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Von Robby Günther
Neu Mukran.
Richtfest über Europas modernster Fischbearbeitung ! Die
holländischen Investoren Parlevliet und van der Plas konnten am
letzten Donnerstag im Beisein von rund 100 Gästen aus Wirtschaft und
Politik sowie den Bauarbeitern dem Richtspruch des verantwortlichen
Zimmermanns lauschen. Andächtig wurde die Richtkrone über den
Rohbau der ersten Bearbeitungsstufe gehoben, wurde dem Bauwerk eine
glückliche Zukunft gewünscht.
Bereits seit Mitte letzten Jahres laufen die Hochbauarbeiten auf der
Hafenerweiterungsfläche des Fährhafens Sassnitz unter der Regie
der Hafen-, Betriebs- und Entwicklungsgesellschaft (HBEG) der Stadt
Sassnitz. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt als
Fördermittelgeber das Vorhaben in einer Größenordnung von
rund 46,5 Millionen Euro.
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Die Richtkrone schwebt über der ersten Bearbeitungsstufe, wie das neue
Fischwerk im FHS auch offiziell in den Unterlagen genannt wird.
Foto :
Günther
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Die Gesamtkosten belaufen sich auf 74 Millionen Euro. Die Produktion soll
im kommenden Jahr mit der Heringssaison beginnen. Etwa 150 neue
Arbeitsplätze entstehen mit der Inbetriebnahme des Werkes, in dem im
ersten Geschäftsjahr rund 26.500 Tonnen Fisch filetiert werden sollen.
Davon sollen allein die Fischer Mecklenburg-Vorpommerns rund 15.000 Tonnen
Hering anliefern.
Kapazitätssteigerungen sind im zweiten Jahr auf 35.500 Tonnen (davon
20.000 Tonnen Hering) und im dritten Jahr auf 44.000 Tonnen (davon 25.000
Tonnen) geplant, wie während eines Pressegespräches am Rande des
Richtfestes mit Agrarminister Backhaus (SPD) und den holländischen
Investoren deutlich wurde.
Die deutsche Quote für den Heringsfang in der Ostsee beträgt in
diesem Jahr 34.000 Tonnen. Nachdem die Quote des letzten Jahres (rund
51.000 Tonnen) nicht abgefangen wurde, hat die EU die Quoten gesenkt. Mit
Blick auf die angedachten Verarbeitungsmengen hofft man im Schweriner
Landwirtschaftsministerium, dass die Quoten wieder steigen werden.
Minister Backhaus verband mit seinem Besuch beim Richtfest auch die
Hoffnung, dass die Fischer aus M-V eine hohe Quote abfischen werden und
auch in ihre Flotte für den Heringsfang investieren.
"Wir haben als Landesregierung die Grundlagen geschaffen, dass
interessierte Fischer für die Modernisierung schnell und
unbürokratisch Fördermittel erhalten, wenn die entsprechenden
Förderanträge vollständig vorliegen", sagte Backhaus.
Differenzen zwischen der Verarbeitungsmenge und den Fängen der
hiesigen Fischer wollen die Holländer mit Zukäufen aus
Dänemark, Schleswig-Holstein und Litauen abdecken.
Um den einheimischen Fischern bessere Bedingungen für den Fang bieten
zu können, wird es diesen ab Februar 2003 erlaubt sein, in bestimmten
Gebieten in der bis dato für den Fischfang tabu gewesenen
Drei-Seemeilen-Zone fangen zu dürfen, wie es weiter hieß.
Allerdings nur bis zum Sommer, da es sich vorerst um einen Versuch handeln
soll, der auch bis Herbst verlängert werden könnte. Das gleiche
Vorgehen gilt für das Jahr 2004, so ein Referent des
Landwirtschaftministeriums.
Mit diesen Maßnahmen und der dann erfolgten Fertigstellung der
ersten Bearbeitungsstufe strebt die Landesregierung eine "Aktivierung
der Heringsfischereiforschung" an. "Unser gemeinsames Ziel muss
sein, dass das Fischbearbeitungszentrum seine Kapazitäten
ausschöpfen kann und sich Sassnitz als Fischkompetenzzentrum an der
Ostseeküste entwickelt", so Backhaus.
Dieses besteht neben dem neuen Fischwerk auf der
Hafenerweiterungsfläche auch aus dem Unternehmen "Neue
Rügenfisch" GmbH im Stadthafen. Das Unternehmen plane dieses Jahr
weitere Investitionen, die die Schaffung von zusätzlichen 50 bis 60
Arbeitsplätzen mit sich bringen werde, ergänzte der Minister.
Das FBZ besteht nach Fertigstellung aus zwei Gebäudekomplexen.
Einerseits aus der Verarbeitungsanlage und andererseits einem
Kühlhaus. In dem rund 14.000 Quadratmeter großen Gebäude
der Verarbeitung werden die frisch angelandeten Fänge sortiert und
filetiert, gefrostet oder für das Garbad vorbereitet. In einer
Schockfrostanlage wird der verarbeitete Fisch, aber auch unbearbeiteter
Fisch, für die Zwischenlagerung im Kühlhaus fertig gemacht.
Das knapp 7.000 Quadratmeter große Kühlhaus mit einer Länge
von 115 Metern und einer Breite von 62 Metern kann rund 22.000 Tonnen Fisch
fassen. Es herrschen in der Anlage minus 28 Grad Celsius.
Rügens Landrätin Kerstin Kassner (PDS) überbrachte den
Investoren und Bau ausführenden Betrieben ihren Gruß und
Glückwunsch zum Richtfest. Gleichzeitig räumte sie allerdings
auch ein, dass "der Part des Landkreises nicht an jeder Stelle
glücklich gewesen ist".
Den Tag des Richtfestes bezeichnete sie als "Symbol für die
Weiterentwicklung des Standortes".
Auch Dieter Holtz (PDS), Bürgermeister der Stadt Sassnitz, zeigte sich
am zurückliegenden Donnerstag zuversichtlich und glücklich
über den Fortschritt der Bauarbeiten.
"Wir haben neben vielen Aufgaben im Zuge des Vorhabens auch den
positiven Spagat mit der Nachbargemeinde Binz geschafft", brachte er
seine Zufriedenheit mit einem der wohl größten
"Probleme" im Laufe des Genehmigungsverfahrens zum Ausdruck.
Alle Anwesenden freuen sich bereits heute auf den Tag der Eröffnung,
wie es hieß . . .
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