D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 26. Februar - 4. März 2003 unabhängig - überparteilich

Digitaler Verwaltungsservice

"BeBis" steht für "Bergener Bürgerinformationssystem"

Gespannter Blick der Veranstaltungsteilnehmer auf das, was BeBis zu bieten hat. V.li.: Andrea Köster, Jens Taubenest (Stadt Bergen); Andreas Mann, Jörg Deichgräber (Volks- u. Raiffeisenbank); Jürgen Wachtel (Siemens AG); Sönke Reimers, Klaus Groß (Sparkasse Rügen).

Foto: Stadt

Bergen auf Rügen (DR). Der Flug in den Auslandsurlaub steht kurz bevor und entsetzt stellt man fest, dass die Personaldokumente in ihrer Gültigkeitsfrist abgelaufen sind. Für einen "normalen Behördengang" bleibt keine Zeit. Was nun?

Wenn die BeBis-Idee umgesetzt werden könnte, ließe sich eine verblüffende Lösung vorstellen: Fernseher, der mit einer Digital-Box ausgestattet ist, anschalten. Sich in das "Bergener Bürgerinformationssystem" klicken, am Bildschirm die notwendigen Formulare ausfüllen, die umgehend vom Verwaltungsservice bearbeitet werden und die Abreise ist gerettet. Nach Meinung der Initiatoren bietet das System als "Informationsbasis ohne Einschränkung" diese und noch viele andere Möglichkeiten der modernen Kommunikation.

Das Stadtgebiet Bergen verfügt schon jetzt über 90 % Verknüpfung aller Haushalte mit dem Breitbandkabelnetz (Kabel + SAT Bergen). Das ist bis jetzt einmalig in der Bundesrepublik und bietet die Chance für alle Bürger, Unternehmen, Institutionen usw. einen einheitlichen kostengünstigen Informationszugang aufzubauen und eine Nutzung über Fernseher und (oder) PC.

Alle Spielarten des modernen Kommunikationsaustausches sind möglich: Fernsehen, Internet, Telefonieren, Informationen über Verkehrslagen, Wirtschaft, Arbeiten und Lernen von zu Hause aus, Fahrpläne und Zugang zu Dienstleistungen, Krankenbetreuung und Krankennotrufe alles nach den Maßgaben des gesetzlichen Datenschutzes und in höchster Qualität ohne Sendeverluste.

Zu einer ausführlichen Vorstellung des "Bergener Bürgerinformationssystem" lud die BeBis-Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von der Siemens AG, Kabel + SAT Bergen sowie der Stadt Bergen, in einer ersten Veranstaltung im Dezember 2002 Vertreter Bergener Wohnungsunternehmen, der IHK, der Stadtverwaltung und der Kreishandwerkerschaft ein. Kürzlich folgte die zweite Info-Veranstaltung vor Vertretern der in der Stadt ansässigen Sparkasse Rügen und der Volks- und Raiffeisenbank.

Alle Genannten, einschließlich Kabel + SAT Bergen, sollten nach Meinung der Arbeitsgruppe die künftigen Hauptnutzer und evtl. auch Gesellschafter sein, damit "BeBis" eine wirtschaftliche Chance hat. Wenn z.B. die Wohnungswirtschaft ihre Mietobjekte für BeBis vorbereitet und damit die Wohnungen aufwertet, kann der Mieter ein modernes einheitliches und kostengünstiges Kommunikationsmittel nutzen. Ebenso interessant, wenn die Geldinstitute ihren Kunden "online-banking" über dieses System ermöglichen würden.

Auch für kleinere Unternehmen bieten sich neue und ebenfalls kostengünstige Werbemöglichkeiten. In Anwesenheit der Bergener Bürgermeisterin Andrea Köster, wurden in den ersten Diskussionsrunden "Für und Wider" abgeklopft. Diese Zusammenkünfte waren die ersten dieser Art und stießen auf reges Interesse. Dennoch: Es besteht noch Diskussionsbedarf. Demnächst wird die Arbeitsgruppe im zuständigen Schweriner Ministerium vorstellig, um eine möglichst hohe Förderung zu erwirken.


MS "Transfinlandia" in Betrieb

"Trans Russia Express" erweitert Transportkapazität
zwischen dem Fährhafen Sassnitz und St. Petersburg

Die MS "Transfinlandia" wurde am letzten Donnerstag das erste Mal offiziell auf Kurs Richtung St. Petersburg geschickt.

