelte Bausubstanz vorgenommen würde - das weitaus größere Problem wäre die Verlagerung der Museen in einen Bereich abseits der Besucherströme.

Beeindruckende Besucherzahlen

Eine berechtigte Sorge: Die Museen in Binz und Prora zählten im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 400.000 Besucher. Eine andere Zahl verdeutlicht diese Dimension: Im selben Jahr wurden in den Museen in ganz Mecklenburg-Vorpommern knapp drei Millionen Gäste verzeichnet.

Das sind Ergebnisse, mit denen Prora sich durchaus sehen lassen kann, selbst im Vergleich zu großen internationalen Kultureinrichtungen. Es ist wie mit dem Propheten im eigenen Land: Die Proraer Museen fühlen sich nicht entsprechend ihrer Bedeutung gewürdigt.

Die Nicht-Rügener Gäste der Beratungen am vergangenen Freitag und Sonnabend mochten sicher ein wenig verwundert gewesen sein, daß diese großen Museen ohne finanzielle Zuschüsse auskommen - daß sie aber auch noch ganz ohne ideelle Unterstützung wirtschaften müssen, das war unfaßbar.

Blickte man sich im Saal des Proraer "Strandhotels" um, konnte man verstehen, was den Kulturverein Prora so verbittert: Die Zahl der Gäste hielt sich in sehr engen Grenzen, der offizielle Vertreter der Gemeinde Binz verlas ein freundliches Grußwort, wünschte der Tagung ein gutes Gelingen, allen Beteiligten frohes Schaffen - und verschwand.

Die Frage nach dem Wert der Kultur

"Die Frage", so Dr. Jürgen Rostock, Kuratoriumsmitglied der Stiftung "Neue Kultur", "die Frage ist nicht die, ob wir uns Kultur leisten können. Wir müssen fragen: Können wir auf Kultur verzichten?" Kultur sei schließlich eine Investition in die Zukunft und ein probates Mittel, potentielle Kultur-Konsumenten auch außerhalb der Saisonmonate nach Rügen zu locken.

Wie will man diesen Anspruch aber umsetzen und dem Kultur-Tourismus in Prora eine Grundlage geben, die von Dauer ist und sogar eine Weiterentwicklung zuläßt? Die Bausubstanz läßt keine Erweiterungen zu, der Denkmal- und Naturschutz keine Neubauten.

Der eigentliche Vorwurf ist aber der, daß die Konzeption für Prora als ein Zentrum für Hotels, Ferienwohnungen, Kongreßzentrum, Jugendherberge und einem verschwindend kleinen Anteil an Kultur keine wahre "Mischnutzung" darstellt, wie es die Machbarkeitsstudie weismachen will.

"Damit nun kein Mißverständnis aufkommt: Wir wollen Prora nicht nur mit Kultur füllen, wir wollen aber angemessenen Platz und Raum", stellte die Runde deutlich heraus.

Vorstellungen gibt es zur Genüge. Von "Europäischem Theater in Prora" war die Rede, von einer Ausstellung über Funde in den Küstengewässern Rügens, von Kunst und Denkmalpflege - aber nicht davon, wie diese Visionen realisiert werden können.

Eine Stiftung Prora entfällt, einen so großzügigen Spender wird es nicht geben, und der Bund als Eigentümer wird es erst recht nicht sein, wie Hildegard Kramer von der Oberfinanzdirektion Rostock klarstellte.

Hat die Kultur in Prora eine Chance, wird sie wahr- und ernstgenommen? Das Fehlen der (geladenen) Kreistags- und Gemeindevertreter zeigt eines: "Saisonverlängerung für Rügen" scheint lediglich das Hoffen auf Klimaveränderungen zu sein.

Windräder vermiesen das Geschäft?

Billig-Strom bei HEVAG?

Bergen (DR/mt). Laut Pressemitteilung der Hanseatischen Energieversorgung Aktiengesellschaft (HEVAG) ist das Unternehmen gemeinsam mit der HEVAG-Tochter EMO der preisgünstigste Stromversorger für Industriekunden in den neuen Bundesländern.

Die Industriepreise liegen mit 19,15 Pfennigen pro Kilowattstunde um einen Pfennig niedriger als im ostdeutschen Durchschnitt. Noch billiger ist der Strom aber im Westen Deutschlands, nämlich im Schnitt um 0,85 Pfennig.

