D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 19. Februar - 25. Februar 2003 unabhängig - überparteilich

Erneuerung, Ausbau und Tradition im Schaproder Hafen

Der Weg von der großen Zeit der Schaproder Schiffer
bis zur Neubelebung der Seglertradition
Rügen im Wandel der Zeiten Teil 75

Der Kran der Yachtservice Rügen GmbH und unmittelbar daneben ein inzwischen privat genutzter Fischkutter. Der Kran soll vom Fischereiteil des Schaproder Hafens in den neu entstehenden Seglerhafen umgesetzt werden. Dieser Hafen entsteht dort, wo im Hintergrund ein Bagger arbeitet.

Von Wolfgang Urban

Schaprode.
Bis zum 1. Mai 2003 soll der Kran auf dem Foto rechts in den neu entstehenden Seglerhafen von Schaprode umgesetzt werden.

11 Jahre mit einem Entwicklungsproblem

Der Zehntonnenkran auf dem Foto nebenan befindet sich seit 1992 im Schaproder Hafen und gehört zur heutigen Yachtservice-Rügen GmbH. Er war mit die erste größere Anschaffung dieser GmbH, die 1991 unter dem Namen Rügen-Charter GmbH gegründet wurde. Als sich die Arbeit der GmbH mehr vom Charter zum reinen Service hin entwickelte, erfolgte die Namensumbenennung.

In den elf Jahren von 1991 bis 2002 konnte sich die GmbH erfolgreich entwickeln. Doch im Schaproder Hafen stieß sie dabei immer mehr auf Grenzen, denn hier fehlte ihr der notwendige Entwicklungsspielraum.

Erst Fährverkehr, dann Fischerei und jetzt der Seglerhafen

Immer wieder gab es im Frühjahr und Herbst Platzprobleme, wenn Boote gekrant wurden und gleichzeitig Hochbetrieb im Fischumschlag herrschte. "Vor vier Jahren", so Schaprodes Bürgermeister Rüdiger Gau, "entstand bei uns der Gedanke, die Situation für Sportboote in unserem Hafen zu verbessern, weil sie bisher stiefmütterlich behandelt wurden.

In der Vergangenheit davor stand natürlich an erster Stelle, den Fährverkehr zur Insel Hiddensee abzusichern. Der Hafenteil, der den Fährverkehr absichert, wurde 1988/89 rekonstruiert und noch mit DDR-Geld bezahlt. Zehn Jahre später wurde dieser Hafenteil auf den modernsten Stand gebracht. Mit einem finanziellen Aufwand von ca. 500.000 DM wurden das ganze Hafengelände neu gepflastert, die Versorgungsleitungen erneuert und der Hafenweg rekonstruiert.

Bereits 1995/96 wurde der gesamte Fischereiteil des Schaproder Hafens erneuert. Ebenfalls mit einem finanziellen Aufwand von ca. 500.000 DM." In diesem Fischereiteil des Schaproder Hafens befindet sich zwar noch immer der bereits erwähnte Kran der "Yachtservice Rügen GmbH". Aber mit dem Umzug in den neuen Sportboothafenbereich ist ein erfolgreiches Ende auf dem Weg der Hoffnung in Sicht. Wenn alles wie geplant verläuft, soll der Sportboothafen am 1. Mai 2003 in Betrieb genommen werden.

Um den Yachtservice-Kran herum wird dann ausreichend Fläche zur Verfügung stehen, um notwendige Kranarbeiten problemlos durchzuführen und die Boote aufzurüsten.
Das ist auch gut für die Fischer, denn mit dem Umzug des Krans wird es im Hafen endlich auch die notwendige räumliche Trennung zwischen Fischereibetrieb und Yachtservice geben.

Das kommt auch gerade noch rechtzeitig vor der erwarteten Erhöhung des Fischumschlags im Schaproder Hafen. Diese Erwartung verbindet sich mit dem Fischwerk in Mukran und der mit ihm vor allem verbundenen Hoffnung auf eine lohnenswerte Ausdehnung des Heringsfangs.

Die Schaproder Seglertradition und ihre Wiederbelebung

Die Schaproder Fischereihafen-Besonderheit besteht indes darin, dass die Schaproder selbst keine Tradition als Fischer haben. Ihr Hafen war und ist vor allem der traditionelle Umschlagplatz für den Fisch der Hiddenseer Fischer.

In maritimer Hinsicht haben die Schaproder zwar keine Tradition als Fischer, aber als Segelschiffer auf den Meeren der Welt. Die Spuren dieser stolzen Segelschifffahrtstradition lassen sich nachweislich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fand die große Schaproder Seglerzeit ein Ende. Der letzte der einstigen Segelschiffer von Schaprode starb 1915.

