Kreistag informierte sich über Stand der A-20-Planung
/ Bericht vom Kreistag
Dreispurige B 96 vom Tisch
Bergen (mt). Die Straßen haben den Kreistag in der vergangenen
Woche gleich mehrmals beschäftigt. Der Stand der Planungen für
die Ostseeautobahn A 20 und der Ausbau der Bundesstraße B 96 auf Rügen
gehörten genauso dazu wie die Kreisstraßenkonzeption.
Und während man sich auf der Insel über die Formulierung von Beschlüssen
streitet, sind andere Landkreise einen großen Schritt weiter, berichtete
der Stralsunder Straßenbauamtsleiter Hartmut Klingenberg.
Werner Junker, Geschäftsführer der Berliner DEGES, einer privaten
Gesellschaft des Bundes, hatte zunächst Zweifel ausgeräumt, daß
die A 20 jemals Vorpommern erreichen würde. Für den Bau der Ostseeautobahn
auf der geplanten Route steht auch die Finanzierung, widersprach er Gerüchten,
die wegen der angespannten Haushaltslage nur von einem A-20-Bau bis Rostock
ausgingen.
Noch im kommenden Jahr soll ein Teilstück zwischen Rostock und Sanitz
begonnen werden. Etwa 2003 wird die A 20 von der Landesgrenze nach Schleswig-Holstein
bis Tribsees stehen. 2005, so Junker, ist die Autobahn bis zu ihrem Anschluß
an die A 11 fertig.
Nicht geklärt ist allerdings die Finanzierung der Zubringer. Die Rüganer
müßten demnach auf den bestehenden Bundesstraßen über
Franzburg und Richtenberg oder über Grimmen auf die Ostseeautobahn
fahren.
Hier ist der Kreistag einer Emppfehlung des Wirtschaftsausschusses gefolgt
und "unterstützt alle Maßnahmen, die zum Bau der A 20 im
Bereich Vorpommern erforderlich sind, einschließlich des Anbinders
Richtung Stralsund".
Doch während man sich im Kreistag noch darüber stritt, ob die
"Unterstützung" in der Beschlußvorlage durch eine "Forderung"
ersetzt werden sollte, erinnerte der Leiter des Stralsunder Straßenbauamtes,
Hartmut Klingenberg, daran, daß zu eben der Zeit, in der der Rügener
Kreistag noch über Formulierungen diskutiert, der nordvorpommersche
Landrat Molkentin schon bei den entsprechenden Stellen vorspricht, um den
Bau des sogenannten "Pommernkreuzes" durchzudrücken, das
eine entsprechende Anbindung von Stralsund und Rügen gewährleistet.
Klingenberg war dennoch erleichtert. "Der Ausbau der B 96 auf Rügen
wird jetzt wenigstens einheitlich beurteilt", erinnerte er an vorherige
Diskussionen. Dem Einwurf von CDU-Fraktionschef Udo Timm, "Zwei Jahre
wurden vergeigt", konnte Klingenberg nur zustimmen.
Durch die ständigen Unstimmigkeiten wäre wertvolle Zeit verlorengegangen
- und mit ihr Geld. Denn während das vor wenigen Jahren noch kräftig
hätte fließen können, sickert es inzwischen nur noch zäh
aus den öffentlichen Kassen. Das Land ist inzwischen dabei, "andere
Quellen für Baugeld" aufzuspüren.
Allein in den nächsten fünf Jahren braucht MVP 1,5 Milliarden
Mark für den Straßenbau. Eine Menge davon fließt bereits
nach Vorpommern: mit 800 Millionen Mark ist die Ortsumgehung Stralsund nach
dem A-20-Projekt das finanziell größte Straßenbauvorhaben
des Landes.
Mit dem Bau einer neuen Sundquerung und dem Ausbau der B 96 ist Vorpommern
offensichtlich einer der Investitionsschwerpunkte.
Für die letztgenannte Maßnahme ist jetzt das Linienbestimmungsverfahren
in Gang gesetzt worden. 1998 wird der Bund die Trassenführung präsentieren.
Dabei wird davon ausgegangen, daß eine dreispurige B 96 wegen der
vielen Ortsdurch- und Abfahrten nicht realisierbar ist.
