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13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 23. Januar - 29. Januar 2001 unabhängig - überparteilich

Nationalparkzentrum am Königsstuhl

Wirtschaftsminister überreichte Zuwendungsbescheid in Höhe von rund 3,4 Mio Euro
Baubeginn im April


Von Wolfgang Urban

Sassnitz.
Manchmal sagen Schnappschuss-Bilder von Politikern mehr, als das, was sie öffentlich verkünden. Gehört auch das Bild mit dem so nachdenklich wirkenden Wirtschaftsminister Dr. Otto Ebnet oben links dazu? Es entstand noch bevor er mit einem Lächeln am 18. Januar dem Sassnitzer Bürgermeister Dieter Holtz einen Zuwendungsbescheid von rund 3,4 Millionen Euro für das geplante Besucherzentrum im Nationalpark Jasmund überreichte.

Auf dem Foto betrachtet der Minister das, was auf Abbildungen, die an der Wand befestigt wurden, dargestellt wird. Dabei hört er den Erläuterungen von Projektleiter Carsten Hertwig zu. Kurz darauf beginnt der Minister - noch nachdenklich - auf Erfahrungen andernorts zu verweisen, Skeptisch scheint er damit vor geäußerten Vorstellungen zur Besucherlenkung in Richtung Nationalparkhaus warnen zu wollen.

Wirtschaftsminister Ebnet (links) beim Blick auf Abbildungen vom geplanten Nationalparkzentrum. Später sagte er: "Wenn die Einnahmen höher sind als die Kosten wäre das erfreulich." Das geplante Besucherzentrum am Königsstuhl ist ein gemeinsames Projekt der Umweltstiftung WWF und der Stadt Sassnitz. Es soll im Jahr 2003 fertiggestellt werden. Fotos (2): Urban

Doch zu viele, u.a. auch Medienvertreter, stehen wohl ringsherum, um Klartext zu reden. Außerdem soll an diesem Tag vor allem die Förderbotschaft für das Nationalparkhaus möglichst freundlich und medienwirksam in Szene gesetzt werden. Als es dann soweit ist und der Förderbescheid überreicht wird, lächeln der Minister und der Sassnitzer Bürgermeister vereint in die Kameras von Presse und Fernsehen.

Die anfangs geschilderte Szene verdeutlicht indes, dass sich so manches von dem, was dem Bau des Nationalparkhauses folgen soll, noch in der Diskussion befindet. Auf entsprechende Nachfragen während des offiziellen Gesprächs mit Medienvertretern verdeutlichte Bürgermeister Dieter Holtz dann auch, dass über das Verkehrskonzept noch weiter nachgedacht werden muss.

Joachim Gottschalck, Geschäftsführer der Stubnitzhaus gGmbH, die das Nationalparkhaus betreiben soll, sprach in diesem Zusammenhang davon, dass man an einem Verkehrskonzept arbeitet. Schließlich geht man davon aus, dass ein äußerst attraktives Nationalparkzentrum entsteht, das zum Besuchermagneten werden soll. Von jährlich rund einer Million Besuchern wird gegenwärtig im Nationalpark Jasmund ausgegangen, davon laut Gottschalck "rund 500.000 zahlende Besucher am Königsstuhl".

Ob die rund 500.000 zahlenden Besucher auch bereit sein werden, die für das Nationalparkzentrum angedachten Eintrittspreise zu bezahlen, ist fraglich. Gottschalck nannte während des Medientermins für die künftigen Eintrittspreise eine Preisspanne von 8 bis 18 Mark. Damit blieb er zwar noch der alten Mark-Währung treu, aber die DM-Höhe kündet davon, dass nicht nur ein neues Haus am Königsstuhl entsteht, sondern mit ihm auch ein neuer Preis.

Allerdings versuchten Gesprächspartner von Stadtverwaltung und WWF später Gottschalcks Äußerungen zu relativieren. Auf gestaffelte Preise wurde dabei ebenso verwiesen wie auf die Notwendigkeit, dass der Königsstuhl nicht zu einem kostspieligen Ausflugsziel wird, auf das so manch eine Familie aus Kostengründen verzichten muss oder dies einfach tun wird.

Aber irgendwo muss das Geld zum Betreiben des Nationalparkzentrum herkommen. Zwar wird seine Entstehung nicht nur vom Wirtschaftsministerium finanziell gefördert, aber danach soll das Zentrum auf eigenen ökonomischen Beinen stehen. 20 bis 25 Arbeitskräfte sollen zum Betrieb des modernen Besucherzentrums mit Multivisionsshow und interaktiver Ausstellung eingestellt werden, verkündete Gottschalck als Geschäftsführer der Stubnitzhaus Sassnitz gGmbH.

Dabei soll gezeigt werden, "dass es möglich ist, ein solches Zentrum wirtschaftlich zu betreiben und auch einen kleinen Überschuss zu produzieren, der dann wieder in das Haus gesteckt werden kann." Diese Worte von Gottschalck hört jeder Fördergeldgeber gerne, denn keiner möchte Folgekosten durch unrentable Projekte. Ob Gottschalcks Worte indes zur Wirklichkeit werden oder nur eine blauäugige Zielvorstellung sind, mit der man am besten Fördermittel locker machen kann, bleibt abzuwarten.

Was mag der manchmal sehr nachdenklich wirkende Wirtschaftsminister Ebnet bei Gottschalcks Worten gedacht haben? Gesagt hat er: "Wenn die Einnahmen höher sind als die Kosten wäre das erfreulich."


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