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15. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 26. Mai - 01. Juni 2004 unabhängig - überparteilich

Bergen und Garz unterschreiben Ehevertrag

Für wen entscheidet sich das Amt Bergen - Land?

Von Knut Schäfer
Bergen auf Rügen. Es ist eine Ehe, bei der beide Partner ohne Bauchschmerzen das "Ja - Wort" über die Lippen bekamen. Bereits Ende April berichtete DER RÜGANER über das einstimmige Votum der Bergener Volksvertreter zum öffentlich-rechtlichen Vertrag, der das Fundament für eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Garz bildet. In den letzten Wochen stimmten nun auch alle Gemeinden des Amtes für die Verwaltungshochzeit mit der Kreisstadt.

"Es ist ein besonderes, vielleicht sogar historisches Ereignis", betonte Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) vor der Vertragsunterzeichnung. Amtsvorsteher Helmut Bartz (parteilos) verwies auf die herzerfrischende und geradlinige Zusammenarbeit beider Seiten bei der Vertragsgestaltung. "Das Leben ist komplexer und umfassender als es sich die Mitarbeiter der Ministerien an ihren Schreibtischen denken", betonte Bartz mit Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen der Verwaltungsstrukturreform.

Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) und Amtsvorsteher Helmut Bartz (parteilos) unterschrieben in der vergangenen Woche den "Ehevertrag" zur Verwaltungshochzeit zwischen der Kreisstadt Bergen und dem Amt Garz.

Foto: Schäfer

Laut Andrea Köster soll Verwaltung künftig so günstig wie möglich sein, jedoch immer mit dem Ziel: "Verwaltung ist ein modernes Dienstleistungsunternehmen!" Ab dem 1. Januar 2005 wird das Amt Garz nun von der Kreisstadt aus verwaltet. Um den genauen Ablauf der Verwaltungsfusion, vor allem unter wirtschaftlichen und bürgerfreundlichen Gesichtspunkten, besser zu koordinieren, wird bis zum Ende des Jahres eine Konzeption erarbeitet. "Wie bereits jetzt schon feststeht, wird ein Großteil unserer Verwaltungsmitarbeiter wahrscheinlich bis 2006/2007 im Garzer Verwaltungsgebäude verbleiben, ehe sie nach Bergen umgesetzt werden.

Nach dem Verwaltungsumzug soll im Garzer Rathaus ein Bürgerbüro eröffnet werden, wodurch die Verwaltungsnöhe zu den Einwohnern unseres Amtsbereiches gesichert bleibt", so der Wunsch beider Vertragspartner. Nicht zu vergessen das Hochzeitsgeschenk: Das Land unterstützt diese Ehe mit 7,50 Euro pro Einwohner über einen Zeitraum von vier Jahren. Alles in allem macht das bei ca. 19.500 Einwohnern einen jährlichen Zuschuss von 146.250 Euro aus.

Doch wie sehen die Hochzeitsvorbereitungen in den anderen Ämtern aus? Die Ehe des Amtes Bergen - Land mit dem Amt Gingst scheint vorerst auf Grund der zu hohen "Mitgiftforderungen" des Amtes Bergen - Land vom Tisch.


Lieber kleiner König als Bettler

Wie DER RÜGANER in Erfahrung bringen konnte, gab es in den letzten Wochen einige Aufregung auf dem "Kommunalen Heiratsmarkt". So sollen sich das Amt Bergen - Land und Gingst schon handelseinig gewesen sein, bis der Amtsausschuss Bergen - Land auf die Idee kam, einige Nachbesserungen am Ehevertrag vorzunehmen, die beim Amt Gingst auf wenig Gegenliebe stießen. Hochzeit abgesagt! Das Amt Gingst suchte sich dann ganz schnell einen neuen Partner und fand diesen im Amt Südwest-Rügen. Auch Südwest-Rügen ist kein unbeschriebenes Blatt.

Wollte das "Samtenser - Königshaus" doch das Amt Garz, wir erinnern uns: jetziger Ehepartner von Bergen, ehelichen. Doch auch hier ging es ums Geld. "Die Variante erwies sich als finanziell ungünstig, da der Amtssitz in Samtens auf Grund des neuen Verwaltungsgebäudes, belassen werden sollte. Dieses Gebäude hätte das Amt Garz finanziell mit 1,2 Millionen Euro belastet, wobei diese Belastung erst nach 15 Jahren, also mit Ablauf des Hochzeitsvertrages, getilgt worden wäre", so ein auf Rügen tötiger "Eheberater". Doch die Bezeichnung "Heiratsschwindler" weisen die Samtenser unter Führung ihres Amtsvorstehers Ingulf Donig (SPD) sicher strickt von sich. Bleibt die Frage, ob Gingst weiß, wen es da heiratet? Aber zurück zum Amt Bergen - Land. Wie Amtsvorsteher Malte Preuhs gegenüber dem Rüganer verlauten ließ, kommen für sein Amt mehrere Varianten in Betracht. 1. Eine Verwaltungshochzeit mit Bergen / Garz. 2. Eine Amtshochzeit mit dem neuen Amt West (Südwest/Gingst). 3. Die Zerschlagung des Amtes, wobei sich die einzelnen Gemeinden dann getrennt für einen der erstgenannten Partner entscheiden können.

Wie Der Rüganer weiterhin weiß, wäre für einige Gemeinden des Amtes der Weg nach Bergen das kleinere Übel. Vor allem, da für sie so die Bürgernähe gewahrt bleibt. Zumal einige ja auch schon im Telefonbuch unter "Bergen" zu finden sind. Andere Gemeinden, so wie Buschvitz (O-Ton Bürgermeister Malte Preuhs), möchten absolut nicht nach Bergen. Getreu dem Motto: "Lieber bin ich in meiner Gemeinde ein kleiner König, als dass ich in Bergen als Bettler an die Tür klopfen muss!" Diese Gemeinden zieht es eher in "Richtung Westen". Wobei der Amtsvorsteher dann "König Arthus" und die Bürgermeister wenigstens Ritter der Tafelrunde seien würden.


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