Es wird wahrscheinlich bei dem bereits vorgestellten Projekt einer neuen
Schnellstraße parallel zur alten B 96 bleiben. Handwerk sprach ehemalige Lehrlinge frei
Bergens Chancen bis 2010
Bergen (mt). Das Handwerk ist auf der Insel der größte
Ausbilder und Arbeitgeber, rechnete Udo Dohms, Präsident der Landes-Handwerkskammer,
bei der Freisprechung von 57 Lehrlingen am vergangenen Freitag im Bergener
Treff-Hotel vor.
717 kleine und mittlere Handwerksbetriebe auf Rügen sorgen nicht nur
für eine entsprechende Anzahl von Arbeits-, sondern auch von Ausbildungsplätzen.
Das Handwerk ist laut Dohms nach wie vor gefragt, weil eine ganze Reihe
von zukunftsträchtigen Gewerken und Branchen sichere Arbeitsplätze
versprechen.
Von ihrem Lehrlingsstatus wurden in diesem Jahr 24 Kfz-Mechaniker, vier
Gas-, Wasser- und Sanitär-Installateure, 17 Heizungs- und Lüftungsbauer
und 12 Elektroinstallateure freigesprochen.
Karl Bollmann, Kreishandwerksmeister der Insel Rügen, zeigte sich besonders
stolz auf die zwei Gesellen, die ihre Ausbildung mit dem Prädikat "sehr
gut" abgeschlossen haben: Christian Redick, der beim EAB zum Elektroinstallateur
ausgebildet wurde, und Kai Schaumann, den die VTS Prora auf die künftige
Arbeit als Kfz-Mechaniker vorbereitet hat.
Dohms forderte die jungen Kollegen auf, zukünftig verstärkt die
Forderungen und Interessen des Handwerks auch durch die Mitwirkung in den
Gemeindevertretungen und Kreistagen durchzusetzen.
"Irgendwann sind die Alten verbraucht, dann müssen die Jungen
ran", appellierte er vor allem an die Gesellen, sich ehrenamtlich zu
engagieren. Stadtvertreter diskutierten Bebauungsplan für
Fachmarktzentrum und Wohnungssituation
Bergen erstellt Mietspiegel
Bergen (mt). Die Bebauung des künftigen Fachmarktgeländes
zwischen Ringstraße und Gingster Chaussee wurde von den Bergener Stadtvertretern
in der vergangenen Woche beinahe wieder infrage gestellt.
Nur neun von 19 Stadtvertretern vertrauten noch auf die alte Idee und gaben
grünes Licht für die Auslegung des geänderten Bebauungsplanes.
Eine breitere Lobby gab es dagegen für den Ausgleich der Interessen
von Mietern und Vermietern.
Bergen wird als bislang erste Kommune in dieser Größe in ganz
Nordeutschland einen Mietspiegel für die Stadt erstellen.
Der Bebauungsplan für das Fachmarktzentrum (B-Plan Nr. 11) war
eigentlich nur noch der Form halber auf die Tagesordnung der Stadtvertretung
gelangt. Die jetzt eingearbeiteten Änderungen waren allesamt schon
mehrmals diskutiert und einmal beschlossen worden.
Das Land hatte für die Genehmigung allerdings eine Neuauslegung anstelle
einer simplen Änderung verlangt. Befürchtet wird von den Stadtvertretern
vor allem, daß nicht viel von der ursprünglichen Idee übrigbleibt.
Einzelhandelsexperten hatten Bergen immer wieder geraten, seiner Rolle als
Mittelzentrum gerecht zu werden und ein Sortiment von spezifischen Waren
anzubieten, die in einer Innenstadt schlecht angeboten werden können.
Investor Reinhard Michel hatte dazu zwei zusätzliche Köder ausgelegt.
Zum einen sollte in Innenstadtnähe (zwischen Bahnhof-, Arkona- und
Breitsprecherstraße) ein Einklaufszentrum mit kleinen Boutiquen und
Ladenpassagen entstehen und die Altstadt attraktiver machen.
