D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

15. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 23. Juni - 29. Juni 2004 unabhängig - überparteilich

Nachruf für einen großen Bootsbauer

Rügen trauert um Wolfgang Lenz / Im Gedenken von Knut Schäfer

Lauterbach. "Am Sonntag, dem 13.06.2004, wurde nachmittags auf polnischem Territorium eine männliche Leiche aufgefunden. Hierbei könnte es sich um den vermissten Werftbesitzer aus Lauterbach handeln. Auf Anforderung der polnischen Polizei fuhren gestern Beamte der Kriminalpolizeiinspektion Stralsund zu der örtlich zuständigen Dienststelle. Ziel war und ist eine enge Zusammenarbeit und Unterstützung der dortigen Behörden", so die nüchterne Mitteilung der Polizei.

Landrätin Kerstin Kassner besuchte im Oktober 2002 die Lauterbacher Bootswerft. Hier bei einem Rundgang
mit Wolfgang Lenz † .
Zeilen, die die Menschen im Umfeld des auf grausame Weise aus dem Leben gerissenen Wolfgang Lenz mit Fassungslosigkeit und Trauer erfüllen. Nicht nur persönliche Freunde und Einwohner der Orte Lauterbach und Putbus teilen in den letzten Tagen die tiefe Trauer der Familie Lenz, auch anderen Ortes, ob nun auf Rügen oder außerhalb der Inselgrenzen, nimmt man Anteil. In Absprache mit der Familie Lenz sind diese Zeilen dem Ehemann, Vater und Großvater Wolfgang Lenz gewidmet, dem es leider nicht mehr vergönnt ist, seinen verdienten Ruhestand im Kreise der Familie zu genießen. Dennoch bleibt er in den Herzen seiner Lieben auf alle Zeit gegenwärtig.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit dem Bootsbauer aus Lauterbach. Ende der 90er-Jahre zog es mich als Jungredakteur in die Bootswerft von Wolfgang Lenz. Als Segelinteressierter ging es mir vor allem um das Aushängeschild des Unternehmens, den Motorsegler "Vilm", der seit 1967 in Lauterbach vom Stapel läuft und der kleinen Werft am Greifswalder Bodden unter Kennern zu Weltruhm verhalf. Beim Betreten seines Büros muss Wolfgang Lenz wohl das Funkeln in meinen Augen angesichts der wunderschönen und liebvoll gestalteten Büromöbel aufgefallen sein. "Ja wir bauen nicht nur Schiffe. Auch diese Möbel werden von uns gefertigt. Und siehst Du? Nicht eine Ecke oder Kante. Die Möbel haben zwar ihren Preis, dafür sind es Unikate aus Mahagoni", so die Worte des Werfteigners. Ja, diese spürbar vollendete Schönheit der Produkte der kleinen leistungsfähigen Werft wurde und wird vielerorts geschätzt. Auf die Frage ob ich denn ein Foto von ihm machen könne, antwortete Wolfgang Lenz freundlich aber bestimmt: "Fotografiere lieber unsere Schiffe, die sind wichtiger !"

Der Motorsegler Vilm - Qualität "Made in Rügen". Fotos: ks
Ja, seine Schiffe. Neben seiner Familie wohl seine zweite große Liebe, die ihn sein Leben lang nicht los ließ. Angefangen hat alles vor fast 40 Jahren mit der Idee zum Bau eines Motorseglers. Im Jahre 1967 kam es dann zum Stapellauf der Baunummer 1. Gerade fertiggestellt, wurde der künftige Exportschlager der DDR sofort zur Bootsshow nach London verfrachtet, wo sie für reichlich Begeisterung sorgte und ihren nunmehr fast vierzig Jahre andauernden Siegeszug begann. Übrigens, sticht die erste Vilm heute immer noch von ihrem belgischen Heimathafen aus in See. Ein Beweis für die hohe Qualität der Verarbeitung. Qualität für die der Name Lenz steht, denn Wolfgang Lenz bereiste persönlich den gesamten Ostseeraum auf der Suche nach hochwertigen Hölzern und anderen Zulieferprodukten, die zur Vollendung eines jeden Motorseglers dienten. Seine letzte schicksalhafte Reise führte ihn im Juni nach Polen.

Das handwerkliche Geschick von Wolfgang Lenz und seinen Mitarbeitern lebt jedoch nicht nur in den nahezu 250 Motorseglern weiter. Jedes Jahr zur gleichen Zeit wenn Klaus Störtebeker und seine Mannen den Kampf gegen das Böse aufnehmen und für mehr Gerechtigkeit auf Nord- und Ostsee kämpfen, tun sie dies auf historisch nachgebauten Koggen der Lauterbacher Bootswerft. Der Höhepunkt war sicherlich die für die letzte Festspielsaison gebaute spanische Karavelle.

