Krisengespräch der Milchbauern am 25. Juni in Karow
Werden die Milchkühe aus der Landwirtschaft der Insel Rügen verschwinden? /
Milchproduzenten kämpfen um eine Überlebenschance
Von Wolfgang Urban Bubkevitz. Am 25. Juni, also dem heutigen
Mittwoch, treffen sich die Milchbauern von Mecklenburg - Vorpommern in Karow bei
Güstrow zu einem Krisengespräch. Auch Rüganer werden anwesend sein, denn "im ganzen Kreis
Rügen ist die Milchproduktion in Gefahr".
Das sagte der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Lothar Püschel in einem Gespräch
zu den Problemen der Bauern, das im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Harder in
Bubkevitz stattfand.
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| Landwirtschaftliche Familientradition in Bubkevitz auf Rügen. Betriebsleiter
Jens Harder mit seinem Sohn Christian. Für diesen steht fest: "Ich will auf
eine Bauernschule!" Aber wird es noch eine Milchproduktion auf Rügen geben,
wenn er erwachsen ist? |
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Reinigungsarbeiten nach dem Klauenschneiden im Kuhstall in Bubkevitz. Harte
Arbeit für einen vergleichsweise geringen Stundenlohn, das ist die
Wirklichkeit in der Landwirtschaft. Mehr zur sozialen Lage der Landwirte im
Artikel. |
Die Familie ist seit Generationen in der Landwirtschaft
tätig. Als Jens Harder in den 1990-er Jahren seine GbR gründete kam mit dem
Boden und dem dazu gehörigen Handeln des Großvaters die entscheidende
Starthilfe. Auch der Vater war in der Landwirtschaft tätig. Er stand nicht
nur dem Betrieb seines Sohnes Jens, sondern auch dem seines Sohnes Tom mit
seinen Erfahrungen zur Verfügung. Beide Betriebe arbeiten als
Familienbetrieb eng zusammen. Dabei haben sich Tom Harder und seine Mutter
Ehrentraud auf Milch spezialisiert.
Während sich Jens Harder vor allem um die landwirtschaftlichen Flächen kümmert.
Die Harders bewirtschaften als Familienbetrieb eine Fläche von 625 ha, davon 500 ha
Ackerland und 125 ha Grünland. 135 Milchkühe plus Nachzucht kommen hinzu. Eigentlich
sind hier beste Grundlagen für ein erfolgreiches Wirtschaften vorhanden. Doch die
wirtschaftlichen Rahmenbedingunen machen auch dem Familienbetrieb der Harder
immer mehr zu schaffen.
Der Milchpreis und die Kostenpositionen im Ackerbau
sowie die damit verbundene Landwirtschaftspolitik sind zum Problem geworden.
Konkret erläuterte Jens Harder dies mit folgenden Fakten: "Momentan bekommen
wir 27 Cent pro geliefertem Liter Milch bei 3,7 % Fettgehalt und 3,2 %
Eiweißgehalt. Im letzten Jahr hatten wir einen Milchpreis, der lag um 3 Cent
höher als jetzt. Diese drei Cent sind in etwa der Gewinn, der im letzten
Jahr noch möglich war, aber in diesem Jahr weggefallen ist. Zusätzlich
belasten uns Ökosteuer, gestiegene Diesel- und Ersatzteilpreise."
Über die gleichen Probleme berichtete auch Dr. Möller, Vorsitzender der in
Rothenkirchen ansässigen APV (Agrar-, Produktions- und Vertriebsgemeinschaft
e.G.), der beim Gespräch in Bubkevitz ebenfalls anwesend war. "Angesichts
dieser Entwicklung", so Möller, "erübrigen sich für uns die andernorts
geführten Diskussionen über Tariferhöhungen, 35 Stundenwoche,
Inflationsausgleich, Weihnachts- und Urlaubsgeld."
Dabei hatten auch die Leiter landwirtschaftlicher Betriebe auf eine
Agrarpolitik gehofft, die es endlich ermöglicht, die Lohnverhältnisse ihrer
Mitarbeiter zu verbessern. "Im Durchschnitt", so Lothar Püschel, "verdient
auf Rügen ein Mitarbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb zwischen 6
und 8 Euro die Stunde. Im gewerblichen Bereich sind die Stundenlöhne um
rund 30 Prozent höher. Nur noch rund 300 Beschäftigte gibt es in der
landwirtschaftlichen Primärproduktion (Ackerbau, Milch- und
Schweineproduktion, also reine Produktion ohne Verarbeitung - d. Red.). Die
Tendenz der Beschäftigung in der Landwirtschaft ist weiter rückläufig."
Im Familienbetrieb der Harder in Bubkevitz sind zur Zeit insgesamt drei
Familienmitglieder und drei Angestellte tätig. In der viel größeren APV in
Rothenkirchen sind es noch "42 Arbeitskräfte und drei Lehrlinge. 1992 waren
es noch 170. Wenn der Preisdruck bei landwirtschaftlichen Produkten anhält",
so Dr. Möller, "dann müssen wir weiter rationalisieren... mit dem Ergebnis
des Abbaus von Arbeitskräften sowie der Einstellung von
Produktionsrichtungen. Besonders gefährdet ist zur Zeit die
Milchproduktion."
Landwirtschaftliche Familientradition in Bubkevitz auf Rügen. Betriebsleiter
Jens Harder mit seinem Sohn Christian. Für diesen steht fest: "Ich will auf
eine Bauernschule!" Aber wird es noch eine Milchproduktion auf Rügen geben,
wenn er erwachsen ist?
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