Fernsehen - wichtigste Freizeitbeschäftigung
Interview mit dem Medienwissenschaftler Dr. Detlef Gwosc über
Rügens "Sehgewohnheiten"
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Der lokale Fernsehsender Rügencampus sendet regelmäßig und
berichtet über Wissenswertes von Rügen
Foto: Rügencampus |
Rügen (DR). Das Fernsehen ist eines der wichtigsten Medien unserer
Zeit. Eine Studie der Medienakademie Rügen zeigt, was die
Inselbewohner vom TV-Angebot verlangen und wie die Erfolgsaussichten eines
regionalen Fernsehsenders sind.
Unter der Leitung von Dr. Detlef Gwosc haben Studenten der Medienakademie
Rügen im Rahmen eines Forschungsprojekts Daten zur
Freizeitbeschäftigung und Mediennutzung auf Deutschlands
größter Insel gesammelt.
Über die Ergebnisse der im vergangenen Jahr durchgeführten
Befragungen sprach Der Rüganer mit dem Medienwissenschaftler Dr. Gwosc
(unter anderem Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg,
HBK Braunschweig).
Der Rüganer:
Was sind - bezogen auf die Medien - die wichtigsten Ergebnisse Ihrer
Studie?
Gwosc:
Hörfunk und Fernsehen werden auf Rügen häufiger als im
Bundesdurchschnitt genutzt. Knapp unterdurchschnittlich werden hingegen
Zeitungen gelesen und Videokassetten angesehen. Fernsehen ist auf
Rügen die wichtigste Freizeitbeschäftigung. Die Bedeutung, die
das Fernsehen hier spielt, zeigte sich auch an den Antworten auf die Frage,
für welches Medium man sich entscheiden würde, wenn man fortan
nur noch auf ein Medium zugreifen könnte...
Der Rüganer:
... sicherlich für das Fernsehen?
Gwosc: Richtig. Mehr als die Hälfte der Befragten hätte
sich für das Fernsehen entschieden. Abgeschlagen auf den Plätzen
folgen dann Radio, Zeitungen und Internet.
Der Rüganer:
Worin liegen die Gründe dafür?
Gwosc:
Bei Rügen handelt es sich um eine Flächenregion, die zweifelsfrei
infrastrukturelle Defizite im Bereich Kultur/ Sport hat. Die vorhandenen
Angebote wiederum können zum Teil nur mit großem zeitlichen
Aufwand erreicht werden.
Die überdurchschnittliche hohe Arbeitslosenquote auf der Insel zum
Zeitpunkt der Befragung lässt zudem vermuten, dass die überdies
in den neuen Bundesländern geringeren Durchschnittsverdienste einen
nur sehr eingeschränkten finanziellen Spielraum für andere
Freizeitbeschäftigungen lassen.
Der Rüganer:
Schauen die Rüganer auch anders fern?
Gwosc:
Im Grunde nein. Immerhin haben wir beispielsweise einen gesamtdeutschen
Trend bestätigt gefunden: Je älter die Zuschauer werden, desto
intensiver wird ferngesehen. Auch typisch für eine ostdeutsche Region
ist die Präferenz des Privatfernsehens. Anders formuliert: RTL, SAT1
oder Pro7 stehen in der Gunst der TV-Zuschauer vor ARD und ZDF.
Allerdings gibt es hier auch eine Ausnahme - die dritten Programme (wie
NDR) sind äußerst beliebt. Regionalangebote werden im Osten
allgemein stärker nachgefragt als in den alten Bundesländern.
Der Rüganer:
Welche Bedeutung hat dies für regionales Fernsehen auf Rügen?
Gwosc:
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Voraussetzungen für
regionales Privatfernsehen hervorragend sind, denn gleichermaßen die
Bevölkerung Rügens wie die zahlreichen Urlauber wollen ein
regionales TV-Angebot. Es existiert eine deutliche Nachfrage.
Der Rüganer:
Welche Bedingungen müssen konkret erfüllt werden, um mit
einem regionalen TV-Sender auf Dauer Anklang zu finden?
Gwosc:
Eine erste unabdingbare Voraussetzung für die dauerhafte Akzeptanz
eines Regionalsenders am TV-Zuschauermarkt Rügen ist die
flächendeckende und regelmäßige Ausstrahlung eines in
seiner Struktur für die Zuschauer nachvollziehbaren Programmangebots.
Daneben verlangen die Zuschauer vor allem eines - Kompetenz in der
Regionalberichterstattung.
Der Rüganer:
Wie sehen Sie diesbezüglich das Angebot, das der Sender Rügen
Campus bereits veranstaltet?
Gwosc:
Ich sehe Rügen Campus auf dem richtigen Weg, um sich zu einem
sowohl von einheimischer Bevölkerung wie von Urlaubern akzeptierten
Regionalsender zu entwickeln. Gerade in den letzten Wochen wurden
Anstrengungen der Senderverantwortlichen unternommen, um die Einspeisung
ins Kabelnetz noch reibungsloser zu gestalten.
Sicherlich gibt es aktuell beispielsweise im Programmangebot noch Reserven,
aber selbstverständlich muss man bei aller Kritik immer auch bedenken,
mit welchem personellen, technischen und finanziellen Aufwand ein Programm
produziert wird. Und da muss man vor den Machern von Rügen Campus, die
ja überwiegend Studenten und Umschüler sind, den Hut ziehen.
Was mich optimistisch für die Zukunft von Rügen Campus stimmt:
Die bislang gesendeten Beiträge sind z.T. sehr professionell, was von
den Zuschauern durchaus anerkannt wird. Die meisten der von uns befragten
Zuschauer, die den Regionalsender empfangen konnten, waren begeistert.
Der Rüganer:
Ist auch die Werbewirtschaft bereit, Rügen Campus zu
refinanzieren?
Gwosc:
Aus meiner Sicht sollte für die werbetreibende Wirtschaft die
Schaltung von Werbespots auf Rügen Campus zu einem sinnvollen
Marketing-Mix gehören. Dabei kommt den Werbetreibenden die Einstellung
der Rüganer zu gute, Werbung für einheimische Produkte und
Dienstleistungen auf dem regionalen TV-Sender nachdrücklich als
wünschenswert anzusehen.
Übrigens müssen die Zeitungsverlage nicht die Konkurrenz des
Regionalfernsehens im Bereich der Werbeerlöse fürchten.
Erfahrungen aus Regionen, in denen es bereits seit langem ein Nebeneinander
von Zeitungen und Regional-TV gibt, haben gezeigt, dass verstärkte
Werbeffekte durch abgestimmtes Cross Advertising entstehen.
Regional-Zeitung und Regional-TV sind im Werbesektor genaugenommen keine
Konkurrenten, sondern ergänzen sich.
Der Rüganer:
Vielen Dank für das Interview.
Hinweis: Auf einer öffentlichenVeranstaltung Anfang Juni wird Herr Dr.
Gwosc detaillierte Ergebnisse der Studie vorstellen. Der Rüganer wird
rechtzeitig Ort und Zeit bekannt geben.
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