Zum anderen wurde die Errichtung eines Freizeitzentrums angeboten, das nicht
nur für den Schul-, sondern auch für den Breitensport genutzt
werden kann. Während das Projekt "Einkaufszentrum in der Innenstadt"
wegen angeblicher Grundstücksprobleme gestorben ist, wurde die von
Deyle geplante Investition in das Freizeitbad solange geschubst, bis sie
auf der Fläche des B-Plans Nr. 11 liegenblieb.
Das Deyle-Projekt hängt jetzt an dem seidenen Förder-Faden, den
Schwerin so schnell nicht spinnen will, sondern erst ein Gutachten dazu
aus dem Landkreis abwartet. Auch wenn Michel-Vertreter immer wieder beteuern,
daß Fachmarkt und Freizeit in diesem B-Plan die gleiche Wertigkeit
erfahren und die Forderungen auch erfüllt werden, wenn sich die Königstherme
um Deyle aus dem Projekt zurückziehen, ist das Mißtrauen vieler
Stadtvertreter geblieben.
Nicht zuletzt hatte auch das Famila-Warenhaus als Nachbar der B-Plan-Flächen
Bedenken angemeldet, daß das eigene Konzept wenige Meter weiter einfach
kopiert würde. Und auch der von der Stadt ausgelegte Appetithappen,
in den B-Plan eine Markthalle einzubeziehen, in der ausschließlich
Rügener Produkte angeboten werden, ist in der Zwischenzeit nicht mehr
aktuell.
Eine solche Einrichtung, so Stadtrat Gerd Zander, gehört in die Innenstadt
und nicht in ein Fachmarktzentrum am Stadtrand. Dazu kommt eine Vergrößerung
der Gesamtfläche um 4.500 Quadratmeter. Aber auch den Flächenberechnungen
wollte nicht jeder Stadtvertreter trauen.
"Wie kann es sein, daß wir im B-Plan für jede Nutzung nur
eine maximale Größe von 4.500 Quadratmetern vorsehen, der Bauherr
aber öffentlich auf seinem Bauschild von einem Baumarkt mit Gartencenter
über 7.000 Quadratmeter spricht", fragte Diethelm Rochow (PDS).
Doris Möller-Hempel zweifelte die Notwendigkeit des gesamten Vorhabens
an, erinnerte an die sinkende Kaufkraft, die sich in Bergen immer mehr Anbieter
teilen müssen. Bei der Vielzahl der Discounter sei es wenig sinnvoll,
noch einen weiteren Billig-Anbieter im Lebensmittelbereich zuzulassen.
Kontrovers wurde auch der PDS-Antrag auf Erstellung eines Mietspiegels für
Bergen diskutiert. Der zeigt in einer Tabellenform auf, welche Mieten für
welche Bauten in Bergen üblich sind. Er ist damit eine Orientierungshilfe
nicht nur für Mieter und Vermieter, sondern auch für die Berechnung
von Sozialhilfe und Mietkostenzuschüsse.
Einen direkten Einfluß auf die Miethöhe gewinne man damit nicht,
schränkte Stadtrat Zander ein. Mieter und Vermieter könnten lediglich
daraus entnehmen, ob zuviel oder zuwenig Miete verlangt wird und die Summe
den ortsüblichen Mieten angleichen. Damit, so Verwaltungsleiter Butz,
würden eine Reihe von Gerichtsprozessen zwischen Mietern und Vermietern
vermieden.
Der Antrag der FDP, die Frage erst in den Ausschüssen zu diskutieren
und die Finanzierung zu sichern, wurde abgelehnt. Durch den Einsatz eines
Bauamtsmitarbeiters sollen zusätzliche Kosten durch die Erstellung
vermieden werden, erklärte Bürgermeisterin Köster.
Bergen, so Stadtrat Zander, betrete damit Neuland. Es sei die einzige Kommune
in ganz Norddeutschland mit weniger als 30.000 Einwohnern, die einen Mietspiegel
vorweisen könne. Gutshof Arkona mit Töpferhof und erstem Rügenladen
eröffnet
Geschmack auf Rügen
Putgarten/Rügen (gü). Unter den Augen zahlreicher
Besucher wurde am vergangenen Sonntag der Gutshof Arkona in Putgarten feierlich
eingeweiht. Neben Landrätin Dr. Karin Timmel hatten sich politische
Persönlichkeiten aus der Wittower Region, Vertreter der am Bau beteiligten
Firmen sowie Einwohner und Urlauber versammelt, um die vielfältigen
Angebote des ersten Rügenladens sowie des Töpferhofs zu erkunden
und auszuprobieren.