Foto : (gü)

Neu Mukran (gü). "Früher haben wir Joghurt nach Russland verschifft, heute fahren wir die Maschinen für die Produktion nach Osten", sagte Gunther Ranke, Vorsitzender des Vorstands der "Finnlines Deutschland AG", anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme des MS "Transfinlandia" im Rahmen des seit langem bestehenden Liniendienstes "Trans Russia Express" nach St. Petersburg.

Gleichzeitig wollte der Vorstand damit am letzten Donnerstag während einer kleinen Feierstunde an Bord des 157 Meter langen Frachtschiffes auf die große Bedeutung der Verkehre für sein Unternehmen gegenüber den anwesenden Gästen aufmerksam machen.

Weiterhin unterstrich er, dass die Verkehre aus Russland nach Deutschland gut sind, allerdings die Verkehre nach Russland besser werden könnten. "Doch das schaffen wir auch", so Ranke, der damit bei Andreas Meister, Geschäftsführer der Fährhafen Sassnitz GmbH, auf offene Ohren stieß.

Dieser sieht nach schweren Jahren in den Russlandverkehren auch wieder steigende Zahlen.
Die MS "Transfinlandia" verfügt über 2.240 Lademeter und verkehrt zweimal wöchentlich zwischen Sassnitz und Russland.


Wehrmachtsausstellung nicht nach Prora

Entscheidung ist gefallen:
Kritiker atmen auf, Befürworter können Entscheidung nicht nachvollziehen

Peenemünde / Prora (gü). Die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" (auch Wehrmachtsausstellung genannt) des Hamburger Instituts für Sozialforschung wird nicht in Prora gezeigt. Dies verlautete in der letzten Woche aus der Staatskanzlei in Schwerin nach einer entsprechenden Mitteilung des Instituts gegenüber der Stiftung "NEUE KULTUR".

Diese hatte angeregt, die seit ihrem ersten Zeigen im Jahr 1995 umstrittene Ausstellung in den "Koloss von Prora" zu holen. Vertreter des Instituts, der Landesregierung und der Stiftung hatten sich am letzten Mittwoch in Peenemünde umgesehen, um einen eventuellen Alternativstandort für den Sommer in Mecklenburg-Vorpommern zu fällen.

Wie es weiter hieß, soll eine Entscheidung in dieser Woche seitens der Hamburger getroffen werden, ob die Ausstellung in unserem Land gezeigt wird. Die geplante Ausstellung im Sommer 2003 in Prora hatte in den letzten Wochen und Monaten die Gemüter von Kritikern und Befürwortern gleichermaßen erhitzt.

Der Tourismus des nahe gelegenen Binz befürchtete einen Imageverlust für das größte Rügener Seebad, die Landesregierung sah Probleme mit einer parallel laufenden Jugendveranstaltung namens "Prora 03", Einwohner und Politik der Insel hatten Argumente dafür und dagegen gefunden, warum die Ausstellung als Zankapfel der Interessen gut ist. Die Kosten der Schau werden auf rund 40.000 Euro geschätzt.


Haushaltskonsolidierung

Verkauf des Tafelsilbers sicherte Teilrückzahlung der Liquiditätshilfe des Landes

Dranske (ur). Bürgermeister Uwe Ahlers erklärte, dass die Gemeinde "im Kalenderjahr 2002 auf ihrem Weg zur Konsolidierung der Gemeindefinanzen ein erhebliches Stück voran gebracht" wurde: "Der konsequente Freizug von Wohngebäuden und deren Trennung von den Versorgungsmedien hat mit einer Kosteneinsparung in sechsstelliger Höhe pro Wohngebäude zur erheblichen Verringerung der Bewirtschaftungskosten im gemeindeeigenen Wohnungsbestand beigetragen.

Parallel hierzu erfolgten weitere Grundstücksverkäufe und der Verkauf von Beteiligungen an fünf Gesellschaften in ebenfalls sechsstelliger Größenordnung, die das Haushaltsdefizit weiter verringerten und darüber hinaus eine vereinbarte Teilrückzahlung der Liquiditätshilfe des Landes absicherten. Damit sind wesentliche Eckpunkte des Haushalts-Sicherungskonzeptes abgearbeitet worden.

