D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 25. Juni - 2. Juli 2003 unabhängig - überparteilich

Einweihung des sanierten Hafens in Wiek

Umfangreiche öffentliche Investitionen erfolgreich abgeschlossen / Weitere private Investitionen folgen

Böig präsentierte sich das Windlandwetter als Wirtschaftsminister Ebnet und Bürgermeister Mielke die Hafeneröffnung vornahmen.

Wiek. Nach einer grundlegenden Sanierung und bestens profilierten Neugestaltung wurde am vergangenen Samstag der Hafen in Wiek auf Rügen neu eröffnet. Stimmungsvoll hatten im Festzelt am Wieker Hafen rund hundert Musiker der Jugendblasorchester Grimmen und Sassnitz sowie der Wieker Blasmusik auf das Ereignis eingestimmt. Die Redner vom Minister über die Kreistagspräsidentin bis zum Bürgermeister würdigten die geleistete Arbeit.

Zugleich hoben sie die Bedeutung der getätigten Investitionen für den maritimen Tourismus hervor. Trotz dunkler Wolken sowie Regentropfen und kräftig böigem Wind wurde dann im Wieker Hafen das Band zur offiziellen Hafeneröffnung mit guter Laune durchschnitten. Während der Neueröffnung des Hafens wurde betont, dass die Hafensanierung mit Folgeinvestitionen von privaten Investoren verbunden ist.

Dieser Schwimmsteg gehört schon zu den privaten Folgeinvestitionen der
umfangreichen Hafensanierung.

Fotos (3): Urban


Der bereits installierte Schwimmsteg sowie die neuen Krananlagen der Wieker Boote GmbH gehören ebenso dazu wie weitere Vorhaben der Hafenrandbebauung. Mit der weiteren Ausgestaltung des Hafens sowie der Verwirklichung des Bebauungsplanes für die Hafenrandbebauung soll sich der Wieker Hafen zu einem attraktiven maritimen Zentrum im Norden von Rügen entwickeln.



Förderpreis für Wieker Blasmusik

Ehrung für kulturelle Bereichung sowie Förderung von Kindern und Jugendlichen

Landrätin Kerstin Kassner (PDS) gratuliert Orchesterleiter Helmut Linke zum Erhalt des Förderpreises der Kulturstiftung Rügen.

Wiek (ur) Während der Neueröffnung des Wieker Hafens (siehe oben) feierte die Wieker Blasmusik ihr 45-jähriges Bestehen.

Gemeinsam mit den Jugendblasorchestern aus Grimmen und Sassnitz gestalteten die Wieker während der Hafenneueröffnung ein stimmungsvolles Rahmenprogramm.

Viel Beifall erhielten sie nicht nur für ihre Musik, sondern auch zur Auszeichnung mit dem Förderpreis der Kulturstiftung Rügen. Er wurde der Wieker Blasmusik e.V. "für die Bereicherung des kulturellen Lebens auf Rügen und die kontinuierliche Förderung von Kindern und Jugendlichen im Ensemble" verliehen.



Auch die 7. Rügener Holzmesse war
ein voller Erfolg

Genau wie im letzten Jahr zog es wieder rund 20.000 Besucher nach Lauterbach

Lauterbach (ks). Als vollen Erfolg bezeichneten die Organisatoren die 7. Rügener Holzmesse, die mindestens genauso viele Besucher anzog, wie die Vorjahrsveranstaltung.

Das anhaltend gute Wetter, besonders die sonntäglichen Sonnenstrahlen, trugen das ihrige zum Gelingen der Veranstaltung, die bereits zum dritten Mal auf dem Gelände der Marina "Im Jaich" in Lauterbach stattfand, bei.Ein Besuch lohnte sich auf jeden Fall.

Das Messegelände "Im Jaich" ist
wunderschön gelegen.
Die Jüngsten konnten kostenlos am "Kinderreiten" teilnehmen.


Ein buntgemischtes Unterhaltungsprogramm von Jagdhornklängen über Schlager und Pop bis hin zu Blasmusik sowie Country- und Folk ließ auch musikalisch keine Langeweile aufkommen. Höhepunkt der diesjährigen Holzmesse, war die Versteigerung des "Hölzernen Pferdes". Jens Michael Pechthold, der für den geschickten Umgang mit der Kettensäge bekannt ist, hat innerhalb der zwei Messetage aus einem Baumstamm, mittels seiner Säge ein Pferd entstehen lassen.

