|
Von Thomas Wuitschik
Rügen.
Das Landgericht Stralsund hatte in der vergangenen Woche einen
Termin im Hause der Familie König in Ralswiek anberaumt.
"Öffentliche Verhandlung" oder "Nichtöffentliche
Beweisaufnahme" lautete die Frage. Familie König wollte keine
Presse dabei haben.
|
Kein Kaffeekränzchen sondern eine nichtöffentliche
Beweisaufnahme. Familie König (Roswitha König in der weißen
Bluse), daneben ihr Mann im blauen Hemd. Mit dem Rücken zum
Fotografen: Ruth und Peter Hick (2. und 3. von rechts).
Foto:
Wuitschik
|
Also eine Beweisaufnahme unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es ist
dies das zweite offizielle Aufeinandertreffen der Parteien. Im Juni 2001
sagten Königs noch vor dem Gericht in Stralsund: "Das Haus ist
unverkäuflich."
Alle Kompromissvorschläge werden abgelehnt
Mittlerweile haben es sich die Königs wohl doch anders überlegt.
Ihre Klage gegen die Störtebeker Festspiele wegen
Lärmbelästigung hat wohl nur noch den Grund reichlich Geld zu
machen. Ein Angebot der Festspiele über ein Mehrfaches des Wertes des
Hauses wurde ausgeschlagen. Über eine halbe Million EURO will man
jetzt.
Vorschläge der Familie Hick, das Haus mit Schallschutzfenstern und
einer Klimaanlage zu versehen, sollen erst akzeptiert, dann aber wieder von
Königs verworfen worden sein. Der Verdacht der Abzocke macht sich
breit. "Wir lassen uns aber nicht erpressen", so Peter Hick. Hick
hat bereits Maßnahmen zur Schallreduzierung ergriffen. Eine neue
Lautsprecheranlage wurde installiert, keine Konzerte mehr während der
Festspielzeit. Auch die Mittagsschau der Adler wurde gestrichen.
Doch das reicht Familie König nicht. Roswita König, jahrelang
Mitstreiterin im Kostüm auf der Freilichtbühne, scheint nicht das
wirkliche Problem zu sein. Ihr Mann und Sohn sollen immer wieder diejenigen
sein, die alle bisherigen Kompromissvorschläge abgelehnt haben.
"Die wollen wohl nur was vom Kuchen abhaben, ohne was dafür tun
zu müssen", äußert einer der ausgeschlossenen
Medienvertreter.
Peter und Ruth Hick sind sich einig: "Wir klagen uns durch die
Instanzen. So schnell geben wir nicht auf. Und die tausenden von
glücklichen Besuchern jeden Abend ermuntern uns dazu." Ein Ende
des Streites ist nicht in Sicht. "Gewinner wird es keine geben",
so Richter Könning. Er hofft immer noch auf einen Vergleich.
Den wird es aber nicht um jeden Preis geben. "Das wäre ja noch
schöner. Fast der ganze Ort lebt von den Festspielen. Aber wir
arbeiten auch dafür. Nicht so wie die", so ein Ralswieker
gegenüber der Presse mit Blick aufs König-Haus.
|
|
| Vertreter der Zivilkammer des Landgerichts Stralsund. Vorne Richter Andreas
Könning.
|
Das Haus der Familie König hinter der Bühne in Ralswiek. Rechts
der Anbau des Sohnes. Ihm war bekannt, dass die Festspiele Lärm
erzeugen. Jetzt möchte auch er Geld haben.
Fotos (2): Wuitschik
|
|