Die HEVAG beliefere ihre Kunden noch immer günstiger als beispielsweise die Stadtwerke Kiel, die HEW in Hamburg oder die BEWAG in Berlin, verkündet das Rostocker Unternehmen.

Der Energieversorger will damit Vorwürfe entkräften, daß die wirtschaftliche Entwicklung im Küstengebiet von MVP durch zu hohe Strompreise behindert wird. Mit der Preissenkung für Industriekunden zum 1. Januar des Jahres sei genau das Gegenteil bewiesen worden.

Durch die günstigen Strompreise liefere die HEVAG mittlerweile sogar einen positiven Standortfaktor für die Region. Im Privatkundenbereich steht die HEVAG in MVP mit ihren Tarifen nur an Platz sechs (von 20 Unternehmen), im Osten Deutschlands rangieren die Rostocker auf Platz 36 (bei insgesamt 59 Versorgern).

Als Gründe für die Preise nennt die HEVAG die Abgabe lukrativer Gebiete an Stadtwerke und schiebt damit dem Land den Schwarzen Peter zu, das deren Bildung genehmigt. Außerdem würden die Industriestrompreise durch die gesetzlich vorgeschriebene Einspeisung von Windenergie künstlich über dem Westniveau gehalten.

20.000 Mark für Inselsport

Neue Sportförderung

Bergen (mt). Mit maximal 15.000 Mark kann der Kreissportbund Rügen e.V. in Zukunft jährlich vom Landkreis unterstützt werden. Auf diese Empfehlung des Sportausschusses hat sich in der vergangenen Woche auch der Kreistag einigen können. Dieser Punkt ist nur einer von denen, die in der Richtlinie zur Sportförderung des Kreises geändert wurden.

Der Kinder- und Jugendsport ist aus der Richtlinie völlig verschwunden; er soll künftig aus den Geldtöpfen für Jugendarbeit unterstützt werden. Ersetzt wurde diese Hilfe durch eine Förderung des Breitensports, die aber nur noch halb so groß wie bislang sein wird (eine statt zwei Mark pro Vereinsmitglied).

Nicht mehr förderfähig sind ab jetzt auch Veranstaltungen mit Urlaubern und Gästen. "Solche Veranstaltungen sollen Geld bringen und nichts kosten", war sich der Sportausschuß einig. Neu aufgenommen wurde dagegen die Unterstützung für Sportveranstaltungen der B-7-Inseln.

Ebenfalls neu ist die Regelung, daß bei der Bezuschussung von Sportbauten durch den Kreis langfristige Pachtverträge über mindestens 25 Jahre vorgelegt werden müssen. Neben den 15.000 Mark für den Kreissportbund verteilt der Landkreis in diesem Jahr lediglich 5.000 Mark an die Sportler.

Streit um Standort für Berufliche Schule schwelt weiter / Bergen-Lobby wird wieder aktiv

Kostenanalyse "zurechtgerechnet"?

Bergen (mt). Nachdem die Kreishandwerkerschaft zum Standort der zukünftigen Beruflichen Schule im Kreis noch einmal ihr Votum zugunsten Bergens abgegeben hat, ist die Diskussion darüber erneut in Gang gekommen.

Der Kreis hatte seinerzeit unter der Maßgabe, daß das Land einen Neubau nur in Sassnitz genehmigen würde, für diesen Standort votiert. Argument dafür waren die Ausbildung von Fischwirten, die die Hafennähe bräuchten, und der vom damaligen Dezernenten Dr. Udo Knapp voreilig angeschobene Grundstückskauf in Sassnitz.

Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) hat jetzt den von der Kreisverwaltung erstellten Kostenvergleich zwischen den Standorten Sassnitz und Bergen angezweifelt. Darin wären einige Punkte gar nicht berücksichtigt oder falsch dargestellt, erklärte sie in der Stadtvertreterversammlung und vor dem Kreistag.

Die Kosten für einen Sporthallenbau sind am Standort Sassnitz ebenso herausgerechnet worden wie die für den schon erfolgten Grundstückskauf. Dafür seien die Sanierungskosten für den Standort Bergen viel zu hoch angesetzt und entsprächen nicht den Kosten für die Rekonstruktion vergleichbarer Plattenbauten, rügte die Bürgermeisterin.