Timmel nannte in ihren Worten den Gutshof einen weiteren Baustein für
die Modellregion Rügen, der die Attraktivität der gesamten Insel
erhöhe. "Rügen muß auf Dauer ein Anziehungspunkt für
die Touristen und Urlauber sein", so die Landrätin weiter.
In Zirkow, auf Ummanz sowie eventuell in Rambin sollen in nächster
Zeit weitere Rügenläden mit den ausgewählten Produkten folgen,
die alle das Gütesiegel des "Rügen-Produkt e.V." besitzen.
Bürgermeister Ernst Heinemann sprach seinen besonderen Dank an den
Landkreis, die Bergener Baugesellschaft und die Kreissparkase für die
Untestützung bei der Realisierung dieses Vorhabens aus. Auch den am
Bau beteiligten Firmen zollte der Gemeindechef seinen Dank für die
geleistete Arbeit.
Mit der neuesten Errungenschaft, dem "Arkona-Feuer", stießen
die Anwesenden auf ein gutes Gelingen dieser Unternehmung an. Die Wieker
Blasmusiker sorgten im Anschluß für die richtige Stimmung bei
der Verkostung der vielen Leckereien und der Besichtigung der fertiggestellten
Anlage.
Ab 1998 sind acht feste Arbeitsplätze in dem Gutshof Arkona zu finden,
bis zum Jahr 2000 sollen es immerhin insgesamt 30 sein, wie Heinemann abschließend
informierte. Atlantis-Gesellschaft plant das 1. Internationale Natur-Öko-Ethno
Filmfestival auf Rügen/Mitstreiter auf Rügen gesucht
Wir reden von der Insel Rügen
Sellin/Rügen (DR). "Wir sprechen bei unserem Projekt
von der Insel Rügen. Mit dem von uns angedachten Festival wollen wir
und sollen die Rüganer die Qualitäten ihrer Heimat gegenüber
einem breiten internationalen Forum präsentieren.
Der vernüftige Zusammenschluß von Mensch und Natur spielt dabei
eine große Rolle. Neue Definitionen der bestehenden Werte müssen
gefunden werden, Erlebnisbereiche für die Gäste und Besucher der
Insel müssen geschaffen werden.
Und nicht nur im Sommer, sondern permanent das ganze Jahr hindurch",
ist der Konzeption von Michael Lampert und Andreas Wollenzien (Atlantis-Gesellschaft)
aus Sellin für das 1. Internationale Natur-Öko-Ethno- Filmfestival
zu entnehmen.
Startschuß für dieses Vorhaben soll im Jahr 1999 sein. Die weiteren
Planungen der Initiatoren besagen außerdem, dieses Festival zu einer
jährlichen Einrichtung auf der größten deutschen Insel werden
zu lassen. Dafür suchen Lampert, Damm und Wollenzien aber noch viele
Mitstreiter, die sich in dem Projekt gemeinsam engagieren wollen und sollen.
"Es muß eine Identifikation mit Rügen erfolgen", ist
dem dieser Zeitung vorliegenden Konzept weiter zu entnehmen. Die Festivaldauer
umschließt rund zehn bis zwölf Tage, inklusive zweier Wochenenden.
Das Programm, das für die Besucher und Rüganer dargeboten werden
soll, gliedert sich in verschiedene Schwerpunkte. Dabei soll das Ostseebad
Sellin das Festivalzentrum sein, andere Orte und Regionen auf Rügen
umrahmen aber mit anderen Veranstaltungen, so erklären Lampert, Damm
und Wollenzien weiter.
Internationales Festival für Rügen
Dokumentarfilme über Natur, Ökologie, Ethnologie sowie Spielfilme
mit diesen Thembereichen für Erwachsene und Kinder bilden dabei die
Programmhöhepunkte. Kulturelle Veranstaltungen auf der gesamten Insel
sind weiterhin geplant.
Prominente Persönlichkeiten, die sich besonders mit der Natur und der
Umwelt identifizieren werden bei den Veranstaltungen ebenfalls anwesend
sein. Hierzu sind bereits umfangreiche Gespräche in der Bundesrepublik
Deutschland und im Ausland geführt worden.
