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Neue Weichenstellung

"Rügen Produkt e.V.": Tagung mit Reformvorschlag

Blick in den Rechenschaftsbericht des "Rügen Produkt e.V.", den Vereinsvorsitzender Albrecht Kind (rechts) am 1. August halten wird. An seiner Seite Vereinsmitglied Hubertus Rabe.

Foto: Urban

Von Wolfgang Urban
Rügen.
Seit Juni 1996 gibt es den "Rügen Produkt e.V". Aus den damals sieben Gründungsmitgliedern wurden inzwischen 32 Vereinsmitglieder. Sie treffen sich am 1. August. "Es wird keine gewöhnliche Jahresvollversammlung", erklärte Vereinsvorsitzender Albrecht Kind: "In meinem Rechenschaftsbericht werde ich verdeutlichen, dass wir an einem Scheideweg stehen.

In der Vergangenheit haben wir Höhen und Tiefen durchwandern müssen. Es gab Erfolge, aber auch eine Reihe von Misserfolgen. So wie der Verein bisher funktionierte, fehlte es ihm vor allem am Durchsetzungsvermögen." Dabei verwies Albrecht Kind auf die Funktionsweise des Vereins. Mit Hubertus Rabe verfügte der Verein bis zum 28. Februar 2002 lediglich über eine einzige, geförderte Bürokraft. Seit diesem Zeitpunkt wird sogar alles rein ehrenamtlich bewältigt.

Dabei ist das Aufgabengebiet vielfältig. Vereinsvorsitzender Albrecht Kind verweist dabei auf all das, was notwendig ist, um die "Förderung der Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Qualitätsprodukten der Insel Rügen" voranzubringen: "Dazu gilt es u.a. eine intensive Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Besonders gut gelang uns dies bei der Zertifizierung von Qualitätsprodukten mit dem Gütesiegel ,DAS BESTE VON RÜGEN'.

Das alleine kann es aber nicht mehr sein. Daher werde ich auf der Jahreshauptversammlung eine neue Struktur für unsere Tätigkeit vorschlagen. Vereinfacht gesagt sieht der Reformvorschlag vor, dass sich der Verein weiter auf die Öffentlichkeitsarbeit konzentriert und wir parallel dazu ein privatwirtschaftliches Unternehmen für die Vermarktung von Rügen-Produkten schaffen. Das werde ich zumindest vorschlagen."

Am 1. August führt der "Rügen Produkt e.V." um 18 Uhr in Sassnitz seine diesjährige Jahreshauptversammlung durch. Die Veranstaltung findet im Bistro "Kutter 4" des Vereinsmitgliedes "Kutter- und Küstenfisch Rügen GmbH" statt.

Wie oben angekündigt wird Vereinsvorsitzender Albrecht Kind nicht nur den Rechenschaftsbericht halten, sondern auch einen Reformvorschlag unterbreiten. Damit strebt er eine neue Weichenstellung an. Ob sie zur Wirklichkeit wird, hängt vom Ergebnis der Diskussion der Vereinsmitglieder und der anschließenden Beschlussfassung ab.

ur (Wolfgang Urban): Herr Kind, Sie werden also die Gründung eines privatwirtschaftlichen Unternehmens für die Vermarktung von Rügen-Produkten vorschlagen. Denken Sie dabei an eine GmbH oder GbR, oder was für Vorstellungen haben sie?

Albrecht Kind: Auf der Versammlung muss zuerst die Vereinssatzung geändert und die Aufgabenteilung zwischen Verein und privatwirtschaftlichem Unternehmen beschlossen werden. Ich habe natürlich meine Vorstellungen über diesen Weg, aber ich möchte der Diskussion hier nicht vorgreifen.

ur: Dennoch eine Nachfrage. Was verbleibt als Aufgabe beim Verein, wenn parallel zu ihm ein privatwirtschaftliches Unternehmen entsteht?
Albrecht Kind: Die Öffentlichkeitsarbeit, die Mitgliederbetreuung und die Zertifizierung.
ur: Zertifizierung?