Unter dem Motto "Kunst & Garten"
gab es Einiges zu sehen.
Interessante Gespräche an der einzelnen Messeständen waren vielerorts zu beobachten.


Bei der abschließenden Versteigerung, trieb der "Auktionator" in persona von Entertainer Jörg Hinz, den Preis auf ein Höchstgebot von immerhin 1.500 Euro. Neuer Eigentümer der wunderschönen Holzskulptur war kein anderer als Pferdenarr Sven Arlt, der auch gleich bekanntgab, dass seine Neuerwerbung künftig in Tegelhof die Besucher erfreuen wird.

Nach der Versteigerung (Foto links, v.l.): Jens Michael Pechthold, Hannjörg Abeler (Leiter des Bundesforstamtes Stralsund), Auktionator Jörg Hinz, Renate Richter und der neue Eigentümer Sven Arlt.     Fotos (6): Schäfer


Der Erlös der Versteigerung ging an die Sassnitzer Kita "8. März". "Wir wollen mit dem Geld unseren 150 Meter langen Zaun erneuern", wusste Renate Richter von der Kita "8. März" überglücklich zu berichten.



Landkreis will Schule in Rotensee

Räumlichkeiten des Förderzentrums am Bahnhof nicht länger akzeptabel

Von Knut Schäfer
Bergen auf Rügen.
"Wir haben hier im Gegensatz zur Schule am Bahnhof ideale Bedingungen. Die Räume sind groß und gut belüftet, der Schulhof bietet ausreichend Platz und auch die Turnhalle ist kein Vergleich zu unserem alten Sportraum am Bahnhof", beschreibt Rita Schulz, stell. Direktorin der Förderschule, die Lern -und Unterrichtsbedingungen für ihre ca. 80 Schüler, die gegenwärtig in der Schule in Rotensee (Störtebekerstraße 8a) untergebracht sind.

Bei einem Vorort-Termin konnten sich am vergangenen Freitag Vertreter des Landkreises unter Führung von Landrätin Kerstin Kassner (PDS) und dem Hauptamtsleiter der Stadt Bergen, Steffen Ulrich, von den idealen Bedingungen im Schulgebäude der Stadt überzeugen.

Derzeit sind rund ein Drittel der Schüler der Förderschule in sieben von der Stadt Bergen angemieteten Räumen untergebracht. Zwei Drittel der Schüler sind noch im alten Gebäude am Bahnhof. Doch das soll sich ändern. Hauptamtsleiter Ulrich bot dem Landkreis für das nächste Schuljahr insgesamt neun Unterrichtsräume sowie die Mitnutzung von vier Fachräumen an. "Damit wäre uns schon sehr geholfen", so Rita Schulz.

Auch Landrätin Kerstin Kassner nahm dieses Angebot positiv auf, und verwies auf die gute Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis. Ab dem Schuljahr 2004 / 2005 könnte die Schule dann möglicherweise komplett dem Förderzentrum zur Verfügung stehen. "Je schneller alle Schüler umziehen, desto besser", argumentierte Elternvertreterin Margit Ihlenfeldt, deren ältester Sohn in die 9. Klasse kommt und noch am Bahnhof untergebracht ist. Durch den Schimmelpilzbefall in diesem Gebäude klagt er ständig über Schnupfen und hat rote Flecken am ganzen Körper. Schnelles Handeln im Sinne der Kinder wäre also angebracht.

Landrätin Kerstin Kassner nutzte die Gelegenheit, um sich kurz vom Lerneifer
der Schüler zu überzeugen. Foto: Schäfer



RPNV-Info

Neuerungen im Sommerfahrplan

Bergen auf Rügen (DR). Zur Sommersaison 2003 gibt die Rügener Personennahverkehrsgesellschaft GmbH (RPNV) einen neuen Fahrplan heraus, der bis 5. Oktober gültig ist.

In diesem Sommer, und das ist neu, fahren die Busse des RPNV auf der Bäderlinie Bergen und Sassnitz über Binz nach Göhren, von Montag bis Freitag zu nachfrageintensiven Zeiten im 1/4 - Stundentakt. Auch der Störtebecker-Bus nach Ralswiek und der Theater Bus nach Putbus (für alle 20 Uhr-Vorstellungen kann das Theaterticket am jeweiligen Tag ab 14 Uhr als Fahrschein von und nach Putbus genutzt werden) werden in seiner bewährten Form durchgeführt.