Die Insel trauert um Wolfgang Lenz, einen Großen des Bootsbauhandwerks. Ein Mensch, der sich durch Charaktereigenschaften wie Zielstrebigkeit, Ausdauer, Bodenständigkeit, gepaart mit dem ab und an so inseltypischen (heute leider viel zu selten gewordenen) Dickkopf auszeichnete. Gemeinsam steuerte er mit seinen Mitarbeitern ein Unternehmen erfolgreich durch die Untiefen der Marktwirtschaft. Ihm ist es zu verdanken, dass ein Stück Rügener Handwerkskunst auf den Weltmeeren unterwegs ist, ob nun in Nordschweden oder in den Gewässern vor Namibia, Wolfgang Lenz lebt auch in seinen Schiffen weiter.

Diese Aufnahme entstand im Jahr 1967 kurz vor dem Transport des Motorseglers vom Typ "Vilm" zur Bootsshow nach London. Foto : (p)


Hauptstraße wurde übergeben

Umfangreiche Rekonstruktion für 1,25 Millionen Euro abgeschlossen

Ostseebad Sellin (gü). Schnipp-schnapp und das Band war durchschnitten ! Bürgermeister Reinhard Liedtke (SWG) sowie Vertreter des ausführenden Bauunternehmens BBG Rügen Tiefbau GmbH, übergaben am letzten Donnerstag im Beisein von zahlreichen Anwohnern den ersten Bauabschnitt der rekonstruierten Hauptstraße. In das Objekt wurden in den letzten neun Monaten insgesamt 1,25 Millionen Euro investiert.

Durchschnitten das obligatorische Band : Bürgermeister Reinhard Liedtke (SWG, li.) sowie Vertreter der verantwortlichen Baufirma BBG Rügen Tiefbau GmbH. Foto : Günther
Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsinvestition des Zweckverbandes Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) sowie der Gemeinde Sellin. Erstgenannter Zweckverband investierte 500.000 Euro in die Verlegung neuer Leitungen, 750.000 Euro wurden in den Straßenbau investiert, der über die sog. Städtebauförderung durch die Deutsche BauBeCon als Sanierungsträger realisiert werden konnte, wie Bürgermeister Liedtke in diesem Zusammenhang informierte. Der erste Bauabschnitt der Komplettmaßnahme Hauptstraße - Granitzer Straße und Ostbahnstraße umfasst rund 660 Meter. Die ursprüngliche Breite wurde von einst 7,50 auf jetzt 5,50 Meter verengt. Ab sofort gilt in der Hauptstraße Tempo 30 und die Rechts-vor-Links-Regelung. Eine Umstellung für alle Autofahrer, wie es während der Übergabe hieß. Neben der Straße wurden ebenfalls die Gehsteige erneuert, hier werden in den kommenden Tagen noch Restarbeiten zu erledigen sein, so der Bürgermeister ergänzend. Zusätzlich wurden neue Straßenlaternen installiert und 50 neue Linden angepflanzt, die alten mussten im Zuge der Maßnahme entfernt werden.



FDP Rügen zum Wahlergebnis

Insel-Liberale sehen sich jetzt als "dritte Kraft" im Landkreis

Bergen auf Rügen (DR). Mit 11,7 Prozent und sechs Mandaten im Kreistag haben die Insel-Liberalen nicht nur den erhofften Zuwachs prozentual und mandatsmäßig erzielt, sondern sind auch noch zur drittstärksten Partei vor den Sozialdemokraten aufgestiegen. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung entstanden, um die gesteckten politischen Ziele in den nächsten fünf Jahren und darüber hinaus entscheidend beeinflussen zu können. Dies geht aus einer Mitteilung von FDP-Kreischef Weber hervor.

An erster Stelle steht dabei nach wie vor der Erhalt der Eigenständigkeit des Kreises Rügen. Mit über 92 Prozent Zustimmung der Bürger im Bürgerentscheid zum Erhalt der Eigenständigkeit müssen nun in erster Linie kreisinterne Voraussetzungen geschaffen werden um dieses Ziel gegen die rot-rote Landesregierung zu erreichen. Dazu bedarf es keiner neuer Arbeitsgruppen wie es die Landrätin anstrebt, sondern vornehmlich einer konsequenten Finanz- und Personalpolitik, heißt es dort weiterhin.

In 20 der nunmehr 42 Inselkommunen ist die FDP mit insgesamt 50 Gemeinde- bzw. Stadtvertretern präsent. Erfreulich hier ein Mandatszuwachs in Putbus, Binz, Putgarten, Wiek und Dranske, der Einzug in die Stadtvertretung Bergen und der erstmalige Einzug in die Gemeindevertretung Altenkirchen überhaupt. Olaf Braumann in Dreschvitz, Burkhard Bartel in Thesenvitz, Andre Wittkamp in Rappin und Christian Thiede in Rambin sind die Bürgermeister der FDP. Bei der Europawahl stimmten 1345 Bürgerrinnen und Bürger aus dem Kreis für die FDP, das sind erstmals 5 %. Die Insel-FDP sieht sich gut gerüstet für die Aufgaben der nächsten fünf Jahre, so Weber abschließend.