Hochrangige Firmen und Konzerne sowie staatliche Stellen auf allen Ebenen
sollen als potentielle Sponsoren gewonnen werden. Auch dazu sind bis zum
heutigen Zeitpunkt Gespräche abgeschlossen bzw. in Vorbereitung.
Immerhin handelt es sich bei diesem Festival um ein großes Ereignis,
das mehrere zehntausende Besucher anlocken und begeistern soll. Viel Arbeit
und persönlicher Einsatz sind erforderlich, um das gesteckte Ziel zu
erreichen.
Deshalb suchen die Initiatoren Lampert, Damm und Wollenzien viele Helfer
und Mitstreiter von Rügen, die dieses Vorhaben vorbereiten und unterstützen
helfen.
Der Rüganer wird in regelmäßigen Abständen über
den Stand der Vorbereitungen berichten, damit Sie, liebe Leser, immer über
die aktuellsten Geschehnisse informiert sind und sehen, daß sich mit
diesem Vorhaben eine Chance für die Insel ergibt, die vielbesungene
Saisonverlängerung in die Tat umzusetzen.
Derzeit ist die Atlantis-Gesellschaft noch im Haus "Südstrand"
unter Telefon 038303/604 oder 86032 zu erreichen. Zu einem späteren
Zeitpunkt soll das Organisationsbüro in den Kurpark Sellin verlegt
werden. Alle Interessierten sind aufgerufen, sich zu melden. Stiftung "Neue Kultur" lud zu Beratungen
zur zukünftigen kulturellen Nutzung der Liegenschaft Prora
Prora - was wird aus der Kultur?
Prora (gd). Es hätte alles so schön werden können:
Eine renommierte Kulturstiftung lädt zu Gesprächen und Beratungen
über die kulturelle Zukunft des Kolosses, man diskutiert und debattiert
über unterschiedlichste und fantasievollste Projekte - und die Öffentlichkeit
kommt ins Staunen darüber, was man in den tristen und eher unfreundlichen
Gebäuden alles feiern, ausstellen und präsentieren kann.
Daß es (wieder einmal) ganz anders kam, mag zum einen daran liegen,
daß auf Rügen tatsächlich andere Probleme drängender
zu sein scheinen als "ausgerechnet Kultur"; zum anderen glauben
viele, mit der kürzlich vorgelegten Machbarkeitsstudie wäre bereits
alles gesagt und alle Arbeit getan.
Von wegen - die Arbeit beginnt erst, nicht zuletzt für die Vertreter
von Kunst und Kultur, die eine Vernachlässigung ihres Sektors zugunsten
einer touristischen Erschließung befürchten. Ihre Frage ist:
Gibt es in Prora Platz für die Kultur? Und wenn ja - wird dieser Platz
auch ausreichen?
Zwar existieren bis heute drei Museen (Das "Museum zum Anfassen",
die Dokumentationsgalerie und das Eisenbahnmuseum), nicht zu vergessen auch
die Grafikausstellung von Professor Carl Vogel und seiner Ehefrau Carin
- doch letztere wird momentan scheinbar nur geduldet, und bis auf das Eisenbahnmuseum
haben die anderen Museen keineswegs die Garantie, am jetzigen Standort verbleiben
zu können.
Professor Joachim Wernicke, Betreiber des "Museums zum Anfassen"
und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins "KUNST und KULTUR in PRORA",
wirft der S.T.E.R.N.-GmbH vor, ohne Rücksprache mit den Betroffenen
den Umzug der Kultureinrichtungen in den abgelegenen Nordbereich des Objektes
geplant zu haben, was nach Wernickes Worten einer Zerstörung der Museen
gleichkommt.
Nicht nur, daß ein Umzug in eine verstümmelte Bausubstanz vorgenommen
würde - das weitaus größere Problem wäre die Verlagerung
der Museen in einen Bereich abseits der Besucherströme.
Beeindruckende Besucherzahlen
Eine berechtigte Sorge: Die Museen in Binz und Prora zählten im vergangenen
Jahr insgesamt mehr als 400.000 Besucher. Eine andere Zahl verdeutlicht
diese Dimension: Im selben Jahr wurden in den Museen in ganz Mecklenburg-Vorpommern
knapp drei Millionen Gäste verzeichnet.
