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13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 26. März - 1. April 2003 unabhängig - überparteilich

Fernsehen - wichtigste Freizeitbeschäftigung

Interview mit dem Medienwissenschaftler Dr. Detlef Gwosc
über Rügens "Sehgewohnheiten"

Der lokale Fernsehsender Rügencampus sendet regelmäßig und berichtet über Wissenswertes von Rügen


Foto: Rügencampus

Rügen (DR). Das Fernsehen ist eines der wichtigsten Medien unserer Zeit. Eine Studie der Medienakademie Rügen zeigt, was die Inselbewohner vom TV-Angebot verlangen und wie die Erfolgsaussichten eines regionalen Fernsehsenders sind.

Unter der Leitung von Dr. Detlef Gwosc haben Studenten der Medienakademie Rügen im Rahmen eines Forschungsprojekts Daten zur Freizeitbeschäftigung und Mediennutzung auf Deutschlands größter Insel gesammelt.

Über die Ergebnisse der im vergangenen Jahr durchgeführten Befragungen sprach Der Rüganer mit dem Medienwissenschaftler Dr. Gwosc (unter anderem Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, HBK Braunschweig).

Der Rüganer:
Was sind - bezogen auf die Medien - die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Studie?

Gwosc:
Hörfunk und Fernsehen werden auf Rügen häufiger als im Bundesdurchschnitt genutzt. Knapp unterdurchschnittlich werden hingegen Zeitungen gelesen und Videokassetten angesehen. Fernsehen ist auf Rügen die wichtigste Freizeitbeschäftigung. Die Bedeutung, die das Fernsehen hier spielt, zeigte sich auch an den Antworten auf die Frage, für welches Medium man sich entscheiden würde, wenn man fortan nur noch auf ein Medium zugreifen könnte...

Der Rüganer:
... sicherlich für das Fernsehen?

Gwosc: Richtig. Mehr als die Hälfte der Befragten hätte sich für das Fernsehen entschieden. Abgeschlagen auf den Plätzen folgen dann Radio, Zeitungen und Internet.

Der Rüganer:
Worin liegen die Gründe dafür?

Gwosc:
Bei Rügen handelt es sich um eine Flächenregion, die zweifelsfrei infrastrukturelle Defizite im Bereich Kultur/ Sport hat. Die vorhandenen Angebote wiederum können zum Teil nur mit großem zeitlichen Aufwand erreicht werden.

Die überdurchschnittliche hohe Arbeitslosenquote auf der Insel zum Zeitpunkt der Befragung lässt zudem vermuten, dass die überdies in den neuen Bundesländern geringeren Durchschnittsverdienste einen nur sehr eingeschränkten finanziellen Spielraum für andere Freizeitbeschäftigungen lassen.

Der Rüganer:
Schauen die Rüganer auch anders fern?

Gwosc:
Im Grunde nein. Immerhin haben wir beispielsweise einen gesamtdeutschen Trend bestätigt gefunden: Je älter die Zuschauer werden, desto intensiver wird ferngesehen. Auch typisch für eine ostdeutsche Region ist die Präferenz des Privatfernsehens. Anders formuliert: RTL, SAT1 oder Pro7 stehen in der Gunst der TV-Zuschauer vor ARD und ZDF.

Allerdings gibt es hier auch eine Ausnahme - die dritten Programme (wie NDR) sind äußerst beliebt. Regionalangebote werden im Osten allgemein stärker nachgefragt als in den alten Bundesländern.

Der Rüganer:
Welche Bedeutung hat dies für regionales Fernsehen auf Rügen?

Gwosc:
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Voraussetzungen für regionales Privatfernsehen hervorragend sind, denn gleichermaßen die Bevölkerung Rügens wie die zahlreichen Urlauber wollen ein regionales TV-Angebot. Es existiert eine deutliche Nachfrage.

Der Rüganer:
Welche Bedingungen müssen konkret erfüllt werden, um mit einem regionalen TV-Sender auf Dauer Anklang zu finden?

Gwosc:
Eine erste unabdingbare Voraussetzung für die dauerhafte Akzeptanz eines Regionalsenders am TV-Zuschauermarkt Rügen ist die flächendeckende und regelmäßige Ausstrahlung eines in seiner Struktur für die Zuschauer nachvollziehbaren Programmangebots. Daneben verlangen die Zuschauer vor allem eines - Kompetenz in der Regionalberichterstattung.

Der Rüganer:
Wie sehen Sie diesbezüglich das Angebot, das der Sender Rügen Campus bereits veranstaltet?

Gwosc:
Ich sehe Rügen Campus auf dem richtigen Weg, um sich zu einem sowohl von einheimischer Bevölkerung wie von Urlaubern akzeptierten Regionalsender zu entwickeln. Gerade in den letzten Wochen wurden Anstrengungen der Senderverantwortlichen unternommen, um die Einspeisung ins Kabelnetz noch reibungsloser zu gestalten.