Ein Blick in die Zukunft

Wirtschafts- und Kulturverein Binz e.V. führte Themenabend durch

Ostseebad Binz (DR / gü). Inhaltlich spannend stellte sich der letzte Themenabend des Wirtschafts- und Kulturvereins Binz e. V. vor der Kommunalwahl dar. Es ging unter dem Motto "120 Jahre Badebetrieb in Binz" um einen Blick in die Vergangenheit und Visionen für die Zukunft. Rund 40 interessierte Vereinsmitglieder und Binzer Bürger fanden sich ein, um den Ausführungen der Referenten an diesem Abend zu lauschen, wie Pressesprecher Ulf Dohrmann jetzt gegenüber dem Rüganer informierte.

Hotelier Arne Kurowski (im Hintergrund) erläuterte den interessierten Gästen während des Themenabends sein Projekt. Foto : (gü)
Nachdem Vereinsvorsitzender Oliver Waechter die Anwesenden begrüßt hatte, entführte kein anderer als Prof. Karl Ewald Tietz die Gäste in das Binz vor einhundert Jahren. Das Badeleben unserer Vorfahren war strengstens reglementiert, anders als heute. Mit Blick auf die unlängst geführte Debatte im Zusammenhang mit der neuen Bade- und Strandordnung herrschte damals die berühmte "Zucht und Ordnung". Bürgermeister Horst Schaumann (parteilos) eröffnete den anschließenden Referentenreigen. Der Bürgermeister informierte über die Pläne der Kommune, perspektivisch einen Yachthafen im größten Rügener Seebad zu etablieren. Das Ansinnen wird in der Gemeinde auf der Agenda der Projekte ganz oben geführt, so Ulf Dohrmann dazu.

Thomas Nießen vom Büro Nordprojekt erläuterte den aktuellen Stand der Ideen zur Ansiedlung eines Golfplatzes auf dem Gebiet der Gemeinde. Dazu hatte es bereits einige Vorstellungen innerhalb der Gemeindevertretung und ihrer Ausschüsse vor der Wahl gegeben. Auf der letzten Sitzung des Rates wurde ein entsprechender Grundsatzbeschluss gefasst, so dass Planungen und auch Investorensuche zielstrebig weiter geführt werden können. Letzter Referent der Runde war der Hotelier Arne Kurowski, der sein von der Gemeinde favorisiertes Projekt auf dem Gelände ehemals MZO darstellte. Hier soll eine Multifunktionshalle für verschiedene Sportarten sowie ein Hotel mit öffentlichem Wellnessbereich entstehen.





Mehr als 15.000 Gäste

Stimmung auf dem 8. Stralsunder Brauerei-Hoffest am 11. und 12. Juni

Stralsund (DR). DZum achten Mal infolge lud die Stralsunder Brauerei unzählige Gäste auf ihr Hofgelände, um das alljährliche Brauerei-Hoffest zu feiern. Schon Ende März waren die Tickets für den Freitag Abend ausverkauft. Grund für die Histerie war das Kommen der Ärzte und der Sportfreunde Stiller. Doch bevor sie auf die Bühne kamen, dauerte es noch eine Zeit. Um 19 Uhr schlug dann die Stunde von EL*KE. Die Newcomer aus dem Berliner Stadtteil Kreuzberg präsentierten schöne handgemachte Rockmusik mit deutschsprachigen Texten. Kurz nach 20 Uhr kamen dann die Sportfreunde Stiller auf die Bühne.

Am 11. und 12 Juni war Big-Party auf dem Gelände der Stralsunde Brauerei. Foto: Ronny Witt
1996 wurden Florian Weber, Rüdiger Linhof und Peter S. Brugger in einem Jugendzentrum entdeckt. Ein Jahr später gründeten sie ihre Band und brachten zwei Singles auf den Markt. Am 11. Juni präsentierten sie neben bekannten Songs auch neue vom aktuellen Album "Burli", welches erst in diesem Jahr auf den Markt kam. Als dann der angebrachte Vorhang viel, waren die Jubelschreie der Fans ohrenbetäubend. Die Ärzte, seit 1982 im Geschäft, zeigten eine perfekte Bühneshow. Fast jeder auf dem Hof konnte die Texte mitsingen und tat es auch aus Leibeskräften. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte der Auftritt von "Bela B.", "Farin Urlaub" und "Sahnie" an. Ebenfalls über 15.000 Gäste sind am Samstag auf das Gelände der Stralsunder Brauerei gekommen. Sie alle erlebten einen tollen Partyabend mit Lax Alex Contax, die zum dritten Mal in Stralsund zu Gast waren, mit Albatross, der Top 40 Cover Band, die beim Hoffest seit Jahren nicht fehlen dürfen, mit Otto und den Friesenjungs, die schon im vergangenen Jahr begeisterten und mit dem "König von Mallorca, Jürgen Drews. Albatross freuen sich jedes Jahr wie "kleine Kinder" auf dieses Event und haben genauso wie Otto ihr Kommen im nächsten Jahr schon einmal fest versprochen. Auch Jürgen Drews äußerte gegenüber dem RÜGANER, dass er gern wieder an den Sund zurückkommen würde. "Die Leute hier sind einfach super. Das muss an der guten Luft liegen", so Drews.


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