Noch 1868 hieß es in einer Beschreibung von Schaprode: "Es ist ein großes, hauptsächlich von Schiffern bewohntes Dorf, welches mit seinen freundlichen, reinlichen Häusern ein holländisches Gepräge hat, wie man es bei anderen norddeutschen Dörfern leider nur selten antrifft." Nach der Zeit der Segelschifffahrt lebten die Schaproder hauptsächlich von der Landwirtschaft.

Entgegengesetzte Blickrichtung wie auf dem Foto oben. Hinter dem Kran das Hafengebäude. Der Hafen verfügt auch über den Vorteil einer Tankstelle, die im Jahr 2001 fertiggestellt wurde. Das gepflasterte Hafengelände mit Imbiß und Hafengebäude (u.a. mit Fahrkartenschalter für die Schiffsfahrten nach Hiddensee).
Foros (3). Urban

Dabei spielte bis zur Eröffnung des Rügendammes auch die Frachtschifffahrt mit landwirtschaftlichen Gütern nach Stralsund noch eine Rolle. Immer mehr gewann auch der Schiffsverkehr nach Hiddensee und der Tourismus im Ort an Bedeutung. Die Wiederbelebung der Seglertradition im Schaproder Hafen vollzog sich seit den 1990-er Jahren und verbindet sich vor allem mit dem Namen Rüdiger Krüger.

1985 zog der geborene Trenter nach Schaprode, weil seine Frau hier Gemeindeschwester wurde. Rüdiger Krüger selbst hatte KfZ-Mechaniker gelernt und war in der KfZ-Branche tätig. Als 1990 die Firma Dübe aus Fehmarn einen Partner zur Betreuung ihrer Charterflotte auf Rügen suchte und mit Uwe Leschner aus Poggenhof 1991 die Rügencharter GmbH gründete, wurde Rüdiger Krüger zur Betreuung der Boote eingestellt.

Nach Leschners Tod wurde er 1992 geschäftsführender Gesellschafter der Rügen-Charter GmbH, die 1994 in die Yachtservice-Rügen GmbH umbenannt wurde. Bereits 1991 war in Poggenhof eine Servicehalle als Winterlager für die Yachten und zur Abwicklung des Yachtservice entstanden.

Yachtservice im Hafen und in Poggenhof

Der Service begann mit Motorenservice als Vertragshändler für Marinepower-Produkte. Hinzu kam ein Yachthandel mit Ausrüstung und Zubehör. Bald stellte sich heraus, dass vor Ort auch ein Segelmacher notwendig sein würde. Doch es war schwer auf Rügen, einen ausgebildeten Segelmacher zu finden.

Nach Übergangslösungen war Rüdiger Krüger richtig froh, als er in diesem Jahr mit Hannes Mikosch einen ausgebildeten Segelmacher aus Baabe einstellen konnte. Von Anfang an hat Rüdiger Krüger in seiner Firma auch Holz- und Metall- und GFK-Arbeiten durchgeführt (GFK = Glasfaserverstärker Kunststoff, d.h. es geht um Arbeiten an den Schiffsrümpfen).

Damit hat sich die Yachtservice-Rügen GmbH eigentlich im Verlaufe ihrer Entwicklung zu einem kleinen Werftbetrieb entwickelt. Als die Hallenkapazität für diesen Betrieb nicht mehr ausreichte und fast feststand, dass in Schaprode ein neuer Yachthafen gebaut wird, errichtete man hoffnungsvoll im Jahr 2002 eine weitere Halle in Poggenhof. Sie ist eine reine Unterstellhalle für Boote und dient im Sommer als Verkaufsfläche für Gebrauchtboote.

Fast wäre die rund 200.000 Euro Investition in die neue Halle jedoch in den Sand gesetzt worden, denn plötzlich kam der geplante Bau des Seglerhafens in Gefahr. "Der Bau" so Bürgermeister Gau, "wäre fast an ein paar Steinwerkzeugen, einem Stückchen Holz, das 5.000 Jahre alt sein soll, und einigen Haselnüssen aus gleicher Zeit gescheitert." Mehr dazu in Rügen im Wandel der Zeiten (Teil 76).


FFH wieder Thema

Umweltministerium hält mögliche Gebiete geheim

Rügen / Schwerin (ks). Kaum ein Thema erregte 1999 so viel Aufregungen auf Rügen wie die Flora - Fauna - Habitat - Richtlinie der Europäischen Union. Auf Anweisung aus Brüssel musste die Landesregierung bis Mitte 2000 die Gebietsmeldung für Mecklenburg - Vorpommern einreichen, um so finanzielle Strafen von Seiten der EU zu verhindern. Doch wie jetzt bekannt wurde, reicht der EU die Gebietsmeldung, die ungefähr acht Prozent der Landesfläche umfasst, nicht aus.