Das sind Ergebnisse, mit denen Prora sich durchaus sehen lassen kann, selbst
im Vergleich zu großen internationalen Kultureinrichtungen. Es ist
wie mit dem Propheten im eigenen Land: Die Proraer Museen fühlen sich
nicht entsprechend ihrer Bedeutung gewürdigt.
Die Nicht-Rügener Gäste der Beratungen am vergangenen Freitag
und Sonnabend mochten sicher ein wenig verwundert gewesen sein, daß
diese großen Museen ohne finanzielle Zuschüsse auskommen - daß
sie aber auch noch ganz ohne ideelle Unterstützung wirtschaften müssen,
das war unfaßbar.
Blickte man sich im Saal des Proraer "Strandhotels" um, konnte
man verstehen, was den Kulturverein Prora so verbittert: Die Zahl der Gäste
hielt sich in sehr engen Grenzen, der offizielle Vertreter der Gemeinde
Binz verlas ein freundliches Grußwort, wünschte der Tagung ein
gutes Gelingen, allen Beteiligten frohes Schaffen - und verschwand.
Die Frage nach dem Wert der Kultur
"Die Frage", so Dr. Jürgen Rostock, Kuratoriumsmitglied der
Stiftung "Neue Kultur", "die Frage ist nicht die, ob wir
uns Kultur leisten können. Wir müssen fragen: Können wir
auf Kultur verzichten?" Kultur sei schließlich eine Investition
in die Zukunft und ein probates Mittel, potentielle Kultur-Konsumenten auch
außerhalb der Saisonmonate nach Rügen zu locken.
Wie will man diesen Anspruch aber umsetzen und dem Kultur-Tourismus in Prora
eine Grundlage geben, die von Dauer ist und sogar eine Weiterentwicklung
zuläßt? Die Bausubstanz läßt keine Erweiterungen zu,
der Denkmal- und Naturschutz keine Neubauten.
Der eigentliche Vorwurf ist aber der, daß die Konzeption für
Prora als ein Zentrum für Hotels, Ferienwohnungen, Kongreßzentrum,
Jugendherberge und einem verschwindend kleinen Anteil an Kultur keine wahre
"Mischnutzung" darstellt, wie es die Machbarkeitsstudie weismachen
will.
"Damit nun kein Mißverständnis aufkommt: Wir wollen Prora
nicht nur mit Kultur füllen, wir wollen aber angemessenen Platz und
Raum", stellte die Runde deutlich heraus.
Vorstellungen gibt es zur Genüge. Von "Europäischem Theater
in Prora" war die Rede, von einer Ausstellung über Funde in den
Küstengewässern Rügens, von Kunst und Denkmalpflege - aber
nicht davon, wie diese Visionen realisiert werden können.
Eine Stiftung Prora entfällt, einen so großzügigen Spender
wird es nicht geben, und der Bund als Eigentümer wird es erst recht
nicht sein, wie Hildegard Kramer von der Oberfinanzdirektion Rostock klarstellte.
Hat die Kultur in Prora eine Chance, wird sie wahr- und ernstgenommen? Das
Fehlen der (geladenen) Kreistags- und Gemeindevertreter zeigt eines: "Saisonverlängerung
für Rügen" scheint lediglich das Hoffen auf Klimaveränderungen
zu sein. Windräder vermiesen das Geschäft?
Billig-Strom bei HEVAG?
Bergen (DR/mt). Laut Pressemitteilung der Hanseatischen Energieversorgung
Aktiengesellschaft (HEVAG) ist das Unternehmen gemeinsam mit der HEVAG-Tochter
EMO der preisgünstigste Stromversorger für Industriekunden in
den neuen Bundesländern.
Die Industriepreise liegen mit 19,15 Pfennigen pro Kilowattstunde um einen
Pfennig niedriger als im ostdeutschen Durchschnitt. Noch billiger ist der
Strom aber im Westen Deutschlands, nämlich im Schnitt um 0,85 Pfennig.
Die HEVAG beliefere ihre Kunden noch immer günstiger als beispielsweise
die Stadtwerke Kiel, die HEW in Hamburg oder die BEWAG in Berlin, verkündet
das Rostocker Unternehmen.