Albrecht Kind: Es gibt eine unabhängige Zertifizierungskommission, in der Vertreter der einzelnen Wirtschaftszweige und unser Verein vertreten sind. Das Zertifikat "DAS BESTE VON RÜGEN" wird nach drei Kriterien vergeben:
- der Rohstoff des Produktes muss von Rügen sein und die Hauptwertschöpfung muss auf der Insel vonstatten gehen
- die Qualitätsprüfung durch ein unabhängiges Labor
- bei Lebensmitteln die Verkostung durch die Zertifizierungskommission mit einem abschließenden Gesamturteil. Dass es sich die Kommission nicht leicht macht, sieht man daran, dass sieben Produkte im ersten Anlauf nicht ausgezeichnet wurden.

ur. "DAS BESTE VON RÜGEN" ist also ein Rügenprodukt. Aber es gibt auch Beispiele, wo zwar Rügen auf den Produkten steht, aber bestenfalls ein kleiner Anteil an Arbeit bzw. Rohstoff von Rügen ist.

Albrecht Kind: Was wir zertifizieren ist wirklich ein Rügenprodukt.

ur: Was tuen sie gegen die "Schein-Rügenprodukte"?
Albrecht Kind: Wir haben in unsere Satzung geschrieben, dass der Verein seine Mitglieder vor dem missbräuchlichen Gebrauch des Wortes "Rügen" bei Produkten und Leistungen auch mit juristischen Mitteln schützt.

ur: Kam das schon vor?

Albrecht Kind: Wir haben schon wiederholt den Amtstierarzt eingeschaltet.

ur: Sie sind seit der Gründung des Vereins dessen Vorsitzender. Wie sieht ihre Bilanz aus?

Albrecht Kind: Im Grunde bin ich nicht zufrieden. Daher werde ich auch die erwähnte Strukturveränderung vorschlagen. Freuen tue ich mich indes darüber, dass es einer Reihe von Mitgliedern gelungen ist, qualitativ hochwertige Rügener Produkte herzustellen. Einige konnten wir mit dem Gütesiegel "DAS BESTE VON RÜGEN" auszeichnen. Insgesamt ist aber die Erzeugung und Verarbeitung von einheimischen Produkten noch zu gering.

ur: Wo sehen Sie die Ursachen?

Albrecht Kind: Es fehlt die gesamte einheimische Verarbeitungsstrecke für die guten landwirtschaftlichen Rohprodukte. Selbst in der Molkerei in Bergen wird nur ein Produkt, der Weichkäse hergestellt. Neben der Rügener Landschlachterei in Gademow gibt es keinen weiteren Schlachtbetrieb auf Rügen. Weiterhin fehlt die Verarbeitung für Kohl und Getreide. Die Liste ließe sich fortführen.

ur: Es fehlt also an genügend Endprodukten, von denen man sagen könnte: Gewachsen bzw. aufgezogen und verarbeitet auf der Insel Rügen?

Albrecht Kind: Ja. Damit das anders wird, haben wir uns als Verein in der Vergangenheit bemüht, Starthilfen in Form von Fördermitteln für die Verarbeitung von Rügenprodukten zu bekommen. Aber ein rein ehrenamtlich arbeitender Verein stößt dabei auf Grenzen. Daher ist es notwendig, dass wir neue Strukturen schaffen.

ur: Welche Rolle spielen dabei die unterschiedlichen Wirtschaftszweige auf Rügen.
Albrecht Kind: Wir wollen sie unter dem Gesichtspunkt "DAS BESTE VON RÜGEN" zusammenführen. Wir müssen die kooperative Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe sowie Hotellerie, Gastronomie und Verbraucher organisieren.