Sicherlich gibt es aktuell beispielsweise im Programmangebot noch Reserven, aber selbstverständlich muss man bei aller Kritik immer auch bedenken, mit welchem personellen, technischen und finanziellen Aufwand ein Programm produziert wird. Und da muss man vor den Machern von Rügen Campus, die ja überwiegend Studenten und Umschüler sind, den Hut ziehen.

Was mich optimistisch für die Zukunft von Rügen Campus stimmt: Die bislang gesendeten Beiträge sind z.T. sehr professionell, was von den Zuschauern durchaus anerkannt wird. Die meisten der von uns befragten Zuschauer, die den Regionalsender empfangen konnten, waren begeistert.

Der Rüganer:
Ist auch die Werbewirtschaft bereit, Rügen Campus zu refinanzieren?

Gwosc:
Aus meiner Sicht sollte für die werbetreibende Wirtschaft die Schaltung von Werbespots auf Rügen Campus zu einem sinnvollen Marketing-Mix gehören. Dabei kommt den Werbetreibenden die Einstellung der Rüganer zu gute, Werbung für einheimische Produkte und Dienstleistungen auf dem regionalen TV-Sender nachdrücklich als wünschenswert anzusehen.

Übrigens müssen die Zeitungsverlage nicht die Konkurrenz des Regionalfernsehens im Bereich der Werbeerlöse fürchten. Erfahrungen aus Regionen, in denen es bereits seit langem ein Nebeneinander von Zeitungen und Regional-TV gibt, haben gezeigt, dass verstärkte Werbeffekte durch abgestimmtes Cross Advertising entstehen. Regional-Zeitung und Regional-TV sind im Werbesektor genaugenommen keine Konkurrenten, sondern ergänzen sich.

Der Rüganer:
Vielen Dank für das Interview.

Hinweis: Auf einer öffentlichenVeranstaltung Anfang Juni wird Herr Dr. Gwosc detaillierte Ergebnisse der Studie vorstellen. Der Rüganer wird rechtzeitig Ort und Zeit bekannt geben.


Jubiläum

Festwoche im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium

Bergen auf Rügen (gü). "Unser Jubiläum soll gleichzeitig Gelegenheit sein, auch Bilanz zu ziehen", sagt Schulleiter Udo Blum vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium anlässlich der am 1. April beginnenden Festwoche. Gefeiert wird das 90. Gründungsjahr der Schuleinrichtung, die nach dem großen Sohn Rügens benannt ist.

Den Auftakt bildet am kommenden Dienstag eine Feierstunde in der Sporthalle des EMA, bei der auch der Titel "Europaschule" verliehen wird, wie ein Blick auf das Programm vom 1. bis 5. April verrät. Schließlich unterhält das EMA internationale Kontakte nach Schweden, Dänemark, Russland und Polen.

In dieser Festwoche freuen sich die derzeit 94 Lehrer und fast 1.500 Schüler besonders auf den Besuch der "Ehemaligen". Wieviele Abiturienten in den 90 Jahren durch das EMA gegangen sind konnte Schulleiter Blum am letzten Montag während eines Gersprächs zwar nicht sagen. Aber diese Zahl will er auf Fälle präsentieren. Seit 1990 sind es jedenfalls jährlich 160 Schüler gewesen, die das Gymnasium erfolgreich verließen.

Nach der Festveranstaltung wird es ab 12.30 Uhr einen Empfang in der Aula geben, gleichzeitig wird eine Galerie eröffnet. Doch die Schüler und Lehrer haben sich für die Festwoche zahlreiche Veranstaltungen, Auftritte, Konzerte und Workshops ausgedacht. Interessierte Einwohner und Gäste jeden Alters seien an dieser Stelle bereits auf den Tag der offenen Tür am 4. April in der Zeit von 9.15 bis 11.15 Uhr hingewiesen.

Einen sportlichen Tag unter dem Motto "Hot Wheels" wird es am 2. April auf dem Fluglandeplatz Güttin geben. Verschiedene Wettbewerbe sind hierbei für die Schüler vorbereitet worden. Abends laden Schülerbands zum Rockkonzert in die Sporthalle. Mehr im nächsten Rüganer.


Wahlen

Tourimusverband Rügen

Ostseebad Binz (gü). Der Tourismusverband Rügen wählt einen neuen Vorstand. Alle ordentlichen Mitglieder des TVR sind am kommenden Freitag, 28. März, zur diesjährigen Mitgliederversammlung eingeladen. Diese beginnt um 14 Uhr im Hotel "Vier Jahreszeiten" in der Zeppelinstraße 8.