Neu in diesem Jahr sind zwei Busse mit Fahrradanhängern, mit denen direkt und ohne Umstieg Fahrgäste und Radtouristen bequem fast jeden Punkt der Insel erreichen können. Diese Busse sind auf gegenläufigen Rundkurs (z.B. Bergen - Schaprode - über die Wittower Fähre - Altenkirchen - Sagard - Sassnitz - Prora - Binz - Göhren - Klein Zicker - Göhren - Bergen) täglich vormittags und nachmittags bis in die Abendstunden unterwegs. Alle Fahrten, bei denen die Fahrradbeförderung möglich ist, sind im Fahrplan besonders gekennzeichnet.

Neu in diesem Jahr ist das gemeinsame HIDDENSEE TICKET der Partner RPNV, Rugia-Reisen, Reederei Hiddensee und Reederei Kipp. Diese Tageskarte ermöglicht es den Fahrgästen, alle Buslinien der RPNV + RUGIA auf Rügen und alle Schiffslinien der Reederei Hiddensee und Reederei Kipp zwischen Rügen und Hiddensee zu nutzen. "Unser SommerHIT - Das HiddenseeTicket" ersetzt die bisherigen HIDDENSEE TICKET und HIDDENSEE KOMBI TICKET. Im Zuge dieses neuen Angebotes wurden die Anbindungen an die Häfen Schaprode, Wiek und Breege erweitert. Unter anderem fährt Montag bis Freitag bereits 5.20 Uhr ein Bus von Bergen nach Schaprode (Schiff ab 6.30 Uhr) und die Anbindungen vom Bakenberg Richtung Wiek und Breege wurden weiter verdichtet.

Aufgrund des großen Erfolges im letzten Jahr wurden die Ausflugtipps "Rügen erleben" wieder aufgelegt. Neu ist der Prospekt "RADzfatz über die Insel", in dem noch einmal gezielt auf die Direkt - Linienbusse mit Fahrradanhängern aufmerksam gemacht wird.

Stadtverkehr Sassnitz : Mit dem Sommerfahrplan und vorerst nur bis zum 5. Oktober wird der Hafen Sassnitz durch eine dritte Stadtlinie in Sassnitz angebunden. Die Stadt Sassnitz und der RPNV haben sich darauf verständigt, die neue Linienführung als Modellprojekt zu betrachten, das bei erfolgreicher Akzeptanz durch die Sassnitzer Bevölkerung und ihrer Gäste eventuell weitergeführt wird.

Stadverkehr Bergen : Im Interesse von kürzeren Fahrzeiten für die Einwohner und Gäste von Bergen wird die Stadtlinie zweimal täglich auch in gegenläufige Richtung bedient. In Abstimmung mit der Stadt Bergen ist nach Beendigung der umfangreichen Bauarbeiten eine erweiterte Linieführung geplant.

Ortsbus Sellin : Bereits über die Ostertage und seit dem 15. Mai 2003 ist der Ortsbus Sellin unterwegs. Gäste mit einer gültigen Kurkarte von Sellin können diesen Bus kostenfrei nutzen.

Trotz gestiegener Kraftstoffpreise, die das Unternehmen betreffen, bleiben die Tarife unverändert. Es ist das erklärte Ziel des RPNV, immer mehr einheimische Autofahrer, aber auch die "PKW-Touristen" zum Umsteigen zu motivieren, um stressfrei die täglichen Wege zu erledigen, aber auch Rügen mit dem Bus zu erleben.

Auskünfte : (0 38 38)1 94 49 und die InfoThek am Busbahnhof Bergen von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.



Krisengespräch der Milchbauern
am 25. Juni in Karow

Werden die Milchkühe aus der Landwirtschaft der Insel Rügen verschwinden? / Milchproduzenten kämpfen um eine Überlebenschance

Von Wolfgang Urban
Bubkevitz.
Am 25. Juni, also dem heutigen Mittwoch, treffen sich die Milchbauern von Mecklenburg - Vorpommern in Karow bei Güstrow zu einem Krisengespräch. Auch Rüganer werden anwesend sein, denn "im ganzen Kreis Rügen ist die Milchproduktion in Gefahr". Das sagte der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Lothar Püschel in einem Gespräch zu den Problemen der Bauern, das im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Harder in Bubkevitz stattfand.