Der Energieversorger will damit Vorwürfe entkräften, daß
die wirtschaftliche Entwicklung im Küstengebiet von MVP durch zu hohe
Strompreise behindert wird. Mit der Preissenkung für Industriekunden
zum 1. Januar des Jahres sei genau das Gegenteil bewiesen worden.
Durch die günstigen Strompreise liefere die HEVAG mittlerweile sogar
einen positiven Standortfaktor für die Region. Im Privatkundenbereich
steht die HEVAG in MVP mit ihren Tarifen nur an Platz sechs (von 20 Unternehmen),
im Osten Deutschlands rangieren die Rostocker auf Platz 36 (bei insgesamt
59 Versorgern).
Als Gründe für die Preise nennt die HEVAG die Abgabe lukrativer
Gebiete an Stadtwerke und schiebt damit dem Land den Schwarzen Peter zu,
das deren Bildung genehmigt. Außerdem würden die Industriestrompreise
durch die gesetzlich vorgeschriebene Einspeisung von Windenergie künstlich
über dem Westniveau gehalten. 20.000 Mark für Inselsport
Neue Sportförderung
Bergen (mt). Mit maximal 15.000 Mark kann der Kreissportbund
Rügen e.V. in Zukunft jährlich vom Landkreis unterstützt
werden. Auf diese Empfehlung des Sportausschusses hat sich in der vergangenen
Woche auch der Kreistag einigen können. Dieser Punkt ist nur einer
von denen, die in der Richtlinie zur Sportförderung des Kreises geändert
wurden.
Der Kinder- und Jugendsport ist aus der Richtlinie völlig verschwunden;
er soll künftig aus den Geldtöpfen für Jugendarbeit unterstützt
werden. Ersetzt wurde diese Hilfe durch eine Förderung des Breitensports,
die aber nur noch halb so groß wie bislang sein wird (eine statt zwei
Mark pro Vereinsmitglied).
Nicht mehr förderfähig sind ab jetzt auch Veranstaltungen mit
Urlaubern und Gästen. "Solche Veranstaltungen sollen Geld bringen
und nichts kosten", war sich der Sportausschuß einig. Neu aufgenommen
wurde dagegen die Unterstützung für Sportveranstaltungen der B-7-Inseln.
Ebenfalls neu ist die Regelung, daß bei der Bezuschussung von Sportbauten
durch den Kreis langfristige Pachtverträge über mindestens 25
Jahre vorgelegt werden müssen. Neben den 15.000 Mark für den Kreissportbund
verteilt der Landkreis in diesem Jahr lediglich 5.000 Mark an die Sportler. Streit um Standort für Berufliche Schule schwelt
weiter / Bergen-Lobby wird wieder aktiv
Kostenanalyse "zurechtgerechnet"?
Bergen (mt). Nachdem die Kreishandwerkerschaft zum Standort
der zukünftigen Beruflichen Schule im Kreis noch einmal ihr Votum zugunsten
Bergens abgegeben hat, ist die Diskussion darüber erneut in Gang gekommen.
Der Kreis hatte seinerzeit unter der Maßgabe, daß das Land einen
Neubau nur in Sassnitz genehmigen würde, für diesen Standort votiert.
Argument dafür waren die Ausbildung von Fischwirten, die die Hafennähe
bräuchten, und der vom damaligen Dezernenten Dr. Udo Knapp voreilig
angeschobene Grundstückskauf in Sassnitz.
Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) hat jetzt den von
der Kreisverwaltung erstellten Kostenvergleich zwischen den Standorten Sassnitz
und Bergen angezweifelt. Darin wären einige Punkte gar nicht berücksichtigt
oder falsch dargestellt, erklärte sie in der Stadtvertreterversammlung
und vor dem Kreistag.
Die Kosten für einen Sporthallenbau sind am Standort Sassnitz ebenso
herausgerechnet worden wie die für den schon erfolgten Grundstückskauf.
Dafür seien die Sanierungskosten für den Standort Bergen viel
zu hoch angesetzt und entsprächen nicht den Kosten für die Rekonstruktion
vergleichbarer Plattenbauten, rügte die Bürgermeisterin.