Den weiterhin sinkenden einwohnerbezogenen Zuweisungen des Landes zur Finanzierung des Gemeindehaushaltes entgegenwirkend sind seitens der Gemeinde Dranske in den vergangenen zwei Jahren Gebührensatzungen überarbeitet und die Zweitwohnungssteuer eingeführt worden. Kontraproduktiv wirken sich die der Gemeinde auferlegten Verwaltungskostenpauschalen der Amtsumlage und der Kreisumlage aus, die in unveränderter Größenordung den Gemeindehaushalt belasten...

Nach wie vor problematisch stellt sich die enorme Kreditbelastung der Gemeinde dar. Insbesondere vor dem Hintergrund der z. Zt. schwachen Immobilienmarktlage ist eine kurzfristige Veräusserung der finanziell hoch belasteten Rückbaugrundstücke, deren Erlöse teilweise zur Tilgung der entsprechenden Kreditbelastungen verwendet werden sollen, nicht wahrscheinlich."


Verzögerung beim Straßenbau

Bürgermeister Schaumann : Termin 15. Juni wird eingehalten

Ostseebad Binz (gü). Die zum 15. März geplante Fertigstellung des dritten Bauabschnitts beim Straßenbau in der Jasmunder Straße muss auf den 30. März verschoben werden. Darüber informierte Bürgermeister Horst Schaumann (parteilos) jetzt gegenüber dem Rüganer. In den letzten Wochen sind immerhin 20 Ausfalltage zu verzeichnen gewesen, drei davon allein durch das Auffinden der ehemaligen Tankstelle im Bereich der Straße, ergänzt der Gemeindechef und begründet damit die witterungsbedingte Verzögerung der Fertigstellung.

Aber, so Schaumann, nach Rücksprache mit der verantwortlichen Baufirma TSK GmbH aus Dettmannsdorf / Kölzow werden die Bauabschnitte vier und fünf zum 30. April bzw. 15. Juni termingerecht fertiggestellt, wie er betont. Der Bürgermeister will es an dieser Stelle nicht versäumen, trotz des Zeitverzugs das Engagement des Unternehmens zu loben. "Die Mitarbeiter der Baufirma haben bei bis zu Minus fünf Grad gearbeitet", so Schaumann.

Und auch der ZWAR wird vom Bürgermeister für die gute Zusammenarbeit gelobt. Die Ausfalltage sind neben dem Frost auch eingetretenen Grundwasserabsenkungen geschuldet. So mussten während der Bauphase für diese Probleme neue Verfahren eingesetzt werden. Optimistisch schaut der Gemeindechef auf die nächsten Wochen : "Die schlimmsten Situationen haben wir überstanden."

Nun sollen die Arbeiten zum 30. April bis auf Höhe der Tankstelle beendet sein, es wird eine provisorische Fahrbahn errichtet, damit es so wenig wie möglich Einschränkungen für die dann beginnende Saison gebe, sagt Horst Schaumann. Gleiches gilt natürlich bis 15. Juni für den letzten Bauabschnitt in Richtung Ortsausgang.

Wie es nach der Hochsaison im September mit dem Straßenbau weitergeht, das soll während der Gemeindevertretersitzung im April Ralf Sendrowski, Leiter des Straßenbauamtes Stralsund, den politischen Verantwortungsträgern und Bürgern erklären. "Ich habe den Leiter des Straßenbauamtes als Träger der Maßnahme eingeladen, damit wir die Termine von ihm hören", so Schaumann.


Schill-Partei will antreten

Partei Rechtsstaatlicher Offensive will an Kommunalwahlen 2004 teilnehmen

Sagard (gü). Der Kreisverband Rügen der Schill-Partei will sich an den Kommunalwahlen im Mai 2004 für die Gemeindevertretungen und den Kreistag beteiligen. Das geht aus einer der Redaktion vorliegenden Pressemeldung des Vorstandes hervor.

Demnach trafen sich die Mitglieder des Kreisverbandes bereits Ende Januar zu ihrer Jahresauftaktversammlung. Themen für den Wahlkampf sind bereits ins Auge gefasst. So sollen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus sowie Mittelstandspolitik die Felder sein, auf denen die Schill-Partei punkten will.