Neben den Neuwahlen stehen auch der Bericht des alten Vorstandes zum Jahr 2002, der Bericht zu den Finanzen sowie die damit verbundene Entlastung des Vorstandes. Es wird eine rege Beteiligung erwartet.


Beschlossen !

Kreistag votiert für Haushaltskonsolidierungskonzept

Bergen auf Rügen (gü). Es ist geschafft ! Der Kreistag hat das lange umstrittene und noch im Januar abgelehnte Haushaltskonsolidierungskonzept mit großer Mehrheit über die Parteigrenzen hinweg verabschiedet. Das Inselparlament traf sich am zurückliegenden Donnerstag, um den weg frei zu machen für eine umfassende Konsolidierung des finanziell roten Etats und um Zukunftssicherung für den einzigen Insellandkreis in Deutschland zu betreiben.

Nach dem erbitterten Ringen der Vorwochen wurde dem Haushaltskonsolidierungskonzept zugestimmt, das einen Stellenabbau in der Landkreisverwaltung und auch eine Erhöhung der Kreisumlage durch die Gemeinden vorsieht. Nach den Prognosen, die Finanzdezernent Rainer Feit (parteilos) dem Kreistag vorstellte, wird sich der Kreis ab 2007 / 08 wieder einen finanziellen Handlungsspielraum "erspart" haben.

Redner aller im Kreistag vertretenen Parteien bezeichneten das Haushaltskonsolidierungskonzept als "kleinsten gemeinsamen Nenner", als "sicheres Fundament" sowie als "Konzept für das Heute".
Die einzige Gegenstimme kam von Ulrich Mielke (Bündnis für Rügen), der im Zuge der Debatte die schlechte Finanzausstattung der Gemeinden und auch des Kreises hinterfragt wissen wollte.

Denn die Erhöhung der Kreisumlage trifft die Kommunen und engt deren finanziellen Spielraum noch weiter ein. Er regte an, dass der Kreis eine Verfassungsklage einreichen solle, die sich mit der Finanzausstattung beschäftigt. Wie Der Rüganer aus gut informierten Kreisen erfahren konnte, wird eine solche Klage derzeit durch das Rechtsamt der Kreisverwaltung geprüft.

Im Zuge des jetzt beschlossenen Haushaltskonsolidierungskonzepts wird den Ämtern des Landkreises eine Kürzung von einem Prozent pro Jahr der Ausgaben auferlegt, eingangs erwähnter Stellenabbau wird bis 2008 insgesamt 45,68 Stellen betreffen. Damit verbunden ist ein Einstellungsstopp der Verwaltung. Der Kreistag behält sich vor, die Umsetzung des Haushaltskonsolidierungskonzepts regelmäßig zu prüfen.


Agrarreform

Resultate der Konferenz in Schwerin

Schwerin (ur). "Aus Schwerin ist ein deutliches Signal gekommen, dass sich die Länder in ihren Standpunkten zu den Legislativvorschlägen der EU-Kommission zur Agrarreform sehr aufeinander zu bewegt haben", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) zum Abschluss der Amtschef- und Agrarministerkonferenz in Schwerin.

Festgestellt wurde, dass in wesentlichen Punkten Übereinstimmung besteht, so dass im Hinblick auf die beschlossene EU-Osterweiterung im Mai 2004 sowie der laufenden WTO-Verhandlungen ein System weg von den produktbezogenen Prämien hin zu einheitlichen Flächenzahlungen gefunden werden müsse.

Bei der Modulation, das heißt der Umverteilung der Mittel zur Förderung des ländlichen Raumes, müsse darauf geachtet werden, dass diese im jeweiligen Mitgliedsland bleiben. "Die Nettozahlerposition Deutschlands darf sich nicht weiter verschlechtern".

Die Länder sprachen sich weiterhin für eine nationale einheitliche Flächenprämie anstelle einer betriebsbezogenen Prämie aus. Der Ausstieg aus der Milchquote zu 2015 wird begrüßt, allerdings müsse von einer Quotenaufstockung abgesehen werden. Die Vorschläge der Länder werden jetzt vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft bewertet. Das Ergebnis soll noch vor dem Sommer in einer neuen Runde besprochen werden.

Keine Einigkeit konnte in der Frage der nationalen Modulation gefunden werden. Während die Länder Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein die Umsetzung nicht in Frage stellen, sprachen sich die anderen Länder für eine Aussetzung aus. "Unsere Landwirte befinden sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation", sagte Landwirtschaftsminister Backhaus.

Solange die Diskussion um die obligatorische Modulation auf europäischer Ebene nicht abgeschlossen sei, sei die Frage der Kompatibilität der jeweiligen Maßnahmen nicht geklärt. Auf die Länder komme eine komplizierte Verwaltungsabwicklung zu, so die Befürchtung.



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