Genauso falsch sei, daß Schwerin nur den Bau in Sassnitz fördern würde, erklärte Köster nach einem Telefonat mit dem Kultusministerium. Die von Köster zitierte Aussage des Schulleiters Müller, wonach es Schülern und Lehrern nicht um die Standortfrage gehe, sondern lediglich um den Erhalt des Berufsschulstandortes Rügen, bezeichnete der Bergener Stadtvertreter und (Sassnitzer) Berufsschullehrer Wolfgang Jepp (FDP) wiederum als unwahr.

Vielmehr habe die Schulleitung sich in der Vergangenheit nachdrücklich für den Neubau am Standort Sassnitz ausgesprochen. Das sei meistenteils gegen die mehrheitlich von Schülern, Eltern und Lehrern vertretene Auffassung gewesen, den Standort Bergen beizubehalten.

Zurückhaltung übt Landrätin Dr. Karin Timmel derzeit in der Standortdiskussion. Sie bezeichnete es in ihrer Ansprache zur Freisprechung Rügener Handwerkslehrlinge lediglich als "..sicher, daß bis 1999 eine neue Berufliche Schule im Landkreis Rügen entstehen kann..." und vermied es, auf den vom Kreistag gefaßten Beschluß für Sassnitz zu verweisen.

Dirk Sund aus Bergen holte sich mit dem alkoholfreien "Creme Banane" den ersten Platz im Barkeeper-Wettbewerb

Erfahrung ersetzt Experimentieren

Bergen (mt). Eine Viertel-Banane, ein halber Pfirsich, etwas Joghurt-Blutorange-Eis sowie Orangensaft und Bananennektar - gut gemixt und nett garniert - diese Zutaten hatte Dirk Sund am Abend des 8. März im Kopf.

Ob der Frauentag die Inspiration für seinen Drink "Creme Banane" war oder das leckere Eis der Rügener "Bananas-Eisträume" - Dirk Sund kann sich daran nicht mehr so erinnern. "Bei solchen Sachen muß er nicht lange rumexperimentieren, das fällt ihm immer spontan ein", schwört jedenfalls seine Frau.

"Creme Banane" heißt der alkoholfreie Drink, der Dirk Sund, Geschäftsführer im Bergener "Café am Markt", den Sieg bei der diesjährigen Landes-Meisterschaft der Deutschen Barkeeper-Union brachte. Der gebürtige Stralsunder scheint dabei von seinen jahrelangen Erfahrungen als Koch und Barchef profitiert zu haben.

"Wenn man lange genug gekocht hat, braucht man nicht zu probieren. Da weiß der Koch einfach, wieviel er von welchem Gewürz braucht und wie es anschließend schmeckt", lacht Dirk Sund, als wir ihn fragen, wie lange er denn experimentieren mußte, bevor die Rezeptur für den alkoholfreien Drink feststand.

Daß gleich beim ersten Versuch auf der DBU-Bühne in Stralsund am 9. März ein Sieg in der Kategorie der alkoholfreien Drinks herauskam, hat den Rüganer denn doch erstaunt. Dabei dürfte sein Name spätestens seit dem Champagnerwettbewerb in Binz im vergangenen Jahr den Kollegen und dem Publikum der Insel nicht mehr fremd sein.

Mit einem "Ostsee-Traum" holte sich Sund, der sich einen Großteil seiner Barkeeper-Kenntnisse selbst angeeignet hat, 1996 den dritten Platz. Warum mixt ein Café-Betreiber Drinks beim DBU-Landeswettbewerb? "Um nicht aus der Übung zu kommen", lacht Dirk Sund. Seine Fähigkeiten wird er spätestens zum Jahresende wieder voll unter Beweis stellen können.

Bis dahin soll unter dem "Café am Markt" eine Bar in den historischen und wunderschönen Kellergewölben eröffnet werden. Wer solange nicht warten will, dem mixt der Bergener auch jetzt schon mal den "Creme Banane", den der Gast nicht nur im Café, sondern auch davor oder im rückseitigen Garten genießen kann. "Am 1. Mai startet bei uns der Terrassenbetrieb, egal wie das Wetter ist".


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