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Von Wolfgang Urban
Sassnitz.
Manchmal sagen Schnappschuss-Bilder von Politikern mehr, als das,
was sie öffentlich verkünden. Gehört auch das Bild mit dem
so nachdenklich wirkenden Wirtschaftsminister Dr. Otto Ebnet oben links
dazu? Es entstand noch bevor er mit einem Lächeln am 18. Januar dem
Sassnitzer Bürgermeister Dieter Holtz einen Zuwendungsbescheid von
rund 3,4 Millionen Euro für das geplante Besucherzentrum im
Nationalpark Jasmund überreichte.
Auf dem Foto betrachtet der Minister das, was auf Abbildungen, die an der
Wand befestigt wurden, dargestellt wird. Dabei hört er den
Erläuterungen von Projektleiter Carsten Hertwig zu. Kurz darauf
beginnt der Minister - noch nachdenklich - auf Erfahrungen andernorts zu
verweisen, Skeptisch scheint er damit vor geäußerten
Vorstellungen zur Besucherlenkung in Richtung Nationalparkhaus warnen zu
wollen.
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Wirtschaftsminister Ebnet (links) beim Blick auf Abbildungen vom geplanten
Nationalparkzentrum. Später sagte er: "Wenn die Einnahmen
höher sind als die Kosten wäre das erfreulich."
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Das geplante Besucherzentrum am Königsstuhl ist ein gemeinsames
Projekt der Umweltstiftung WWF und der Stadt Sassnitz. Es soll im Jahr 2003
fertiggestellt werden. Fotos (2): Urban
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Doch zu viele, u.a. auch Medienvertreter, stehen wohl ringsherum, um
Klartext zu reden. Außerdem soll an diesem Tag vor allem die
Förderbotschaft für das Nationalparkhaus möglichst
freundlich und medienwirksam in Szene gesetzt werden. Als es dann soweit
ist und der Förderbescheid überreicht wird, lächeln der
Minister und der Sassnitzer Bürgermeister vereint in die Kameras von
Presse und Fernsehen.
Die anfangs geschilderte Szene verdeutlicht indes, dass sich so manches von
dem, was dem Bau des Nationalparkhauses folgen soll, noch in der Diskussion
befindet. Auf entsprechende Nachfragen während des offiziellen
Gesprächs mit Medienvertretern verdeutlichte Bürgermeister Dieter
Holtz dann auch, dass über das Verkehrskonzept noch weiter nachgedacht
werden muss.
Joachim Gottschalck, Geschäftsführer der Stubnitzhaus gGmbH, die
das Nationalparkhaus betreiben soll, sprach in diesem Zusammenhang davon,
dass man an einem Verkehrskonzept arbeitet. Schließlich geht man
davon aus, dass ein äußerst attraktives Nationalparkzentrum
entsteht, das zum Besuchermagneten werden soll. Von jährlich rund
einer Million Besuchern wird gegenwärtig im Nationalpark Jasmund
ausgegangen, davon laut Gottschalck "rund 500.000 zahlende Besucher am
Königsstuhl".
Ob die rund 500.000 zahlenden Besucher auch bereit sein werden, die
für das Nationalparkzentrum angedachten Eintrittspreise zu bezahlen,
ist fraglich. Gottschalck nannte während des Medientermins für
die künftigen Eintrittspreise eine Preisspanne von 8 bis 18 Mark.
Damit blieb er zwar noch der alten Mark-Währung treu, aber die
DM-Höhe kündet davon, dass nicht nur ein neues Haus am
Königsstuhl entsteht, sondern mit ihm auch ein neuer Preis.
Allerdings versuchten Gesprächspartner von Stadtverwaltung und WWF
später Gottschalcks Äußerungen zu relativieren. Auf
gestaffelte Preise wurde dabei ebenso verwiesen wie auf die Notwendigkeit,
dass der Königsstuhl nicht zu einem kostspieligen Ausflugsziel wird,
auf das so manch eine Familie aus Kostengründen verzichten muss oder
dies einfach tun wird.
Aber irgendwo muss das Geld zum Betreiben des Nationalparkzentrum
herkommen. Zwar wird seine Entstehung nicht nur vom Wirtschaftsministerium
finanziell gefördert, aber danach soll das Zentrum auf eigenen
ökonomischen Beinen stehen. 20 bis 25 Arbeitskräfte sollen zum
Betrieb des modernen Besucherzentrums mit Multivisionsshow und interaktiver
Ausstellung eingestellt werden, verkündete Gottschalck als
Geschäftsführer der Stubnitzhaus Sassnitz gGmbH.
Dabei soll gezeigt werden, "dass es möglich ist, ein solches
Zentrum wirtschaftlich zu betreiben und auch einen kleinen Überschuss
zu produzieren, der dann wieder in das Haus gesteckt werden kann."
Diese Worte von Gottschalck hört jeder Fördergeldgeber gerne,
denn keiner möchte Folgekosten durch unrentable Projekte. Ob
Gottschalcks Worte indes zur Wirklichkeit werden oder nur eine
blauäugige Zielvorstellung sind, mit der man am besten
Fördermittel locker machen kann, bleibt abzuwarten.
Was mag der manchmal sehr nachdenklich wirkende Wirtschaftsminister Ebnet
bei Gottschalcks Worten gedacht haben? Gesagt hat er: "Wenn die
Einnahmen höher sind als die Kosten wäre das
erfreulich."
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