Fahrschul - Zukunft auf Rügen
Rüganer - Gespräch mit dem Kreisvorsitzenden des
Fahrlehrerverbandes Rügen
Bergen auf Rügen (ks).
Aus Anlass dieser Sonderseiten traf sich Der
Rüganer stand der Kreisvorsitzende des Fahrlehrerverbandes
Rügen, Andreas Dirwelis (Foto), zur Lage der Fahrschulbranche auf
unserer Insel Rede und Antwort.
Der Rüganer: Wie schätzen Sie die Gesamtsituation im
Fahrschulwesen des Landkreises Rügen ein?
Dirwelis: Nach dem enormen Boom Anfang der 90er Jahre haben sich die
Zahlen der Führerscheinbewerber seit 1995/96 ungefähr
gleichbleibend eingependelt. drei bis fünf Prozent in den
nächsten fünf Jahren, kommt ein erneuter drastischer Schnitt
2007/08 auf die Branche zu. Die wenigen "Nachwende-Kinder" kommen
dann ins Führerscheinalter. Plastisch dargestellt heiß das:
Über 80 Fahrlehrer arbeiteten Anfang der 90iger Jahre auf der Insel;
derzeit sind es knapp über 30 Kollegen; im Jahre 2008 werden 9 bis 12
Fahrlehrer den gesamten Inselbedarf abdecken. Man sieht also, wie in
anderen Bereichen schlägt die geringe Geburtenrate sowie die
Abwanderungswelle auch in unserem Sektor voll durch. Seit 1991 haben 15
Kollegen ihre Fahrschule "abgemeldet".
Der Rüganer: Also keine rosigen Zukunftsperspektiven für
Ihr Gewerbe?
Dirwelis: Nein, man muss das differenziert betrachten. Einfacher
wird es gewiß nicht, aber einige Kollegen gehen in den Ruhestand,
andere wechseln in fremde Tätigkeitsfelder und um den
Fahrlehrer-Nachwuchs ist es nicht all zu gut bestellt.
Zudem ist die Zeit von Großfahrschulen und anonymer Massenabfertigung
so und so vorbei. Die Fahrschule ist und bleibt sehr
individuell-persönliches Geschäft, wo der Kunde zurecht umsorgt
sein will. Der potentielle Fahrschüler schaut genau hin, wo er sein
Geld investiert und das ist gut so!
Der Rüganer: Apropos Geld; bitte Klartext, was kostet
heutzutage ein PKW-Führerschein für einen 18-jährigen auf
Rügen?
Dirwelis: Im Schnitt zwischen 800 und 1.300 Euro. Wer mit 16 Jahren
schon den 125iger Schein gemacht hat, kommt auch gut und gern mit ca. 700
Euro durch. Wer super aufgeregt ist oder unter panischer Angst leidet, muss
mehr einplanen.
Der Rüganer: Sind diese Summen für unsere strukturschwache
Region auf Rügen nicht ganz schön heftig?
Dirwelis: Auch wenn sie es nicht glauben; NEIN. Bedenken Sie bitte,
wie viele schon dicht gemacht haben. Fahrschulen bereiten ihre
"Mandanten" zwar auf ein amtlich-staatliches Dokument vor, wir
sind aber voll den knallharten marktwirtschaftlichen Gesetzen unterworfen.
Rügener Gewerberaummieten und Spritpreise, unsere
Versicherungsregionalklassen etc. sind deutschlandweit im Spitzenbereich
anzusiedeln; die Fahrschulpreise für den Endverbraucher hingegen
bewegen sich in M/V und auf Rügen auf unterstem Niveau.
Wer es nicht glaubt, sollte mal aus Jux eine Fahrschule in Berlin, Hamburg
oder Stuttgart anrufen..., da fällt Ihnen garantiert der
Telefonhörer aus der Hand. Hier möchte ich für alle
Berufskollegen sprechen, der Führerschein wird jederzeit auf
Rügen bezahlbar bleiben.!
Der Rüganer: Wie finde ich nun als Interessent eine
vernünftige Fahrschule?
Dirwelis: Das kann ich Ihnen ganz klar beantworten. Entscheidend ist
der Leumund bzw. der Ruf der Fahrschule, wo Freunde und Bekannte zufrieden
waren und wo man gern an seine Fahrschulzeit zurückdenkt. Auf keinen
Fall sollte man sich von extremen Billigannoncen oder Super-Autos leiten
lassen. All das muss unterm Strich teuer bezahlt werden.
Der Einzelpreis für eine Fahrstunde gibt nie Auskunft über die
Gesamtkosten, die letztendlich zusammenkommen. Generell ist man in einer
Fahrschule, die Mitglied im Fahrlehrerverband M/V ist, gut aufgehoben.
Unsere Berufsinnung sichert eine ständige Fortbildung, den
regelmäßigen Bezug von Fachliteratur einen regen
Gedankenaustausch sowie die Einhaltung von Statuten und Satzungen. Nicht
ganz ohne Stolz sind mittlerweile elf Fahrschulen auch durch kleine
blau-rote quadratische Aufkleber an ihren Fahrschul-PKW´s zu
erkennen.
Der Rüganer: Was wünschen Sie sich in der nahen Zukunft
für Ihren Berufsstand?
Dirwelis: Da fällt mir spontan so einiges ein. Als erstes mehr
Öffentlichkeit und Medienpräsens um den Stellenwert des
Fahrlehrerberufes als Verkehrspädagoge in der Öffentlichkeit zu
heben. Desweiteren plädiere ich für ein noch engeres
Zusammenrücken der Kollegen für ihre Interessen, z.B. im Rahmen
des Fahrlehrerverbandes.
Solch ein ureigenstes Interesse ist zweifelsohne die Reduzierung
staatlicher Zuschüsse in der LKW- und Busausbildung, selbst wenn diese
noch so geschickt in Umschulungsmaßnahmen verpackt werden. Hier
heißt es, für alle Kollegen gleiche Wettbewerbsbedingungen zu
schaffen. Vielleicht darf ich mich noch abschließend bei meinen
Kollegen Jürgen Bergmann und Gunter Gramenz sowie allen anderen
Verbandsmitgliedern für Ihr Engagement ganz herzlich bedanken.
Der Rüganer: Herr Dirwelis, vielen Dank für das
Gespräch.
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