Und der Wahlkampf scheint schon begonnen zu haben. Die Pläne der Langness-Gruppe, den sog. "Rügen-Park" in Bergen zu errichten, werden vom Kreisverband kritisiert. Dieser richtet sich nicht nur gegen den Bergener Mittelstand, sondern geht auch zu Lasten der wirtschaftlichen Entwicklung der anliegenden Städte und Gemeinden", heißt es.


Reeder mit Sellin zufrieden

Reedereien "Ostsee Tour" und Gutowski
plädieren für Nutzung des Selliner Sees

Ostseebad Sellin (gü). Die stärkere Nutzung des Selliner Sees rückt weiter in den Mittelpunkt von Überlegungen ! Nachdem sich die Gemeindevertretung vor längerer Zeit für eine Reaktivierung dieses touristischen Potenzials ausgesprochen hatte und nach Fördermöglichkeiten sucht, haben sich jetzt Carsten Nöhren-Petan von der Sassnitzer Reederei "Ostsee Tour" und Siegfried Gutowski von der gleichnamigen Gager Reederei für eine stärkere Nutzung ausgesprochen. Dies taten sie im Rahmen der letzten Sitzung des Kurausschusses am 18. Februar gegenüber den anwesenden Ausschussmitgliedern.

Beide Reeder waren eingeladen, um über die Saison 2002 zu berichten. Und beide Reeder waren sich in ihren Ausführungen, dass sich der Anlegeplatz Seebrücke zu einem "wichtigen Standort" entwickelt habe. Nören-Petan und Gutowski betonten unisono, dass es in der abgelaufenen Saison weitere Zuwächse bei den Passagieren gegeben habe, die von der Selliner Seebrücke zu einer Schiffsfahrt aufbrechen.

So wollen die Sassnitzer beispielsweise den Seebrückenverkehr zwischen Göhren, Sellin und Binz intensivieren und setzen das MS "Marco Polo" dazu ein. Weiterhin soll das im Sassnitzer Stadthafen liegende U-Boot stärker in den Schiffsverkehr einbezogen werden. "Wir wollen mehr Pakete für die Gäste schnüren", betonte Carsten Nören-Petan. Dies begründete er damit, dass es auch aufgrund schlechten Wetters im letzten Jahr zeitweise zu weniger erfreulichen Passagierzahlen insgesamt gekommen sei.

Der Selliner See muss aktiviert werden

Auch Siegfried Gutowski konnte berichten, dass die Passagierzahlen von Sellin besonders nach Binz und zu den Kreidefelsen gestiegen seien. Beide Reeder unterstrichen beim Stichwort Kreidefelsen, dass man diese "eigentlich nur vom Wasser aus richtig erleben kann". Sie gingen damit auf Forderungen von Gästen ein, die gern mit dem Schiff von Sellin oder Binz nach Sassnitz fahren und die Kreidefelsen erwandern wollen.

Unabhängig von der Zeit, kann man die Schönheit der Rügener Wahrzeichen eben nur vom Wasser aus bewundern, sind sich beide einig. Als Alternative bei schlechtem Wetter bzw. als zusätzliches Angebot können sich beide Unternehmer die Einbindung des Bollwerks am Selliner See vorstellen. "Wir warten auf ein Zeichen seitens der Gemeinde", so Reeder Gutowski.

Dass Bewegung in eine mögliche Nutzung des Sees gekommen sei, konnte Bürgermeister Reinhard Liedtke (SWG) unlängst während der Gemeindevertretersitzung verkünden. Derzeit werden Bodenproben gezogen. Über einer Mergelschicht befinden sich fünf Meter Schlick, lauteten die ersten Erkenntnisse über die Beschaffenheit den Untergrundes.

Die Selliner träumen bereits seit einiger Zeit von der Reaktivierung des Sees. "Das sind Potenziale vor unserer Haustür, die wir nicht nutzen", so Ausschussvorsitzender Hans-Joachim Kreß (FDP), der damals auch maßgeblich die Diskussion innerhalb der Gemeinde anschob.

Geplant sind vom Bollwerk bis zum Grundstück des Anglervereins eine Promenade mit Anlegemöglichkeiten für Boote, zusätzlich ein Rad- und Wanderweg sowie kleinteilige Nutzungen.



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