Landwirtschaftliche Familientradition in Bubkevitz auf Rügen. Betriebsleiter Jens Harder mit seinem Sohn Christian. Für diesen steht fest: "Ich will auf eine Bauernschule!" Aber wird es noch eine Milchproduktion auf Rügen geben, wenn er erwachsen ist? Reinigungsarbeiten nach dem Klauenschneiden im Kuhstall in Bubkevitz. Harte Arbeit für einen vergleichsweise geringen Stundenlohn, das ist die Wirklichkeit in der Landwirtschaft. Mehr zur sozialen Lage der Landwirte im Artikel.

Die Familie ist seit Generationen in der Landwirtschaft tätig. Als Jens Harder in den 1990-er Jahren seine GbR gründete kam mit dem Boden und dem dazu gehörigen Handeln des Großvaters die entscheidende Starthilfe. Auch der Vater war in der Landwirtschaft tätig. Er stand nicht nur dem Betrieb seines Sohnes Jens, sondern auch dem seines Sohnes Tom mit seinen Erfahrungen zur Verfügung. Beide Betriebe arbeiten als Familienbetrieb eng zusammen. Dabei haben sich Tom Harder und seine Mutter Ehrentraud auf Milch spezialisiert.

Während sich Jens Harder vor allem um die landwirtschaftlichen Flächen kümmert. Die Harders bewirtschaften als Familienbetrieb eine Fläche von 625 ha, davon 500 ha Ackerland und 125 ha Grünland. 135 Milchkühe plus Nachzucht kommen hinzu. Eigentlich sind hier beste Grundlagen für ein erfolgreiches Wirtschaften vorhanden. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingunen machen auch dem Familienbetrieb der Harder immer mehr zu schaffen.

Der Milchpreis und die Kostenpositionen im Ackerbau sowie die damit verbundene Landwirtschaftspolitik sind zum Problem geworden. Konkret erläuterte Jens Harder dies mit folgenden Fakten: "Momentan bekommen wir 27 Cent pro geliefertem Liter Milch bei 3,7 % Fettgehalt und 3,2 % Eiweißgehalt. Im letzten Jahr hatten wir einen Milchpreis, der lag um 3 Cent höher als jetzt. Diese drei Cent sind in etwa der Gewinn, der im letzten Jahr noch möglich war, aber in diesem Jahr weggefallen ist. Zusätzlich belasten uns Ökosteuer, gestiegene Diesel- und Ersatzteilpreise."

Über die gleichen Probleme berichtete auch Dr. Möller, Vorsitzender der in Rothenkirchen ansässigen APV (Agrar-, Produktions- und Vertriebsgemeinschaft e.G.), der beim Gespräch in Bubkevitz ebenfalls anwesend war. "Angesichts dieser Entwicklung", so Möller, "erübrigen sich für uns die andernorts geführten Diskussionen über Tariferhöhungen, 35 Stundenwoche, Inflationsausgleich, Weihnachts- und Urlaubsgeld." Dabei hatten auch die Leiter landwirtschaftlicher Betriebe auf eine Agrarpolitik gehofft, die es endlich ermöglicht, die Lohnverhältnisse ihrer Mitarbeiter zu verbessern. "Im Durchschnitt", so Lothar Püschel, "verdient auf Rügen ein Mitarbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb zwischen 6 und 8 Euro die Stunde. Im gewerblichen Bereich sind die Stundenlöhne um rund 30 Prozent höher. Nur noch rund 300 Beschäftigte gibt es in der landwirtschaftlichen Primärproduktion (Ackerbau, Milch- und Schweineproduktion, also reine Produktion ohne Verarbeitung - d. Red.). Die Tendenz der Beschäftigung in der Landwirtschaft ist weiter rückläufig."

Im Familienbetrieb der Harder in Bubkevitz sind zur Zeit insgesamt drei Familienmitglieder und drei Angestellte tätig. In der viel größeren APV in Rothenkirchen sind es noch "42 Arbeitskräfte und drei Lehrlinge. 1992 waren es noch 170. Wenn der Preisdruck bei landwirtschaftlichen Produkten anhält", so Dr. Möller, "dann müssen wir weiter rationalisieren... mit dem Ergebnis des Abbaus von Arbeitskräften sowie der Einstellung von Produktionsrichtungen. Besonders gefährdet ist zur Zeit die Milchproduktion."

Landwirtschaftliche Familientradition in Bubkevitz auf Rügen. Betriebsleiter Jens Harder mit seinem Sohn Christian. Für diesen steht fest: "Ich will auf eine Bauernschule!" Aber wird es noch eine Milchproduktion auf Rügen geben, wenn er erwachsen ist?



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