Akzeptanz der Verbraucher ist wichtig
Kreisbauernverband Rügen: Bauern und Verbraucher sind aufeinander
angewiesen
Von Robby Günther
Bergen auf Rügen.
"Uns ist die Akzeptanz der Verbraucher für
unsere Produkte sehr wichtig", unterstreicht Walter Lonskowski,
Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Rügen, anlässlich eines
unlängst stattgefundenen Pressegesprächs das Ansinnen der
Rügener Landwirte, wenn es wieder einmal um die Preise für
landwirtschaftliche Produkte geht. Seiner Meinung nach sind Bauern und
Verbraucher aufeinander angewiesen, muss jede Seite die Position der
anderen verstehen und akzeptieren.
Nicht nur aus diesem Grund will der Kreisbauernverband in nächster
Zeit mehr mit seinen Themen in die Öffentlichkeit gehen, wie Lothar
Püschel, Geschäftsführer des Verbandes, ergänzend
sagte.
"Die Verbraucher müssen wissen, wie die Landwirte arbeiten, und
die Landwirte müssen die Probleme der Verbraucher kennen, ist für
Lonskowski der Weg klar. Trotz etlicher Probleme, mit denen gerade die
Landwirtschaft zu kämpfen hat, ist "die Situation nicht ganz so
dramatisch", schätzt der Vorsitzende ein.
Dass das Aus der Landwirtschaft besiegelt sei, wenn die Vorschläge von
EU-Kommissar Fischler umgesetzt würden, ist ein derzeit unter den
Bauern heiß diskutiertes Thema, unterstrich der Vorsitzende die
Auswirkungen auf den einzelnen Landwirt und seine Existenz (Der
Rüganer berichtete).
Denn die Vorschläge sehen unter anderem vor, dass die Modulation
(Ausgleichszahlungen für landwirtschaftliche Flächen) gesenkt
werden sollen. Das ist für Deutschland noch in diesem Jahr im
Gespräch, in der EU ab 2006 geplant. Das würde Einkommensverluste
von einem Drittel ausmachen, sind sich die Bauern sicher und damit
Existenzen vernichten.
Damit kamen die anwesenden Vertreter des Verbandes zur eingangs
erwähnten Akzeptanz durch die Verbraucher zurück. "Wenn die
Leute einen Autopreis ohne große Diskussion akzeptieren, aber nicht
bereit sind, die Preise für den Liter Milch zu zahlen, dann ist
grundsätzlich etwas nicht in Ordnung", lautet ihre Meinung. Aber,
die Bauern wollen auch unterstrichen wissen, dass sie nichts für die
Preise im Supermarkt können und keinerlei Möglichkeiten haben,
auf die Rahmenbedingungen einzuwirken. "
Wir müssen den aufgerufenen Abnehmerpreis akzeptieren, oder aber wir
bleiben auf unseren Erzeugnissen sitzen", hieß es dazu von
Landwirt Dr. H. Möller aus Samtens. Den Verkaufspreis bestimmen dann
Großhändler und Supermarktketten. Die Arbeitskräfte in der
Landwirtschaft verdienen seit zehn Jahren das selbe Geld. Lohnsteigerungen
sind aufgrund der niedrigen Erträge gar nicht drin (Jahresverdienst
rund 21.500 Euro brutto), hieß es dazu weiter.
Deshalb müssen beispielsweise neue Produkte entwickelt werden, wollen
sich die auf Rügen befindlichen Betriebe spezialisieren. Um die
Erzeugnisse professioneller zu vermarkten, stellen sich Verbandschef und
Geschäftsführer eine Anlaufstelle auf Rügen vor, wo man
alles kaufen kann. "Wir denken momentan über eine Lösung
nach, haben allerdings noch bei der quantitativen Belieferung unsere
Sorgen", gibt Lothar Püschel zu.
Aber, so der Geschäftsführer weiter, der Kreisbauernverband hat
einen Antrag für ein Projekt im Rahmen des
"Leader+-Programmes" gestellt, mit dem Nachfrage und Bedarf
geklärt und auch gesteuert werden sollen. "Unser Ziel sind
hochwertige Produkte für einen guten Preis", so Walter
Lonskowski, der damit den Mitgliedern des Verbandes aus dem Herzen
spricht.
Aber der Kreisbauernverband will sich auch offen halten für
landwirtschaftliche Betriebe, die nicht Mitglied sind, betont er an dieser
Stelle. Momentan sind sind 155 Einzelpersonen bis zum Familienbetrieb
Mitglieder im Verband. Diese bewirtschaften rund 43.500 Hektar (71,2
Prozent) der landwirtschaftlichen Fläche auf Rügen.
Trotz der teilweise schwierigen Begleiterscheinungen ist der Beruf des
Landwirtes einer mit Zukunft, sagen die Betroffenen und stecken nicht den
Kopf in den Sand. Allerdings ist es nach wie vor schwer, junge Menschen
für eine Ausbildung zu begeistern. Sollten es landesweit derzeit rund
600 Azubis sein, sind es konkret nur 200.
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