Der Tourismus ist dabei auf unserer Insel Rügen tatsächlich der wichtigste Wirtschaftsbereich. Er muss aber so funktionieren, dass alle übrigen wirtschaftlichen Bereiche - wie u.a. die Landwirtschaft ­p; durch ihn Arbeit und Wertschöpfung bekommen. Dazu brauchen wir noch mehr Unterstützung aus der Politik.

ur: Das sind zugleich auch ihre Wünsche für die Zukunft?

Albrecht Kind: Ja, ich wünsche mir ein enges kooperatives Zusammenarbeiten auf unserer Insel. Gemeinsames Arbeiten und nicht der Branchenegoismus sollten herrschen.


Ressourcen der Insel schonen

Firma "Gollan-Recycling GmbH" verwertet Abbruchware für Wegebau

Bauunternehmer Thilo Gollan erklärt Rügens Landrätin Kerstin Kassner (PDS) den Einsatz der Abbruchstücken als Kies oder Schotter für den Wegebau.

Foto : Günther

Ostseebad Binz (gü). Alternatives Baumaterial statt wertvolle Ressourcen der Insel auszubeuten, lautet die Devise von Thilo Gollan, der mit der gleichnamigen Firma "Gollan-Recycling GmbH" Betonschredder zu Kies und Schotter verarbeitet. Landrätin Kerstin Kassner (PDS) ließ sich am zurückliegenden Donnerstag von dem Bauunternehmer am Beispiel der Schmachter See-Promenade das Material erklären.

Demnach kommt der Betonschredder von abgerissenen Plattenbauten, LPG-Stallungen oder Ferienanlagen. Dann wird er entsprechend aufbereitet, so dass er auch einer Materialprüfung stand hält, wie Thilo Gollan weiter erklärt. "Unser Produkt kann den Wettbewerb mit Kies ohne Probleme bestehen", zeigt der Unternehmer die Vorteile der Beschaffenheit auf. Das Material ist vom Landesbauamt geprüft und zugelassen worden. Zertifizierung und Vorschriften sorgen für die nötige Sicherheit.

Und außerdem ist auch der Preis für Bauherren interessant, wie betont wird. So können interessierte Bauherren bis zu 20 Prozent zum herkömmlichen Kies oder Schotter sparen. Die "Gollan-Recycling GmbH" hat dieses Jahr rund 20.000 Tonnen des Materials in unterschiedlicher Körnung bereits verkaufen können.

Allein 4.000 Tonnen sind bis jetzt während der Bauarbeiten an der Schmachter See-Promenade verarbeitet worden. Weitere 1.500 Tonnen werden noch benötigt, blickt Gollan voraus. Um Referenzen für den Baustoff braucht sich der in Neu-Mukran mit seinem Recyclinghof ansässige Unternehmer nicht fürchten. So ist in den soeben fertig gestellten Radwegen zwischen Lancken-Granitz und Serams sowie zwischen Prora und Neu-Mukran der Baustoff als Untergrundmaterial eingebaut worden.

Neues Eigenheimgebiet

Gemeindevertretung segnet B-Plan zum Wohngebiet "Thiessow-Nord" ab

Ostseebad Thiessow (gü). Neues Wohngebiet für das kleine Seebad im tiefen Mönchgut ! Mit einem entsprechenden und einstimmig gefassten Beschluss zum B-Plan Nr. 6 "Wohngebiet Thiessow-Nord" machten die anwesenden sechs Gemeindevertreter während ihrer Sitzung am 17. Juli den Weg für das Vorhaben einer Hamburger Investorenfamilie frei.

Demnach sollen vier größere Einfamilien- bzw. Doppelhäuser auf dem Gelände der ehemaligen Grenzkompanie errichtet werden. Auf dem Gelände am Ortseingang müssen allerdings zuerst die alten Baracken abgerissen werden, um eine Baufreiheit für das Vorhaben zu erlangen. Die Gemeindevertreter hatten während ihrer Sitzung einen Abwägungsbeschluss auf der Tagesordnung. Während der Diskussion machte Bürgermeisterin Gisela Zorn (parteilos) deutlich, dass es "keine generellen Bedenken" seitens der Träger öffentlicher Belange zu dem Vorhaben gebe.

