Erneuerung, Ausbau und Tradition im Schaproder Hafen
Der Weg von der großen Zeit der Schaproder Schiffer bis zur
Neubelebung der Seglertradition Rügen im Wandel der Zeiten Teil
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Der Kran der Yachtservice Rügen GmbH und unmittelbar daneben ein
inzwischen privat genutzter Fischkutter. Der Kran soll vom Fischereiteil
des Schaproder Hafens in den neu entstehenden Seglerhafen umgesetzt werden.
Dieser Hafen entsteht dort, wo im Hintergrund ein Bagger arbeitet. |
Von Wolfgang Urban
Schaprode. Bis zum 1. Mai 2003 soll der Kran auf dem Foto rechts in den
neu entstehenden Seglerhafen von Schaprode umgesetzt werden.
11 Jahre mit einem Entwicklungsproblem
Der Zehntonnenkran auf dem Foto nebenan befindet sich seit 1992 im
Schaproder Hafen und gehört zur heutigen Yachtservice-Rügen GmbH.
Er war mit die erste größere Anschaffung dieser GmbH, die 1991
unter dem Namen Rügen-Charter GmbH gegründet wurde. Als sich die
Arbeit der GmbH mehr vom Charter zum reinen Service hin entwickelte,
erfolgte die Namensumbenennung.
In den elf Jahren von 1991 bis 2002 konnte sich die GmbH erfolgreich
entwickeln. Doch im Schaproder Hafen stieß sie dabei immer mehr auf
Grenzen, denn hier fehlte ihr der notwendige Entwicklungsspielraum.
Erst Fährverkehr, dann Fischerei und jetzt der Seglerhafen
Immer wieder gab es im Frühjahr und Herbst Platzprobleme, wenn Boote
gekrant wurden und gleichzeitig Hochbetrieb im Fischumschlag herrschte.
"Vor vier Jahren", so Schaprodes Bürgermeister Rüdiger
Gau, "entstand bei uns der Gedanke, die Situation für Sportboote
in unserem Hafen zu verbessern, weil sie bisher stiefmütterlich
behandelt wurden.
In der Vergangenheit davor stand natürlich an erster Stelle, den
Fährverkehr zur Insel Hiddensee abzusichern. Der Hafenteil, der den
Fährverkehr absichert, wurde 1988/89 rekonstruiert und noch mit
DDR-Geld bezahlt. Zehn Jahre später wurde dieser Hafenteil auf den
modernsten Stand gebracht. Mit einem finanziellen Aufwand von ca. 500.000
DM wurden das ganze Hafengelände neu gepflastert, die
Versorgungsleitungen erneuert und der Hafenweg rekonstruiert.
Bereits 1995/96 wurde der gesamte Fischereiteil des Schaproder Hafens
erneuert. Ebenfalls mit einem finanziellen Aufwand von ca. 500.000
DM." In diesem Fischereiteil des Schaproder Hafens befindet sich zwar
noch immer der bereits erwähnte Kran der "Yachtservice
Rügen GmbH". Aber mit dem Umzug in den neuen
Sportboothafenbereich ist ein erfolgreiches Ende auf dem Weg der Hoffnung
in Sicht. Wenn alles wie geplant verläuft, soll der Sportboothafen am
1. Mai 2003 in Betrieb genommen werden.
Um den Yachtservice-Kran herum wird dann ausreichend Fläche zur
Verfügung stehen, um notwendige Kranarbeiten problemlos
durchzuführen und die Boote aufzurüsten.
Das ist auch gut für die Fischer, denn mit dem Umzug des Krans wird es
im Hafen endlich auch die notwendige räumliche Trennung zwischen
Fischereibetrieb und Yachtservice geben.
Das kommt auch gerade noch rechtzeitig vor der erwarteten Erhöhung des
Fischumschlags im Schaproder Hafen. Diese Erwartung verbindet sich mit dem
Fischwerk in Mukran und der mit ihm vor allem verbundenen Hoffnung auf
eine lohnenswerte Ausdehnung des Heringsfangs.
Die Schaproder Seglertradition und ihre Wiederbelebung
Die Schaproder Fischereihafen-Besonderheit besteht indes darin, dass die
Schaproder selbst keine Tradition als Fischer haben. Ihr Hafen war und ist
vor allem der traditionelle Umschlagplatz für den Fisch der Hiddenseer
Fischer.
In maritimer Hinsicht haben die Schaproder zwar keine Tradition als
Fischer, aber als Segelschiffer auf den Meeren der Welt. Die Spuren dieser
stolzen Segelschifffahrtstradition lassen sich nachweislich bis in das 17.