Genauso falsch sei, daß Schwerin nur den Bau in Sassnitz fördern
würde, erklärte Köster nach einem Telefonat mit dem Kultusministerium.
Die von Köster zitierte Aussage des Schulleiters Müller, wonach
es Schülern und Lehrern nicht um die Standortfrage gehe, sondern lediglich
um den Erhalt des Berufsschulstandortes Rügen, bezeichnete der Bergener
Stadtvertreter und (Sassnitzer) Berufsschullehrer Wolfgang Jepp (FDP) wiederum
als unwahr.
Vielmehr habe die Schulleitung sich in der Vergangenheit nachdrücklich
für den Neubau am Standort Sassnitz ausgesprochen. Das sei meistenteils
gegen die mehrheitlich von Schülern, Eltern und Lehrern vertretene
Auffassung gewesen, den Standort Bergen beizubehalten.
Zurückhaltung übt Landrätin Dr. Karin Timmel derzeit in der
Standortdiskussion. Sie bezeichnete es in ihrer Ansprache zur Freisprechung
Rügener Handwerkslehrlinge lediglich als "..sicher, daß
bis 1999 eine neue Berufliche Schule im Landkreis Rügen entstehen kann..."
und vermied es, auf den vom Kreistag gefaßten Beschluß für
Sassnitz zu verweisen. Dirk Sund aus Bergen holte sich mit dem alkoholfreien
"Creme Banane" den ersten Platz im Barkeeper-Wettbewerb
Erfahrung ersetzt Experimentieren
Bergen (mt). Eine Viertel-Banane, ein halber Pfirsich, etwas
Joghurt-Blutorange-Eis sowie Orangensaft und Bananennektar - gut gemixt
und nett garniert - diese Zutaten hatte Dirk Sund am Abend des 8. März
im Kopf.
Ob der Frauentag die Inspiration für seinen Drink "Creme Banane"
war oder das leckere Eis der Rügener "Bananas-Eisträume"
- Dirk Sund kann sich daran nicht mehr so erinnern. "Bei solchen Sachen
muß er nicht lange rumexperimentieren, das fällt ihm immer spontan
ein", schwört jedenfalls seine Frau.
"Creme Banane" heißt der alkoholfreie Drink, der Dirk Sund,
Geschäftsführer im Bergener "Café am Markt",
den Sieg bei der diesjährigen Landes-Meisterschaft der Deutschen Barkeeper-Union
brachte. Der gebürtige Stralsunder scheint dabei von seinen jahrelangen
Erfahrungen als Koch und Barchef profitiert zu haben.
"Wenn man lange genug gekocht hat, braucht man nicht zu probieren.
Da weiß der Koch einfach, wieviel er von welchem Gewürz braucht
und wie es anschließend schmeckt", lacht Dirk Sund, als wir ihn
fragen, wie lange er denn experimentieren mußte, bevor die Rezeptur
für den alkoholfreien Drink feststand.
Daß gleich beim ersten Versuch auf der DBU-Bühne in Stralsund
am 9. März ein Sieg in der Kategorie der alkoholfreien Drinks herauskam,
hat den Rüganer denn doch erstaunt. Dabei dürfte sein Name spätestens
seit dem Champagnerwettbewerb in Binz im vergangenen Jahr den Kollegen und
dem Publikum der Insel nicht mehr fremd sein.
Mit einem "Ostsee-Traum" holte sich Sund, der sich einen Großteil
seiner Barkeeper-Kenntnisse selbst angeeignet hat, 1996 den dritten Platz.
Warum mixt ein Café-Betreiber Drinks beim DBU-Landeswettbewerb? "Um
nicht aus der Übung zu kommen", lacht Dirk Sund. Seine Fähigkeiten
wird er spätestens zum Jahresende wieder voll unter Beweis stellen
können.
Bis dahin soll unter dem "Café am Markt" eine Bar in den
historischen und wunderschönen Kellergewölben eröffnet werden.
Wer solange nicht warten will, dem mixt der Bergener auch jetzt schon mal
den "Creme Banane", den der Gast nicht nur im Café, sondern
auch davor oder im rückseitigen Garten genießen kann. "Am
1. Mai startet bei uns der Terrassenbetrieb, egal wie das Wetter ist".