Folglich muss MV bis Mitte 2003 weitere FFH - Gebiete ausweisen. Umweltminister Methling stellte bereits am 11. Februar dem Kabinett die Fachvorschläge zur weiteren FFH - Gebietsausweisung vor. Auf die Anfrage beim Umweltministerium, diese Fachvorschläge genauer zu benennen, erhielt Der Rüganer folgende Anwort : "Die Abstimmungsphase wird voraussichtlich vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen. Im Anschluss daran ist voraussichtlich für den Mai 2003 eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung in der Sache vorgesehen."

Im Klartext: Vor Mai 2003 gibt es keine Informationen zu den möglichen neuen FFH - Gebieten. Da das Umweltministerium 1999 aber verschiedene Gebiete auf Rügen, teils bedingt durch den öffentlichen Druck, von der FFH - Gebietsliste streichen musste, ist fraglich, ob diese Flächen nun nicht doch nachgemeldet werden . Dabei handelt es sich um folgende Gebiete: die Häfen Klein Kubitz, Polchow, Thiessow, Puddemin, Gustow sowie die Seedorfer Bek.

Ebenfalls ausgenommen von der Vorschlagsliste des Ministeriums wurden die Surfplätze am Kubitzer Bodden. Auch die angemahnten Grenzkorrekturen, beispielsweise im Bereich Sassnitz, Thiessow, Gager, Binz und Sellin wurden damals abgeändert.


Arbeitslosigkeit steigt und steigt

Statistiktag im Arbeitsamt : 10.360 Rüganer im Januar ohne Anstellung

Stralsund (gü). Die Zahlen der arbeitslosen Frauen und Männer werden immer schlimmer ! Das Landesarbeitsamt Kiel veröffentlichte am 5. Februar während des sog. Statistiktages die aktuellen Zahlen für den Monat Januar. Demnach sind in Mecklenburg-Vorpommern fast 200.000 Menschen ohne Arbeit zum Stichtag 31. Januar. Auf Bundesebene kletterte die Zahl auf über 4,6 Millionen Erwerbslose.

Ein Trend, dem sich leider auch die Insel anschließt. Auch im Arbeitsamt Stralsund wur-den die Zahlen veröffentlicht : 10.360 Rüganer waren im Januar ohne Beschäftigung. Dies entspricht einer Quote von 26,4 Prozent. Damit befindet sich der Landkreis am bitteren Ende im Vergleich zu den 18 Arbeitsämtern des Landes. Lediglich die Kreise Uecker-Randow, Nordvorpommern und Demmin stehen noch schlechter da (Quote auf Bundesebene : 11,1 Prozent, Quote auf Landesebene : 21,7 Prozent ­p; nach Sachsen-Anhalt die höchste in der Bundesrepublik).

Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt sind angespannter denn je, es gibt nicht genügend Arbeit. Viele Menschen finden voraussichtlich ab März oder April wieder einen Job, wenn in unserem Land die diesjährige Urlaubssaison beginnt, so die Experten des Arbeitsamtes.

Trotzdem haben aber zahlreiche andere Erwerbsfähige Berufe in Branchen, die nach wie vor an den Rahmenbedingungen kranken. Und die werden bekanntlich von der Politik geschaffen ! Auf Bundesebene von der rot-grünen Koalition unter Bundeskanzler Schröder (SPD), auf Landesebene von der rot-roten Koalition unter Premier Ringstorff (SPD) und auf Kreisebene ist auch Landrätin Kerstin Kassner (PDS) im Jahr 2001 in den Wahlkampf gezogen und hat Arbeit für die Rüganer versprochen. 10.360 arbeitslose Rüganer ­p; hinter jedem steht ein Schicksal.

Die Quote stieg im Vergleich zum Dezember 2002 um 2,4 Prozentpunkte, zum Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozentpunkte. Heute sind 1.176 Frauen und Männer mehr arbeitslos gemeldet, als im Januar 2002. Das ist die höchste Arbeitslosigkeit, die es auf Rügen nach der Wende gegeben hat. Unter den 10.360 Arbeitslosen sind auch 1.303 junge Menschen bis 25 Jahre zu finden, wie in den vorliegenden Unterlagen ausgewiesen wird.

Der Schweriner Politik ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, Investoren ins Land zu locken, die vielleicht einige dauerhafte Arbeitsplätze schaffen, gleiches gilt in diesem Zusammenhang für die Insel Rügen. Ansiedlungen dauern extrem lange, ehe sich das Engagement der wenigen Betriebe in Arbeitsplätze umschlägt. Denn nur auf den Tourismus zu setzen, das funktioniert längerfristig nicht.



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