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Richtfest über modernster Fischbearbeitung

Produktionsbeginn ist für 2003 avisiert / Investoren optimistisch
150 neue Arbeitsplätze für Rügen


Von Robby Günther

Neu Mukran.
Richtfest über Europas modernster Fischbearbeitung ! Die holländischen Investoren Parlevliet und van der Plas konnten am letzten Donnerstag im Beisein von rund 100 Gästen aus Wirtschaft und Politik sowie den Bauarbeitern dem Richtspruch des verantwortlichen Zimmermanns lauschen. Andächtig wurde die Richtkrone über den Rohbau der ersten Bearbeitungsstufe gehoben, wurde dem Bauwerk eine glückliche Zukunft gewünscht.

Bereits seit Mitte letzten Jahres laufen die Hochbauarbeiten auf der Hafenerweiterungsfläche des Fährhafens Sassnitz unter der Regie der Hafen-, Betriebs- und Entwicklungsgesellschaft (HBEG) der Stadt Sassnitz. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt als Fördermittelgeber das Vorhaben in einer Größenordnung von rund 46,5 Millionen Euro.

Die Richtkrone schwebt über der ersten Bearbeitungsstufe, wie das neue Fischwerk im FHS auch offiziell in den Unterlagen genannt wird.

Foto : Günther

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 74 Millionen Euro. Die Produktion soll im kommenden Jahr mit der Heringssaison beginnen. Etwa 150 neue Arbeitsplätze entstehen mit der Inbetriebnahme des Werkes, in dem im ersten Geschäftsjahr rund 26.500 Tonnen Fisch filetiert werden sollen. Davon sollen allein die Fischer Mecklenburg-Vorpommerns rund 15.000 Tonnen Hering anliefern.

Kapazitätssteigerungen sind im zweiten Jahr auf 35.500 Tonnen (davon 20.000 Tonnen Hering) und im dritten Jahr auf 44.000 Tonnen (davon 25.000 Tonnen) geplant, wie während eines Pressegespräches am Rande des Richtfestes mit Agrarminister Backhaus (SPD) und den holländischen Investoren deutlich wurde.

Die deutsche Quote für den Heringsfang in der Ostsee beträgt in diesem Jahr 34.000 Tonnen. Nachdem die Quote des letzten Jahres (rund 51.000 Tonnen) nicht abgefangen wurde, hat die EU die Quoten gesenkt. Mit Blick auf die angedachten Verarbeitungsmengen hofft man im Schweriner Landwirtschaftsministerium, dass die Quoten wieder steigen werden.

Minister Backhaus verband mit seinem Besuch beim Richtfest auch die Hoffnung, dass die Fischer aus M-V eine hohe Quote abfischen werden und auch in ihre Flotte für den Heringsfang investieren.
"Wir haben als Landesregierung die Grundlagen geschaffen, dass interessierte Fischer für die Modernisierung schnell und unbürokratisch Fördermittel erhalten, wenn die entsprechenden Förderanträge vollständig vorliegen", sagte Backhaus.

Differenzen zwischen der Verarbeitungsmenge und den Fängen der hiesigen Fischer wollen die Holländer mit Zukäufen aus Dänemark, Schleswig-Holstein und Litauen abdecken.

Um den einheimischen Fischern bessere Bedingungen für den Fang bieten zu können, wird es diesen ab Februar 2003 erlaubt sein, in bestimmten Gebieten in der bis dato für den Fischfang tabu gewesenen Drei-Seemeilen-Zone fangen zu dürfen, wie es weiter hieß.

Allerdings nur bis zum Sommer, da es sich vorerst um einen Versuch handeln soll, der auch bis Herbst verlängert werden könnte. Das gleiche Vorgehen gilt für das Jahr 2004, so ein Referent des Landwirtschaftministeriums.

Mit diesen Maßnahmen und der dann erfolgten Fertigstellung der ersten Bearbeitungsstufe strebt die Landesregierung eine "Aktivierung der Heringsfischereiforschung" an. "Unser gemeinsames Ziel muss sein, dass das Fischbearbeitungszentrum seine Kapazitäten ausschöpfen kann und sich Sassnitz als Fischkompetenzzentrum an der Ostseeküste entwickelt", so Backhaus.

Dieses besteht neben dem neuen Fischwerk auf der Hafenerweiterungsfläche auch aus dem Unternehmen "Neue Rügenfisch" GmbH im Stadthafen. Das Unternehmen plane dieses Jahr weitere Investitionen, die die Schaffung von zusätzlichen 50 bis 60 Arbeitsplätzen mit sich bringen werde, ergänzte der Minister.

Das FBZ besteht nach Fertigstellung aus zwei Gebäudekomplexen. Einerseits aus der Verarbeitungsanlage und andererseits einem Kühlhaus. In dem rund 14.000 Quadratmeter großen Gebäude der Verarbeitung werden die frisch angelandeten Fänge sortiert und filetiert, gefrostet oder für das Garbad vorbereitet. In einer Schockfrostanlage wird der verarbeitete Fisch, aber auch unbearbeiteter Fisch, für die Zwischenlagerung im Kühlhaus fertig gemacht.

Das knapp 7.000 Quadratmeter große Kühlhaus mit einer Länge von 115 Metern und einer Breite von 62 Metern kann rund 22.000 Tonnen Fisch fassen. Es herrschen in der Anlage minus 28 Grad Celsius.

Rügens Landrätin Kerstin Kassner (PDS) überbrachte den Investoren und Bau ausführenden Betrieben ihren Gruß und Glückwunsch zum Richtfest. Gleichzeitig räumte sie allerdings auch ein, dass "der Part des Landkreises nicht an jeder Stelle glücklich gewesen ist".

Den Tag des Richtfestes bezeichnete sie als "Symbol für die Weiterentwicklung des Standortes".
Auch Dieter Holtz (PDS), Bürgermeister der Stadt Sassnitz, zeigte sich am zurückliegenden Donnerstag zuversichtlich und glücklich über den Fortschritt der Bauarbeiten.

"Wir haben neben vielen Aufgaben im Zuge des Vorhabens auch den positiven Spagat mit der Nachbargemeinde Binz geschafft", brachte er seine Zufriedenheit mit einem der wohl größten "Probleme" im Laufe des Genehmigungsverfahrens zum Ausdruck.

Alle Anwesenden freuen sich bereits heute auf den Tag der Eröffnung, wie es hieß . . .


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