D I E   Z E I T U N G   F Ü R   D I E   I N S E L

13. JG, Tel. 0 38 38 / 80 99-0 27. Februar - 5. März 2001 unabhängig - überparteilich

Wohin will der Rügener Tourismus?

DeHoGa spricht über neue Trends
Winterakademie schließt Lehrgänge gehobene(r) Küche und Service ab


Von Robby Günther

Bergen auf Rügen.
Stagnation im Tourismus ! Der deutsche Urlauber gibt weniger Geld aus und reist nicht mehr soviel ! Schlagzeilen, die die Branche in den letzten Wochen nachdenklich stimmten. Die bis dato unbestrittene Wachstumsbranche Tourismus steht vor einer "Stagnation", meldete dieser Tage das BAT-Freizeit-Forschungsinstitut Hamburg.

Auslöser der Hiobsbotschaften ist der auch als Tourismuspapst bekannte Prof. Horst Opaschowski. Jedoch, sind es wirklich Hiobsbotschaften ? Quo vadis Rügen ? Deutschlands größte Insel rechnet auch in diesem Jahr mit einer Steigerung der Gäste- und Übernachtungszahlen. Eine Rüganer-Umfrage belegt zumindest, dass die gewerbliche Vermietung mit den bisher getätigten Nachfragen gut leben kann. Erfahrungsgemäß kommt besonders über die Feiertagswochenenden kurzfristig ein weiterer Schub und der allgemeine Trend geht vermehrt zum Urlaub im eigenen Land.



17 Teilnehmer haben am letzten Montag ihren Abschluss im Lehrgang "Gehobene Küche" im Rahmen der Winterakademie absolviert.

Foto: Günther

Dieses Themas nahmen sich auch über 20 Leistungsträger aus Hotellerie und Gastronomie während des am zurückliegenden Montags stattgefundenen Wirtestammtisches des Regionalverbandes Rügen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa) Mecklenburg-Vorpommern an.
Ist der Tourismus-Boom zu Ende ? Wird die Reisebranche von einer Rezession heimgesucht und können die erreichten Zahlen nicht mehr überboten werden ? Für viele der anwesenden Touristiker Fragen, die klar mit "Nein" beantwortet wurden.

Zwar haben sich die prozentualen Zahlen bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1991 bis heute verringert, doch das Reiseverhalten an und für sich ist ausschlaggebend, sind sich alle Anwesenden an diesem Montagnachmittag sicher. So suchen die Deutschen vermehrt Reiseziele aus, die mit der Bahn oder dem Auto erreicht werden können. Und, so wurden Aussagen von Prof. Opaschowski zitiert, die Anzahl der Kurzreisen steigt.

Bestimmen gerade im Sommer Familien und junge Leute das Bild der Orte und Seebäder, sind es in der Vor- und Nachsaison ältere Reisende, die auch mehr Geld ausgeben können und dies bei den richtigen Angeboten auch tun. Gewinner Nummer eins dabei : Wellness-Angebote (Der Rüganer berichtete). Gewinner Nummer zwei : Genießen und Dienstleistungen. Und genau dort setzen die Lehrgänge der Winterakademie an, sind die Verantwortlichen überzeugt.

Rügen kann von Reisetrends profitieren

Der reisende Deutsche entdeckt im Zeitalter von Flugangst, unsicherer Weltlage und Familiensinn wieder die Nahziele. Dass Deutschland eines der beliebtesten Reiseziele ist, haben Umfragen und Zahlen in den letzten Jahren ausgiebig belegt. Und es sind Steigerungen möglich.

Damit das Reiseziel Rügen in der Skala der besten deutschen Destinationen weiter auf einem oberen Platz rangiert, dafür gibt es viele Unternehmungen und Anstrengungen. Eine davon ist seit einigen Jahren die Winterakademie, die in Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis, der REDEG mbH, der Industrie- und Handelskammer und mehreren Bildungsträgern auf der Insel mit Erfolg durchgeführt wird, wie die Projektverantwortlichen auch wieder am zurückliegenden Montag mit ein bisschen Stolz im Ton sagen konnten.

Zahlreiche Teilnehmer der Lehrgänge "Gehobene Küche" und "Gehobener Service" kochten und kredenzten ihr Können, das sie in den zurückliegenden Wochen von Meistern ihres Faches vermittelt bekommen haben.

Karl Haag, Küchenchef der Grone-Schule und seit zehn Jahren beim Bildungsträger, zeigte sich beispielsweise mit dem Engagement der 17 Teilnehmer in weiß hoch zufrieden. Das konnten auch Küchenmeister Ralf Hiener aus Süderholz und René Zühr von der Binzer "Orangerie Granitz" bestätigen, die Karl Haag während des Lehrganges zur Hand gingen, um den interessierten Küchendamen und -herren zu mehr Wissen zu verhelfen.

Geradezu hektische Geschäftigkeit herrschte am Montag, um alles für das große Menü vorzubereiten. Denn immerhin wurden durch die Damen und Herren in Küche und Service keine geringeren Gäste als die eigenen Chefs bekocht und bedient.

Während des Wirtestammtisches des DeHoGa Rügen wurde auch eines wieder ganz klar. Es wird künftig einen harten Konkurrenzkampf zwischen der Nord- und der Ostsee geben. "M-V kontra Schleswig-Holstein", so auch das Fazit von Prof. Opaschowski, der sich auch mit Blick auf die fast 20 Millionen Übernachtungen im Jahr 2001 im nordöstlichen Bundesland der Republik fast sicher ist, dass die "Wellen noch höher schlagen werden". Gemeint hat er damit die Platzierung von guten Produkten in einem guten Tourismus, der für gutes Geld angeboten werden kann und muss.

Immerhin 23 Prozent der Deutschen votieren in diesem Jahr für einen Urlaub in Deutschland (20 Prozent im Jahr 2001). Und diese drei Prozent bedeuten einen Zugewinn von immerhin 1,9 Millionen potenziellen Urlaubsreisenden für deutsche Destinationen. Davon sollte auch die Insel Rügen profitieren können.

Hinzu kommt ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Teil von Deutschen (29 Prozent), die sich gegenwärtig noch überlegen, wo sie ihre schönsten Tage im Jahr verleben wollen. Obwohl Urlaub auf der Konsumliste "nur" Platz vier einnimmt, sind steigende Zahlen das Ergebnis harter Arbeit der einzelnen Leistungsträger.


Zur Startseite "Der RÜGANER - Die Zeitung für die Insel".
© DER RÜGANER, Weiterveröffentlichung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages!

Ruegen-Logo Informationen zur Insel Rügen auch über www.ruegen.com   © wild-east®marketing
Impressum