Der Landkreis wollte die Trauf- und Firsthöhen der Häuser herabgesetzt wissen. Dem folgte die Gemeindevertretung und somit können die vier Häuser, die eine durchschnittliche Größe von rund 300 Quadratmetern haben sollen, jetzt eine Traufhöhe von 3,30 Meter (zuvor 3,50 Meter) und eine Firsthöhe von neun Meter (zuvor 9,50 Meter) haben. Außerdem macht sich für die Ver- und Entsorgungsfahrzeuge ein Wendehammer nötig.

In den Häusern sollen vor allem Dauerwohnungen entstehen, wie die Bürgermeisterin weiter informierte. Zusätzlich können pro Einfamilienhaus eine Ferienwohnung oder aber zwei Zimmer für die Vermietung entstehen, ist dem Abwägungsbeschluss zum B-Plan zu entnehmen.
Die Baufenster haben eine durchschnittliche Größe von 180 Quadratmetern.
Ursprünglich sollte auf dem Areal eine Ferienpension entstehen, die allerdings in der Gemeinde keinen Rückhalt fand.


Ganz Göhren gibt einen aus

Tourismusausschuss verständigte sich über Probleme in der Strandstraße

Ostseebad Göhren (gü). Den Gästen einfach einen ausgeben ! Wenn dieses Ansinnen den Zorn der Urlauber auf die im Sommer stattfindenden Baumaßnahmen im Ort verschwinden lässt, dann können sich die Göhrener glücklich schätzen. Aber ganz so einfach wird es nicht werden, wie jetzt während der Sitzung des Tourismusausschusses deutlich wurde.

Rund 25 interessierte Gäste, vornehmlich Anlieger der Strandstraße aus Hotellerie und Gastronomie, kamen und wollten von den politischen Verantwortungsträgern hören, wie den chaotischen Zuständen beizukommen ist. Besonders in der Kritik an diesem Abend der Beschluss der Gemeindevertretung, im Sommer die Bauarbeiten in der Straße weiterzuführen, statt die Hochsaison abzuwarten.

"Keine Ahnung vom Tourismus" bescheinigten die aufgebrachten Unternehmer dem Abgeordneten, die für diesen Beschluss stehen (als einzige Fraktion hatte die CDU gegen die Sommerbaustelle votiert - Anm. d. Red.). Diese Kritik wollte Ausschussmitglied und Gemeindevertreterin Heidemarie Tilly (BfR) nicht auf sich sitzen lassen und verteidigte die Position der Gemeinde.

"Wir wollen das Beste mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln für den Ort", sagte sie. Doch mit ihrer Meinung stand sie allein. Keiner der Anwesenden und direkt Betroffenen wollte diesem Gedanken der Gemeinde folgen, wie aus den Wortmeldungen zu entnehmen war.

"Bis heute kann mir keiner plausibel erklären, warum durchgebaut werden musste", sagte Michael Schubert. "Wir haben 2003 nur damit zu tun, die Gäste, die wir dieses Jahr verlieren, zurück zu holen", sagte Michael Grübler. Viktor Krohn monierte die "einseitige Stellungnahme" des Amtes Mönchgut-Granitz für die Baumaßnahme ohne Sommerpause.

"Einiges sei doch im Bauab-lauf schon besser geworden", versuchte Gemeindevertreter Hans-Harald Ott (SPD) zu verdeutlichen, dass auf die Kritik eingegangen wurde. Doch vielen ist das zuwenig. Besonders dem Hotel "Nordperd", das eine Klage gegen die Gemeinde in Erwägung zieht, wie es am Rande der Sitzung hieß.



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