Jahrhundert zurückverfolgen. In der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts fand die große Schaproder Seglerzeit ein Ende. Der
letzte der einstigen Segelschiffer von Schaprode starb 1915.
Noch 1868 hieß es in einer Beschreibung von Schaprode: "Es ist
ein großes, hauptsächlich von Schiffern bewohntes Dorf, welches
mit seinen freundlichen, reinlichen Häusern ein holländisches
Gepräge hat, wie man es bei anderen norddeutschen Dörfern leider
nur selten antrifft."
Nach der Zeit der Segelschifffahrt lebten die Schaproder hauptsächlich
von der Landwirtschaft.
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| Entgegengesetzte Blickrichtung wie auf dem Foto oben. Hinter dem Kran das
Hafengebäude. Der Hafen verfügt auch über den Vorteil einer
Tankstelle, die im Jahr 2001 fertiggestellt wurde. |
Das gepflasterte Hafengelände mit Imbiß und Hafengebäude
(u.a. mit Fahrkartenschalter für die Schiffsfahrten nach
Hiddensee). Foros (3). Urban |
Dabei spielte bis zur Eröffnung des Rügendammes auch die
Frachtschifffahrt mit landwirtschaftlichen Gütern nach Stralsund noch
eine Rolle. Immer mehr gewann auch der Schiffsverkehr nach Hiddensee und
der Tourismus im Ort an Bedeutung. Die Wiederbelebung der Seglertradition
im Schaproder Hafen vollzog sich seit den 1990-er Jahren und verbindet sich
vor allem mit dem Namen Rüdiger Krüger.
1985 zog der geborene Trenter nach Schaprode, weil seine Frau hier
Gemeindeschwester wurde. Rüdiger Krüger selbst hatte
KfZ-Mechaniker gelernt und war in der KfZ-Branche tätig. Als 1990 die
Firma Dübe aus Fehmarn einen Partner zur Betreuung ihrer Charterflotte
auf Rügen suchte und mit Uwe Leschner aus Poggenhof 1991 die
Rügencharter GmbH gründete, wurde Rüdiger Krüger zur
Betreuung der Boote eingestellt.
Nach Leschners Tod wurde er 1992 geschäftsführender
Gesellschafter der Rügen-Charter GmbH, die 1994 in die
Yachtservice-Rügen GmbH umbenannt wurde. Bereits 1991 war in Poggenhof
eine Servicehalle als Winterlager für die Yachten und zur Abwicklung
des Yachtservice entstanden.
Yachtservice im Hafen und in Poggenhof
Der Service begann mit Motorenservice als Vertragshändler für
Marinepower-Produkte. Hinzu kam ein Yachthandel mit Ausrüstung und
Zubehör. Bald stellte sich heraus, dass vor Ort auch ein Segelmacher
notwendig sein würde. Doch es war schwer auf Rügen, einen
ausgebildeten Segelmacher zu finden.
Nach Übergangslösungen war Rüdiger Krüger richtig froh,
als er in diesem Jahr mit Hannes Mikosch einen ausgebildeten Segelmacher
aus Baabe einstellen konnte. Von Anfang an hat Rüdiger Krüger in
seiner Firma auch Holz- und Metall- und GFK-Arbeiten durchgeführt (GFK
= Glasfaserverstärker Kunststoff, d.h. es geht um Arbeiten an den
Schiffsrümpfen).
Damit hat sich die Yachtservice-Rügen GmbH eigentlich im Verlaufe
ihrer Entwicklung zu einem kleinen Werftbetrieb entwickelt. Als die
Hallenkapazität für diesen Betrieb nicht mehr ausreichte und fast
feststand, dass in Schaprode ein neuer Yachthafen gebaut wird, errichtete
man hoffnungsvoll im Jahr 2002 eine weitere Halle in Poggenhof. Sie ist
eine reine Unterstellhalle für Boote und dient im Sommer als
Verkaufsfläche für Gebrauchtboote.
Fast wäre die rund 200.000 Euro Investition in die neue Halle jedoch
in den Sand gesetzt worden, denn plötzlich kam der geplante Bau des
Seglerhafens in Gefahr. "Der Bau" so Bürgermeister Gau,
"wäre fast an ein paar Steinwerkzeugen, einem Stückchen
Holz, das 5.000 Jahre alt sein soll, und einigen Haselnüssen aus
gleicher Zeit gescheitert." Mehr dazu in Rügen im Wandel der
Zeiten (Teil 76).
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